(Cement Shoes Records / Soulfood) Manche Metalbands kündigen sich ja gern an mit viel Oktan und Kerosin, Double Base und Gasolin. Mancherorts schickt die ein oder andere Gruppe noch ein skandalöses Musikvideo hinter her. Hauptsache es kracht und man wird wahrgenommen. Die Boys von ILL NIÑO handhaben das ein wenig anders. Die zeigen sich zwar kein bisschen leiser, aber dafür mit mächtig viel südamerikanischen Rhythmus im Getriebe. Auf „Enigma“, dem nun vierten Album der New Jerseyer, haben sie ihre Latinowurzeln wieder ausgegraben und im Stahlkessel des Nu Metals verrührt. Viel Rätselhaftes umgibt das neue Eisen nicht. Eigentlich liegt bei „Enigma“ alles klar auf der Hand, nämlich dass ILL NIÑO nach langer Zeit (das heißt: nach knapp drei Jahren Sendepause) dieses Mal keine Gefangenen machen wollen. Wir erinnern uns: „One Nation Underground“ war in der Reihe eher blass ausgefallen. Da hatte man einen deutlichen Gang runtergeschaltet, bewusst auf Kosten der Härte. Vom Stil her schmiegt sich „Enigma“ nun wieder mehr an „Revolution/Revoluccion“ (ILL NIÑO’s Guerilla-Platte schlechthin) an. Dröhnende Riffs, straffe Drums und stimmlicher Gehalt des Sängers bilden ein Fundament, das nur selten wackelt. Eine Rückkehr also, die viele freuen dürfte. Aber nicht nur in diesem Sinne haben die Mannen zur guten alten Tradition zurückgefunden. Cristian Machados Einheit orientiert sich nun verstärkt an der lateinamerikanischen Musik, sprich: man wagt wieder mehr Percussions. Auch singt Machado sogar hier und da in Spanisch (‚Estoy Perdido’). Allerdings hat „Enigma“ auch so seine Schwächen, besonders, wenn bei den Herren die leidenschaftliche Latinoseele durchbrennt. Vor allem das balladeske und ebenfalls in Spanisch dargebotene ‚Me Gusta La Soledad’ reizt mit den allzu schwülstig klingenden Streichern die Grenzen des Gutgemeinten ordentlich aus. All in all handelt es sich bei dem Neuling um ein gut produziertes Album einer Band, die allmählich zu ihrer Mitte zu finden scheint. „Enigma“ ist vielleicht nicht die musikalische Überraschung des Jahres. Es signalisiert aber zumindest eine Entwicklung, die auf ein noch besseres Album (nächstes Jahr?) hoffen lässt.