Unfassbar, welches Bild sich meiner Begleitung und mir bot, als wir am Sonntag den 28.01.07 gegen 20:45 Uhr am Berliner Postbahnhof / Fritzclub ankamen. Die Schlange begann schon an der schmalen Front des architektonisch sehr ansprechenden Gebäudes. Auf der längeren Seite standen die Leute wirklich am gesamten Gebäude entlang. Zudem regnete es! Angesichts der zweimaligen, kurzfristigen Verlegung des Konzertes (vom Knaack in die Kalkscheune in den Postbahnhof!) konnte man sich schon sehr für die Mannen um Hollywood-Star Jared Leto freuen. Überhaupt….. Hollywood-Star. Der Mime aus Filmen wie Fight Club, Panic Room und (demnächst in einer Hauptrolle) Lonely Hearts Killers zog auffallend viele Frauen zum Gig. Eine positive Begleiterscheinung für die männliche Besucherschar, die wahrscheinlich nicht gegeben wäre, wenn die Band ausschließlich aus „Normalos“ bestünde. Ich war jedenfalls sehr erstaunt und auch glücklich, dass das Quartett in hiesigen Gefilden endlich ihrem Geheimtipp-Status entwachsen zu sein scheint. Davon zeugt ja auch der nahezu permanente Einsatz des Videos zu ‚The Kill’ auf den diversen Musik-TV-Sendern. Der erste Gig auf deutschem Boden stand somit unter einem mehr als guten Stern. Unter dem standen auch wir, denn mein Fotopass ermöglichte es uns, die Mega-Schlange rechts zu überholen und trocken und rechtzeitig den Postbahnhof zu betreten. War im Vorfeld im Netz und auf Tickets nichts von einem Support zu lesen, bekamen wir noch die letzten Minuten der Band Napoleon mit, die mit ihrem seltsamen Sound-Cocktail, dem „gewollt und nicht gekonnt“ und „kein Akteur passt stilistisch zum Nebenmann“-Outfit und den Ansagen des Vorturners mehr als langweilten. Ein an den Sänger gerichtetes „geh’ nach Hause!“ eines Besuchers in unserer Nähe brachte es dann auf den Punkt. Überflüssig! Eine Band wie Evaline, die 30 SECONDS TO MARS auf der Taste Of Chaos-Tour in Ami-Land begleitet, hätte einiges mehr bewirkt. Aber dafür waren die Tickets mit 18 Euro so auch recht human gehalten. Eine kleine Anekdote am Rande. Hinter uns standen tatsächlich drei Leute von Us5. Habe ich aber nur wegen dem Dreadlock-tragenden Rockstar-lookalike Izzy (für den Namen musste ich  recherchieren, okay?!) erkannt. Der Junge amüsierte sich in der nachfolgenden Stunde jedenfalls augenscheinlich prächtig, im Gegensatz zu seinen beiden Bandkollegen, denen die verschränkten Arme festgewachsen schienen. Zumindest ein Boygroup-ler hört anständige Musik, die Welt ist scheinbar doch nicht ganz verloren. 😉 Den anwesenden Fotographen inkl. meiner Wenigkeit (Was für ein Bild! Bei vielen baumelten an den Gürteln diverse futuristische Objektive und ich stand da mit meiner kleinen Digicam bewaffnet, haha!) war es gestattet, drei Songs lang zu knipsen, bevor der Graben verlassen werden musste. Dann doch nur zwei, dann wieder drei und dabei bleib es dann auch. Als das Licht ausging und das orchestrale Intro ertönte, brandete lauter Jubel auf. Wahrscheinlich animierte genau das Jared dazu, sofort, als er die Bühne enterte, ins Publikum zu diven. Die Menge tobte noch während Jared auf der Bühne phantomartig mal hier mal da war, stylish mit einem schwarzen Banditen-Tuch vorm 5-Tage-Bart. Ja, hier wurden mal wieder Styling-Trends gesetzt! Show-technisch bekamen wir noch in den ersten zwei Songs eine Mineralwasser-Mund-Fontäne von Jared serviert, für die einige der anwesenden Mädels sicher gemordet hätten. Die Hysterie über die Flaschenwürfe ließ so was zumindest erahnen! Einmal genuckelt und ab dafür in die Menge. Das Resultat… Mord und Totschlag. Und zu Hause dann Superstar-Speichel kosten, haha! Von der Songauswahl beschränkten sich 30 SECONDS TO MARS bis auf ‚Buddha For Mary’ und ‚Capricorn’ auf ihren zweiten Longplayer, wahrscheinlich aus Angst, das deutsche Publikum würde bei Stücken des gleichnamigen, sehr viel progressiveren Debüts nicht mitgehen. Dafür wanderten auf die Frage, wer das erste Album besäße, aber diverse Hände nach oben. Zum Mitlesen hier die Songreihenfolge. Songliste a beautiful lie the battle of one buddha for mary the story r-evolve the kill jared solo: (capricorn, was it a dream) from yesterday the fantasy attack Der dargebotene wunderschöne Solo-Akustikgitarren-Part verdammte zwar den Rest der Band zu Statisten und hinter die Bühne, ging aber runter wie Öl. Unglaublich, was der Mann live für eine Stimme und Ausstrahlung hat. Und was für eine Spielfreude! Viele Leute sind noch nicht mal mit einem den Lebensunterhalt sichernden Talent gesegnet, Leto kann sogar mit zwei Fulltime-Trümpfen aufwarten. Oft suchte er die Nähe zu seinem Schlagzeug-spielenden Bruder Shannon, einmal war dies allerdings mit einem Zusammenstoß mit einem Roadie verbunden, der zeitgleich ein Becken befestigen wollte. Jared war darüber „not amused“, genauso wenig, als ein Mikro bei einem Gesangseinsatz streikte. Mikro weggeworfen und kurze Zeit später den Roadie-Test vollzogen. Will heißen: Gitarre achtlos zu einer Seite (hier: zur linken) weg schmeißen und gucken, was passiert. Der zu testende bestand mit Bravour und fing die Klampfe knappstens über dem Boden auf. Somit darf zumindest einer der Roadies bleiben, haha! Aber wer weiß, vielleicht ist an dem vorherrschenden Diven-Image von Jared ja auch gar nichts dran. Die kursierende „Diese Fragen sind bei Interviews nicht zu stellen“-Liste, ausgegeben vom Label an Presseleute/ Journalisten, spricht jedenfalls etwas dagegen. Sei’s drum, interessiert ja keinen Konzertbesucher. Leto’s 30 SECONDS TO MARS absolvierten einen äußerst mitreißenden und technisch absolut über alle Zweifel erhabenen Gig und zeigten sich zudem noch mehr als angetan vom Berliner Publikum. Jared machte diverse lobende und Überraschung mitteilende Ansagen, um zu zeigen, dass die Band dermaßen aus dem Häuschen ist und divte noch ein weiteres Mal in die tosende Menge. Zudem sollte sich laut seiner Aussage zufolge in Berlin das beste Publikum tummeln, was die Band in letzter Zeit beschallen und animieren durfte. So gut, dass Jared juxte, den Gig, der am nächsten Tag in Köln stattfinden sollte, ebenfalls nach Berlin zu verlegen. Und wiederkommen wolle man recht zeitnah, da man an Deutschland einen Narren gefressen habe. Ich denke, dass wird dann die nächste Taste Of Chaos-Tour sein, die die Jungs zusammen mit The Used in den Staaten co-headlinen. Ein ähnliches Package wie in Übersee bekamen wir ja auch die letzten zwei Jahre geboten. Fazit: 30 SECONDS TO MARS kamen, spielten und siegten auf ganzer Linie! Obwohl im Januar gelegen, war dieser Gig für mich schon jetzt das Konzert des Jahres, ohne Frage. Wenn die Band zurückkehrt, wird der ausverkaufte Postbahnhof auch definitiv zu klein sein. Vor allem, weil sich Fan-Nähe schnell herumspricht, so soll es nach dem Gig einer Bekannten zufolge noch für jeden Autogramme gegeben haben! Mitte Februar wird übrigens das Album „A Beautiful Lie“ wiederveröffenlicht, kurze Zeit später sogar mit DVD-Content (mit Videos, Making-Of’s, Live-Footage undundund!). Also Augen und Ohren offen halten und für ein neues Studio-Album beten! Momentan krempelt die Band den UK um und verkauft dort eine Show nach der anderen aus. Ganze fünf Zusatz-Gigs wurden in fünf größeren Metropolen gebucht, obwohl es analog zu Deutschland nur zwei Abstecher geben sollte! Man stellt messerscharf fest: Die Zeit ist reif für den Mars-Sound! Ich buche schon mal ’nen Flug!!!