(The Laser’s Edge Records) „Dark Deceiver“ ist wie ein polterndes Nachtgewitter. Oder: wie ein emotionales Abstechen im verdunkelten Schlafzimmer (siehe Cover). So berauschend kann ein Mord sein, vor allem wenn er derart technisch exakt und fleckenfrei ausgeführt wird, wie ZERO HOUR es tun. Seit Goldkehlchen Chris Salinas (Ex-Power Of Omens) 2006 dazugestoßen ist, hat das umjubelte US-Quartett merklich an Knack und Brillanz gewonnen. In einer Mischung aus Softy Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation) und Claudio „Schweineorgel“ Sanchez (Coheed & Cambria) behaucht Salinas das technische Spiel mit epischem Drama, ohne weinerlich zu werden. Das gelingt nicht vielen Prog-Vokalisten. Das Album ist in erster Linie eine heiße Empfehlung an alle, die sich für Bands wie Spiral Architect oder Dream Theater erwärmen können. Zu 99 % bestimmt technisches Können und nicht die Eingängigkeit den Sound: den halsbrecherischen Tonfolgen der Instrumente kann das Ohr kaum folgen und unter der gewaltigen Soundkulisse tönt mal beschwörend ruhig, mal tragisch sterbend die Stimme Salinas’. Der Zugang zu ZERO HOUR ist nicht leicht und bedarf mehrfach der Wiederholungstaste, ehe sich die Musik begreifen lässt. So auch bei ‚Inner Spirit’, das mit seinen zwölf Minuten und 18 Sekunden schon an dritter Stelle kommt. Hier lädt die Band zu einer High Speed-Fahrt in euphorische Sphären und größte Seelenqualen ein. In rasanter Geschwindigkeit purzeln Schlagzeug und Gitarre rauf und runter, springen von Rhythmus zu Rhythmus und verschränken mehrere Melodien gleichzeitig ineinander. Dann schlägt dieser Rausch um in eine gelöste Ruhe. Ah. ‚Inner Spirit’ wäre als letzte Nummer günstiger situiert gewesen, denn an Tiefe und Bombast kann es nach diesem Song leider nur bergab gehen. Nachfolger wie ‚Resurrection’ oder das (immerhin beeindruckend virtuose) ‚Tendonitis’ kommen allzu steril daher und wirken großspurig. Ein Manko an „Dark Deceiver“ ist der sehr großzügige Gebrauch aller Instrumente. Das sorgt für eine diffuse Unruhe auf dem Album. Der Musik fehlt es an Gelassenheit, Energie und Ideen der Band sind stellenweise too much. Da kommt vor lauter geistiger Arbeit das melodische Miteinander zu kurz. Alles in Allem jedoch mehr als ein solides Album und absolut kaufwürdig.