(Constantin Film) Irgendwie scheint Regisseur Dennis Gansel und Hauptdarsteller Jürgen Vogel mehr zu verbinden, als eine geschäftliche Beziehung. In meinem Regal steht nämlich bereits eine Zusammenarbeit der beiden: Das Phantom (2000), ein sehr spannender Thriller, der sogar mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Ein weiterer starker Gansel-Film ist Napola (2004), der sich auch in meiner kleinen Sammlung befindet. Klammern wir den Mädchen, Mädchen-Klamauk aus 2001 mal aus, war ich doch schon mehr als gespannt, was der junge und hoffnungsvolle Regisseur aus dem DIE WELLE-Stoff machen würde. Bzw. The Wave. Wahrscheinlich kennt jeder das amerikanische Original aus dem Jahre 1981 (mit Bruce Davison in der Hauptrolle) aus dem Schulunterricht. Ein Lehrer will seinen Schülern die Entstehung einer Diktatur begreiflich machen und ruft eine andere Form von Unterricht ins Leben, bei dem Begriffe wie „Disziplin“ und „Gemeinschaftsgefühl“ groß geschrieben werden. Ein Experiment mit fatalen Folgen. Mit der Hilfe seines Kumpels Peter Thorwarth (Bang Boom Bang) und der Erfahrung des Original-Lehrers William Ron Jones (der 1967 das Experiment an einer Schule in Palo Alto durchführte), transportierte Gansel den Stoff in unsere Zeit. Und genau da liegt auch der Hase im Pfeffer. Größter Kritikpunkt sind nämlich die Darsteller selbst. Großteile der Protagonisten sind mir viel zu pseudo-cool und überzogen dargestellt, oder zu klischee-beladen. Angefangen mit Jürgen Vogel selber. Einen Pauker, der mit Ramones und The Clash-Shirts zum Unterricht kommt (und aus Coolheits-Gründen auf einem Hausboot wohnt), ist höchst amüsant, aber auch befremdlich. Gewünscht hätte sich so einen Lehrer wohl jeder, existieren wird ein solcher Paradiesvogel aber wohl eher nicht? Dazu kommt ein Quoten-Türke, der mit Vorurteilen zu kämpfen hat, ein Übergewichtiger, ein Einzelgänger, ein Ausnahmesportler undundund! Whatever you want, es ist am Start! Kleine Logik-Löcher hat so gut wie jeder Film, drum lasse ich das hier mal außen vor, ein Aspekt hat mich aber extrem gestört. DIE WELLE „überfällt“ eines Abends Guerilla-style die ganze Stadt, um überall (und damit meine ich überall!), das Wellen-Logo (auch auf dem Cover zu sehen!) zu sprayen, zu taggen und Aufkleber en gros zu hinterlassen. Übertrieben? Kaum (Vor allem, weil Vogel erst sehr viel später etwas davon mitbekommt)! Genauso wie das Know-How der Schüler. Im Handumdrehen werden Homepages / Myspace-Seiten erstellt und hochgeladen, Logos erstellt, Flyer gedruckt, etc. Beeindruckend, wie gut ausgebildet die Kids heutzutage doch schon sind, haha! Will keinem was absprechen, aber das Experiment dauert ja nur sieben Tage! Und nebenbei wollen ja auch noch Parties gefeiert, Gang-Kämpfe ausgetragen und fürs Wasserball-Turnier trainiert werden. Ach ja… Unterricht ist ja auch noch! Druckbetankung für den Zuschauer! Neben all diesem Stress bleibt die Entwicklung der Charaktere etwas auf der Strecke. Ganz besonders die von Jürgen Vogels Figur Rainer Wenger selber. DIE WELLE wird somit meiner Meinung nach ihren Vorschusslorbeeren nicht gerecht, kann aber doch ganz solide unterhalten. Auch durch das abgeänderte Ende im Vergleich zum Original. Gebraucht hätte es das zwar nicht, aber dadurch ist der Aspekt des Remakes ein wenig gestrafft worden. Die DVD ist neben einer klassischen Vanilla-Version (Einzel-DVD) auch als Premium Edition und als Blue-Ray erhältlich. Weitere Informationen zum Film sowie zur Ausstattung der Silberlinge finden sich unter: http://www.welle.film.de