Endlich einmal konnte das Line-Up der deutschen Ausgabe des englischen Hallenfestivals mit dem Original mithalten (naja, Enter Shikari hätte ich auch noch gerne gehabt! 😉 – Zosse)! Nach viel organisatorischem Chaos (von einem Tag auf zwei verlängert, wieder gekürzt, Venue geändert...) und dem Eintrudeln sämtlicher Bands (ESCAPE THE FATE waren zur Live Music Hall gefahren und THURSDAY kamen arg verspätet direkt von der Taste Of Chaos-Tour aus Chicago) begann das Festival noch relativ pünktlich kurz nach 16 Uhr. Die erste Band TALK RADIO TALK aus Deutschland blieb den meisten wohl nur wegen der unendlich vielen Assoziationen (‚Walk Idiot Walk’, ‚Run Forrest Run’...) im Gedächtnis, wegen der Musik oder Stimmung jedenfalls nicht. Auch FIRE IN THE ATTIC konnten die Menge trotz ihres neuen witzigen und charismatischen Sängers, der schon beim Soundcheck voller Vorfreude Chicago's ‚If You Leave Me Now’ trällerte, nicht wirklich aufwecken. Nach ihnen nahmen –noch wunderbar pünktlich- die Schweden KID DOWN die Bühne ein. Die Herren, die noch vor kurzem Fall Out Boy durch Deutschland begleiteten, schienen eher die jüngeren Register, die an diesem Feriensamstag besonders reichlich vertreten waren, zu beeindrucken. Die poppigen Songs mit Namen wie ‚I Want My Girlfriend Rich’ unterschieden sich allerdings kaum von denen der ersten beiden Bands. Bei INNERPARTYSYTEM wurde das allerdings schon schlagartig anders. Die elektronische Band aus Pennsylvania war vor allem laut und sicher nicht jedermanns Sache, aber doch eine willkommene Abwechslung. Nach ihrer gut 30-minütigen Show konnte man auch einige, auf der Suche nach einem IPS-Album (Ne CD von Doug Heffernan's Brötchengeber, haha?! - Zosse) in Richtung Merchandise-Tisch gehen sehen. (Die haben mich persönlich total beeindruckt, hatte mich auch schon wie Bolle drauf gefreut. Keine Ahnung, was der Sänger da in diesem kleinen „Zauberkasten“ hatte, aber irgendwie konnten die ja alles noch mal durch den Elektronikmixer drehen! Ganz großes Tennis der Gig! – Zosse) Mit MAROON stand an diesem Abend eine weitere deutsche Band auf der Bühne. Diese lieferte eine wirklich solide und harte Show inklusive mehrerer Circle Pits und einer Wall of Death, die sogar diejenigen beeindruckte, die solche Aktionen auf Konzerten lächerlich finden. Leider begann mit MAROON die Welle der „technischen Probleme“. Jede folgende Band verspätete sich und war somit in Spielzeit und Songauswahl eingeschränkt, ganz zu schweigen von den Soundmängeln. Als ESCAPE THE FATE schließlich die Bühne betraten, brach gleich zu Beginn ein teenieband-mäßiges Geschrei aus, das aber schnell durch Musik erstickt wurde. Diese war zwar vielleicht etwas stereotyp und nicht besonders neu, aber den Fans hat es sicherlich gefallen. Die Band selbst fiel vor allem durch ihre jungen Mitglieder, die dem Publikum ganz böse das gesamte Set über ihre Zungen präsentierten und den Slash-Verschnitt vom Schlagzeuger auf (Was für Poser! - Zosse). EMERY (besonders ihr Keyboarder) hingegen lieferten eine energiegeladene und überzeugende Show ab. Auch sie hatten unter der Verspätung zu leiden, konnten aber mit Publikumsnähe und Tempo überzeugen! (Ich hatte sie mir den Donnerstag zuvor noch im Hamburger Logo angesehen und muss sagen: Ich liebe diese Band. Da lag echt Magie in der Luft. Zwei unglaublich melodische Sänger, die Lead-, zweiten Gesang und das Bedienen des Bassses tauschen, wie es ihnen gefällt und ein durchgeknallter Shouter, der zudem noch die Keyboards bedient und parallel schön einen auf Napoleon Dynamite tanzt…. Hammer! – Zosse) Etwa eine halbe Stunde zu spät war es dann endlich Zeit für THURSDAY. Deutschland hatte nach den abgesagten Konzerten der vergangenen Jahre lange auf sie warten müssen, doch das hat sich gelohnt! Trotz Müdigkeit hauten die Rocker aus New Jersey Songs wie ‚At This Velocity’, ‚Understanding In A Car Crash’ und den Klassiker ‚Cross Out The Eyes’ raus. Mit Songs von ihrem vor kurzem veröffentlichten Album „Common Existence“ hielten sie sich allerdings zurück. Die Band kündigte an, im Herbst erneut zu touren. Man darf gespannt sein. UNDEROATH hatten wohl am meisten unter den technischen Problemen zu leiden und vermutlich jeder schrie innerlich auf, als sie nach zwei Songs verlauten ließen, sie hätten nur noch Zeit für zwei weitere! Letztlich wurden es dann doch immerhin 6 Songs, in denen die Band, vor allem Drummer Aaron Gillespie, leider nicht mal die Hälfte der angestauten Energie ablassen konnte (Die war aber immer doch doppelt so groß wie die von allen Vorbands inklusive ESCAPE THE FATE zusammen. Unglaublich, was die so entfesseln! – Zosse). Es spricht aber sicher für eine Band, dass sie auch während nur 6 Songs die Menge so aus der Reserve locken kann, wie UNDEROATH es geschafft haben. Als TAKING BACK SUNDAY als letzte Band des Tages - inklusive des neuen Gitarristen Matt Fazzi - um kurz vor Mitternacht die Bühne einnahmen, hatten sich schon viele auf den Heimweg gemacht. Sie sollten ein großes Konzert verpassen, bei dem alle technischen Probleme gekonnt überspielt wurden und das Kölner Publikum in den Genuss dreier neuer Songs kam. Auch alte Hits wie ‚Cute Without The E’ oder ‚Makedamnsure’ wurden voller Freude gespielt und „der Neue“ erwies sich auch stimmlich als würdiger Nachfolger von Fred Mascherino. Die Band begeisterte nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit den Solo-Einlagen von Sänger Adam Lazzara, die jedem Stand-Up-Comedian alle Ehre gemacht hätten. TAKING BACK SUNDAY erfüllten die Pflicht eines Headliners, den Abend perfekt abzuschließen und die Festivalbesucher vollkommen erledigt aber lächelnd (und wenn’s nur daran lag, dass der König des Mikrophon-Schwingens selbiges mehrmals fallen ließ) nach Hause zu entlassen.