(Visible Noise / Columbia / Sony/BMG) Mann, wie lange habe ich auf dieses Album gewartet. Der Vorgänger „Start Something“ ist Jahre später immer noch auf meiner engsten iPod-Liste zu finden und dudelt unaufhörlich durch meine Gehirnwindungen. Nach dem Studieren des Beipackzettels und diverser Interviews der auf fünf Mitglieder geschrumpften Bands (Drummer Mike Chiplin ist ja raus) im Vorfeld der Veröffentlichung weiß man ja nun auch, dass die LOSTPROPHETS 2006 große Hymnen komponieren wollen, was ihnen nach einmaligem Hördurchlauf auch attestiert werden kann. Dafür soll ja auch Bob Rock verantwortlich sein, der Mann, der Metallica’s schwarzem Album einen kometenhaften Erfolg bescherte. Der lud dann auch gleich das menschliche Uhrwerk Josh Freese ins Studio nach Hawaii, da der blutjunge Tour- und evtl. „bald mal in der Band, wenn er zu uns passt“-Drummer etwas zu lange gebraucht haben soll. So viel zum Drumherum, widmen wir uns den Songs. ‚Everyday Combat’ ist ein starker Opener mit Gitarrensolo, der noch von der härteren Vergangenheit der LOSTPROPHETS zeugt. Mit einer Spielzeit von über fünf Minuten kommt das Stück mit einem ruhigen, sich steigerndem Dynamikpart zwischendurch, der sich mit einem „Fuck“ entlädt. lostprophets-band3‚A Town Called Hypocrisy’ startet Retro-mäßig (wie von einer „The“-Band), Sänger Ian Watkins singt wie bei ‚Last Train Home’, das Stück steuert auf einen gigantischen Refrain hin, der sich als Singalong-Hymne in den Lauschlappen des Hörers niederlässt. ‚The New Transmission’ ist bei drei enthaltenen Songs Hymne Nr. 3! ‚Rooftops (A Liberation Broadcast)’, die erste Single, ist uns ja bereits einige Wochen bekannt. Der Song beginnt langsam und bedächtig à la ‚Lost Summer’ und geht in einen Jahrhundert-Refrain über. ‚Can’t Stop, Gotta Date With Hate’ ist nett und hat auch nen ordentlichen Refrain, für mich persönlich ist er aber eher Füllwerk. Wow! Bei ‘Can't Catch Tomorrow (Good Shoes Won't Save You This Time)’ zeichnet sich ab, dass die Jungs 2006 keine Grenzen kennen. Ein knackiger „Dududududuu“-Chor läutet den Song ein und beendet ihn auch. Handwerklich und hit-technisch gibt es nix zu beanstanden, das Stück haut mich aber nicht um. ‚Everybody’s Screaming’ ist mir etwas zu belanglos in der Strophe! Dafür ist aber ‘Broken Hearts, Torn Up Letters And The Story Of A Lonely Girl’ wieder ein ziemlicher Hammer. Somit ist das Tief in der Mitte überwunden! ‚4:AM Forever’ ist schön melancholisch, Watkins erinnert an Hetfield’s Stimmfarbe bei den melodischen „Load“-Geschichten, der Refrain erklingt wieder bewährt hymnisch. On top gibt es ein klassisches Solo. Das Ding wird mit Sicherheit als Single ausgekoppelt. Lostprophets-band2Ein “Yeah” läutet ‘For All These Times Son, For All These Times’, einen Song vom Schlage 'Last Train Home' ein, der aber etwas mehr Schmackes hat und in der Bridge aggressive „No’s“ transportiert. Auch hier sitzt der Refrain! ‘Heaven For The Weather, Hell For The Company’s' “Whuohu”-Schmachten erinnert an Bono von U2, die Gitarre im Background an die Killers und ‘Always All Ways (Apologies, Glances And Messed Up Chances)’ bildet den schönen und verträumten Abschluß eines Albums, welches zu fast 100 % aus Ohrwürmern besteht (ok, zu 100 %, aber Geschmack ist ja relativ!). Fazit: Was die LOSTPROPHETS mit dem Titel des Openers ‚We Still Kill The Old Way’ noch mal unterstreichen wollten, ist definitiv passé. Hier wird nur noch durch Hymnen gekillt. Das zwar nicht zu knapp, der Druck ist aber fast gänzlich raus. Die schillernde Stilvielfalt, die noch „Start Something“ ausmachte, ist dem Stadionrock gewichen. Und der letzte Rest der Individualität, der sich an der Kleidung abzeichnete, ist Haute Couture-Designerklamotten gewichen. „Liberation Transmission“ ist ein klasse Album, aber ich weiß nicht, ob ich die Propheten 2006 so hören wollte. Kann ich nach zwei Durchläufen auch noch nicht definitiv sagen. Für fette Bratgitarren ist man mittlerweile zu alt, oder die sind zu pubertär für die Band. Ich bin gespannt, wie dieses Werk ankommen wird und wie die fünf Waliser auf ihrem nächsten Album klingen werden. Vielleicht sollten sie dann lieber Ross Robinson nehmen. Der arbeitet zwar auch wie ein weiteres Bandmitglied, verbietet aber nix und hat mit Korn, Sepultura, The Cure und den Blood Brothers und zuletzt From First To Last großartige und innovative Arbeit abgeliefert. Die LOSTPROPHETS sind zu wichtig und variabel, um gleich klingen zu müssen. Das tun sie aber auf diesem Album. Wie gesagt, dass Album ist echt gut, könnte aber abwechslungsreicher sein und mit mehreren Stilen aufwarten. Album-VÖ: 23.06.2006