(Golden Antenna) Das Ende der nüchternen Moderne ist uns vertraut als sogenannte Postmoderne. Und so räumt auch der moderne Rock den Platz für was Neues, das im Namen des Sanften steht: dem Postrock. Wichtige Stellvertreter wie Red Sparowes und A Silver Mount Zion haben diese Entwicklung bereits vorangetrieben. Seit ein paar Jahren zeigen auch DATURAH, ein vielversprechendes Quintett aus Frankfurt, musikalische Flagge. Ihr aktuelles Album „Reverie“ vermittelt genau die Bedeutung von Postrock: Traum pur... Mächtig schwebt der Nachklang einer Gitarre durch das Arbeitszimmer. Eine zweite Gitarre gesellt sich dazu, noch ein Bass. Die Wände werden von soviel ‚Hybrisma’ förmlich gesprengt. Noch dazu tanzt da irgendwo ein Schlagzeug wie aus weiter Ferne, als wolle es sich nicht in diese vier Wände sperren lassen. Synthies über Synthies werden aufeinandergeschichtet und auseinandergezogen, klangliche Elementarteilchen zu einem eigenen zeitlosen Universum verdichtet, echoen durch einen dunklen sternenlosen Raum. Der postmoderne Rock lässt grüßen. Mancherorts bezeichnet man ihn auch gerne als Drone oder Ambient Noise Rock. Derlei begriffliche Haarspalterei wollen wir aber mal ignorieren, denn DATURAH verdienen mehr als bloße Kategorisierung. Wir haben es hier mit fünf gefühlvoll instrumentalen Kompositionen zu tun, welche meist im schwebenden Grave über die zehn Minuten-Grenze gleiten, in Begleitung von diskreten literarischen Sprachsamples (z.B. von T.S. Eliot), die wie Funksignale in das luftleere All hallen. Manchmal wirken DATURAH so ernst wie die altehrwürdigen Neurosis, meistens aber so hoffnungsfroh und berückend wie Sigur Rós. Alles fließt, stürzt zusammen und explodiert wieder. Ein Stern stirbt, ein neuer wird geboren. Herrlich, wie lyrisch man bei dieser Musik werden kann. Für’s Joggen oder Partymachen segeln DATURAH allemal zu nah am spirituellen Äther. Live dagegen versprechen sie, dem Besucher in eine andere realitätsferne Welt zu locken. Hier wird nämlich noch Raul Gschrey ins Boot geholt, der die Bühne mit imposanten Live-Visuals auf Hochglanz pimpt. Wer das DATURAH-Universum erst einmal für sich allein erkunden möchte, klettert am besten nachts aufs Dach und beobachtet mit Stöpsel im Ohr die funkelnden Sterne.