(Im Kino ab dem 30.04.2008) Der 1. MAI kommt zunächst als Karneval der gescheiterten Persönlichkeiten daher: Uwe ist betrogener Ehemann und Weichei-Polizist. Harry hätte gerne wieder die 80er zurück, als am Tag der Arbeit noch richtig geplündert und randaliert wurde. Yavuz will endlich einen „Bullen plattmachen“ und dadurch ein Mann werden, wird aber zum Babysitten verdonnert. Und dann wären da noch Jacob und sein bester Freund Pelle, die aus Minden angereist kommen, um mal richtig die Sau rauszulassen. Doch so richtige Stimmung kommt im „Krisengebiet Kreuzberg“ zunächst nicht auf. Während Uwes Polizeikollegen Gruppenfotos schießen, versuchen sie ihn zu überzeugen, dass man betrügerische Ehefrauen am besten im Puff vergisst. Von Autonomen keine Spur. Auch Jacob und Pelle haben Probleme, die angeblich herrschende Anarchie zu orten, und so verschlägt es die beiden Halbstarken aus gutem Hause zunächst in ein Museum für moderne Kunst. Die Sonne scheint, die Demos sind friedlich – Volksfest in Kreuzberg. Das nervt die Charaktere gewaltig. Trotz des eher komischen Anfangs, eskaliert plötzlich die Situation. Nicht in großen Straßenschlachten, sondern für jeden einzelnen Protagonisten. Die Hauptfiguren finden sich in Extremsituationen wieder, die ihr Leben auf den Kopf stellen. Als am Abend des 1. Mai in Kreuzbergs Straßen Polizisten und Demonstranten aufeinander prallen, wird man als Zuschauer vom Beobachter zum Teilhaber. Es vergeht einem buchstäblich Hören und Sehen im Gedränge, zwischen Wurfgeschossen und Blitzlichtgewitter. Und mittendrin die Figuren mit ihrer abgrundtiefen Verzweiflung. Verwirrt und verloren irrt man mit ihnen durch Kreuzberg, durch Beziehungsprobleme, Drogen und Schuld. Sie alle enden am frühen Morgen des 2. Mai im Urban Krankenhaus in Kreuzberg – im Fernsehen wird verkündet, es sei der friedlichste 1. Mai seit Jahren gewesen. Doch für Uwe, Yavuz und die anderen ist nichts mehr wie es war. Vier Regisseure drehten in drei Teams unabhängig voneinander verschiedene Geschichten. Von dieser Arbeitsweise mag man sich mehr Spannung zwischen den Episoden erhoffen, zumal die Teams nur wenige Regeln zu befolgen hatten. Trotzdem erscheint der 1. MAI wie aus einem Guss, bzw. wie von einem Regisseur. Doch das mindert den Reiz des Films nur minimal. Fast alle Außenaufnahmen wurden am 1. Mai 2006 in Kreuzberg gemacht, ohne Drehgenehmigung und Absperrung, was den Straßenszenen etwas beeindruckend Authentisches gibt. Schauspielerisch sticht besonders Cemal Subasi hervor, der in einem Streetcasting entdeckt wurde und für 1. MAI das erste Mal vor der Kamera stand. Er gibt der Rolle des elfjährigen Türken Yavuz soviel Wut wie Verletzlichkeit und steht trotz seiner mangelnden Erfahrung keineswegs im Schatten seiner bereits bekannten Kollegen. 1. MAI ist ein überraschender Film, der am Wendepunkt von der Komödie zum Drama wird, ohne zu stolpern, und ein Ende bietet, das man sicher nicht erwartet hat. Filmtrailer: http://www.youtube.com/watch?v=Zl9vwACRagE Homepage: http://www.erstermai-derfilm.de