UNDEROATH begleiten uns schon seit vielen Jahren und durch diverse schöne oder harte Zeiten. Alben wie „Define The Great Line“ können Balsam für geschundene Seelen sein, aber auch den Body auf dem Floor moven! Mit einer gehörigen Portion Arschtritt! Das gläubige Sextett aus den US of A wuchtete unlängst seinen vierten Longplayer heraus (wir berichteten!). Da die Band live eine Wucht ist, begaben wir uns am 16.09. nach Berlin, um uns eine gehörige Portion Bühnenwahnsinn zu geben und der Combo nach dem guten alten „Frage / Antwort“-Spiel auf den Zahn zu fühlen! Keyboarder und Live-Derwisch Christopher Dudley gab uns kurz vor dem Gig äußerst freundlich und zuvorkommend im Berliner Kato Auskunft über das UNDEROATH-Universum! Die hier enthaltenen Fotos entstanden durch meinen Finger (Zosse) und meine Kamera, das Interview verschriftlichte und führte Micha. Aber nu geht’s los! 😉 Chris, ihr seid seit 2 Jahren das erste Mal wieder in Deutschland! Freut ihr euch auf die bevorstehenden Shows? Ja, auf jeden Fall! Das letzte Mal als wir hier waren hat uns sehr gefallen! Das war bei der TASTE OF CHAOS-Tour! Es hat uns richtig Spaß gemacht Gibt es Unterschiede zwischen den Fans in Deutschland und Amerika, wenn ihr auf der Bühne steht? Ich denke der einzige Unterschied ist der, dass in Amerika jeder versteht was du auf der Bühne sagst. Was war für euch das beeindruckendste Land, durch das ihr getourt seid? Wahrscheinlich Neuseeland! Es ist landschaftlich einfach unglaublich! Habt ihr eine spezielle Support-Band? Wenn ja: könnt ihr euch diese selbst aussuchen? Wenn wir in den USA sind, treffen wir die Entscheidung selbst, mit wem wir touren wollen! In Europa ist es schwierig, weil die Anreise aus Amerika die Bands sehr viel Geld kostet! In Europa entscheiden wir dies also nicht selber, sondern spielen mit den Bands vor Ort! Bis Ende November spielt ihr beinahe jeden Tag eine Show! Wie bereitet ihr euch am besten auf eine solche Ochsen-Tour vor? Ich weiß nicht, ob man sich darauf wirklich vorbereiten kann! Auf Tour gehen bedeutet einfach raus zu gehen und sein Ding durchzuziehen! Es kann auf jeden Fall schwerer sein, wenn du verheiratet bist und eine Familie hast! Ich bin verheiratet, James (Smith, Gitarre) ist verheiratet, genauso wie Aaron (Gillespie, Drums und Gesang) und Tim (McTague, Gitarre). Es ist schon schwierig, für eine so lange Zeit von seiner Familie fort zu sein! Aber es ist cool, wenn wir in den USA sind, da wir dann die Möglichkeit haben unsere Frauen auch während der Tour ab und zu sehen! Touren ist eine großartige Sache, kann aber zur gleichen Zeit auch sehr hart sein. Hat sich mit der Zeit etwas an eurem Tourleben geändert, wenn ihr die früheren Zeiten mit der heutigen vergleicht? Die größte Veränderung ist wahrscheinlich, dass jetzt Leute zu unseren Shows kommen und wir wesentlich länger unterwegs sind, weil wir jetzt die Möglichkeit haben, überall zu spielen. Lass uns über euer neues Album reden: Ihr habt euch bei "Lost In The Sound Of Separation" wieder für einen dunkleren, unkommerzielleren Sound entschieden, der eher zu dem von "Define The Great Line" tendiert! Was war der Grund für euch, sich von dem Sound von "They're Only Chasing Safety“ zu entfernen? Die Sache ist, dass wir uns nie festlegen wollen, was für ein Album wir machen. Wir kommen einfach zusammen, schreiben, und was immer dabei herauskommt, kommt heraus. Als wir "They’re Only Chasing Safety" schrieben, waren dies genau die Songs, die wir auch schreiben wollten. Als wir dann "Define The Great Line" aufnahmen, war es genauso. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir unseren Sound gefunden. Als wir "They’re Only Chasing Safety" schrieben war Spencer (Chamberlain, Gesang) erst seit ein paar Monaten dabei. Er versuchte, dabei seinen eigenen Stil zu finden und wir versuchten als Gruppe Songs zu schreiben. Bei "Define The Great Line" bestanden wir in der Formation länger. Seit "They’re Only Chasing Safety" sind mehrere Jahre vergangen und wir fühlen uns nun untereinander viel wohler und wissen einfach was wir machen wollen. Was denkst du ist der größte Unterschied zwischen eurem neuen Album und den alten? Ich weiß nicht, ob es einen ganz bestimmten Unterschied gibt. Aber ich denke, dass es im Ganzen noch mehr durchdacht ist und uns mehr anspricht. Die meisten Songs von "They’re Only Chasing Safety" gefallen uns heute nicht mehr besonders. Aber mit "Define The Great Line" sind wir noch immer glücklich. Dies ist das erste Mal so. Nachdem wir ein neues Album aufgenommen haben, gefällt uns das vorherige meistens nicht mehr. Aber jetzt, seitdem wir für uns erkannt haben, was für eine Musik wir machen wollen, ist dies anders und wir sind länger mit unseren Alben zufrieden. Für mich ist also der große Unterschied, dass ich weiß, dass mich dieses Album noch für die nächsten 5 Jahre glücklich machen wird. Spielt ihr trotzdem noch Songs von "They’re Only Chasing Safety", wie zum Beispiel "Reinventing Your Exit"? Ja wir spielen noch Songs davon! Aber "Reinventing Your Exit" normalerweise nicht! Warum? Es ist doch ein super Song? Wir mögen ihn nicht (lacht)! Aber es ist ein sehr bekannter und beliebter Song! Ja das stimmt! Aber uns ist es lieber, Songs zu spielen, die uns gefallen, als den Leuten nur vorzutäuschen, das wir Spaß bei dem hätten, was wir machen. Hast Du einen Lieblings-Song auf dem neuen Album? Auf der Bühne ist es "Breathing In A New Mentality"! Aber ansonsten ist es "Too Bright To See Too Loud To Hear". Gibt es eine zentrale Aussage bei eurem neuen Album? Was soll dem Hörer vermittelt werden? Ich denke es gibt nicht bloß eine zentrale Aussage auf dem Album. Das Album muss als Ganzes gesehen werden! Es enthält viele dunkle Seiten, aber es vermittelt gleichzeitig ein Gefühl von Hoffnung und Erlösung! Es ist uns wichtig, dass die Leute verstehen, dass man auch schlechte Zeiten durchlebt und dabei dennoch Gutes erblicken kann. Wie lange hat das Songwriting und das Aufnehmen des neuen Albums insgesamt gedauert? Das Schreiben und der Aufnahme-Prozess haben insgesamt 2 Jahre gedauert. Das Songwriting hat dabei am meisten Zeit beansprucht! Das Aufnehmen selbst dauerte nur fünf Wochen, da wir in zwei Studios gleichzeitig aufnehmen konnten. Ihr seid eine sechsköpfige Band. Ist es für euch schwierig, all die Ideen und Vorschläge der Bandmitglieder unter einen Hut zu bekommen? Ja, auf jeden Fall! Wenn Leute unser Album hören, sollten sie merken, wie unterschiedlich unsere einzelnen Musikgeschmäcker sind. Wir alle mögen so viele verschiedene Dinge. Aber am Ende des Tages ist jeder mit jedem einzelnen Part auf dem Album zufrieden, auch wenn es im Vorfeld zu Meinungsverschiedenheiten kommen kann. Seid ihr verärgert, wenn man eure Musik als "Screamo" bezeichnet? Nein! Meiner Meinung nach kannst du Musik nennen, wie du willst. Die Musik klingt dadurch auch nicht anders! Ich bin sowieso kein großer Fan davon, Musik in bestimmte Kategorien einzuteilen, weil ich der Meinung bin, dass es für die Musik in ihrer Vielfalt viel zu oberflächlich ist. Wenn mich jemand fragt, was eine Band für eine Musik macht, dann nenne ich ihm ein paar Songs, die er sich anhören soll, um sich ein eigenes Bild zu machen! Man muss sich eine Band einfach anhören, um zu wissen wie sie klingt. Euer neues Album ist sehr experimentell! Habt ihr bestimmte musikalische Einflüsse? Jeder in der Band hat bestimmte Einflüsse, die er einbringt. Unser Album ist also ein Zusammenwirken all dieser Ideen! Wir nehmen dabei auch viele Ideen aus der Erkenntnis, dass das, was wir tun, uns selbst sehr gut tut. Dies treibt uns immer wieder voran, Musik zu machen, die wir vorher noch nie gemacht haben. In euren Texten erwähnt ihr immer wieder die Beziehung zu Gott und es ist bekannt, dass ihr eine christliche Band seid! Was bedeutet dir der Glaube an Gott? Was denkst du, ist der wichtigste Aspekt? Für mich persönlich sind mein Glaube und meine Liebe zu Gott ein wichtiger Teil meines Lebens! Es ist mein Leben und nicht nur ein kleiner Teil meines Lebens, dem ich mich von Zeit zu Zeit zuwende! Der Grund, warum ich glaube, was ich glaube, ist die Tatsache dass ich hier bin. Ich würde das alles hier ehrlich gesagt nicht machen, wenn ich nicht wüsste, dass es für Gott ist, und dass ich hier sein soll. Es ist hart, von seiner Familie entfernt zu sein und es gibt oft Tage an denen ich mir sage: "Ich möchte wirklich gerne nach Hause, um meine Frau und Freunde zu sehen". Das sind die Momente, in denen ich mich hinsetze und bete und mir klar mache, dass ich hier sein soll. Ein letztes Statement von UNDEROATH: Vielen Dank, dass wir hier so freundlich empfangen wurden! Alle unsere Shows hier in Deutschland sind ausverkauft! Das ist Wahnsinn, vielen Dank!