(Interscope/Universal) „Without Teeth“ oder „Eine weitere Reise zurück zu den weit in der Vergangenheit liegenden Wurzeln“ Diese reißerische Headline und schamlose Referenz zu den Neun Zoll Nägeln sei mir verziehen und so völlig ohne Biss ist das neue Album nun auch nicht, aber immerhin tummeln sich derzeit zwei Nägel in MANSON’s Band – Nine Inch Nails-Urgestein Chris Vrenna ersetzte G.W. Gacy an den Tasten und auch Twiggy Ramirez, der nach recht langem Gastspiel bei den Nine Inch Nails zurück kehren durfte (und jetzt endlich nicht mehr seinen doofen bürgerlichen Namen tragen muss wie dereinst bei A Perfect Circle und Nine Inch NailsGeordie White, wer will schon so heißen?! 😉 ) – und mit dieser Industrial-lastigen Expertise hätte man durchaus ein anderes Album erwarten können. Als ich von Geordies‚ ’tschuldigung, Twiggy’s Rückkehr erfuhr, hatte ich so’n bisschen die Hoffnung, es gäbe ’ne Fortsetzung von „Antichrist Superstar“ oder von „Holy Wood“ oder wenigstens von „Mechanical Animals“. Auf jeden Fall war ich mir sicher, dass „Eat Me, Drink Me“ unter „vergebenswürdigem Fehler, der nie wieder vorkommt“ zu verbuchen wäre. Ich glaub, ich lag falsch. „The High End Of Low“ ist definitiv keine Rückkehr zur - und keine Fortsetzung von der „Antichrist – Holy Wood“-Ära. MANSON kramt viel tiefer in seiner Kiste und fördert Klänge zu Tage, die irgendwie an die Zeit vor Trent Reznor / „Antichrist“ erinnern (‚Arma-Goddamn-Motherfuckin-Geddon’ ruft heftigste Erinnerungen an ‚Dance Of The Dope Hats’ hervor) und schmeißt noch 'ne gehörige Portion Rock mit in den Mix. marilyn_manson_bild_02_2009Wenn man erst mal verarbeitet hat, dass statt Alternative Metal (wie MARILYN MANSON einst gebrandmarkt wurde) dieses mal MANSON’s Version von Rock (ich möchte fast sagen, 80’s Rock) dran ist und dem Album ’ne Chance gibt, ist es auf einmal ganz gut. Wirklich, ich schwöre – beim zweiten Mal hören wird das Album besser! Jemand Interesse an ’nem schnellen Ritt durch die einzelnen Songs? Sonst einfach „vorspulen“ zum letzten Absatz. Devour – der Opener ist gleich eine Überraschung. Sanfte Klänge und die Textzeile „And I love you, if you let me“ geben einen ungefähren Ausblick, was den Hörer erwartet. Ähnlich „balladig“ wie ‚Putting Holes In Happiness’ Pretty As A ($) – Die Gitarre wird ausgepackt. MANSON schreit. Kurzes und heftiges Stück. Klugschiss am Rande: ($) steht eigentlich für Swastika = Hakenkreuz Leave A Scar – Darf man für Songs von MANSON den Term ‚catchy’ verwenden?! Egal, ich tu’s! Das gäbe ’ne nette Single! … „Whatever doesn’t kill you is gonna leave a scar“ was hat Dita von Tese dem Kerl eigentlich angetan? 😉 (Das was alle Frauen mit den Männern machen! – Zosse) Four Rusted Horses – Gab’s eigentlich schon mal ’ne Westerngitarre in einem MANSON-Song?! Ich bin mir nicht sicher, aber man erwartet auf jeden fall den exhumierten Johnny Cash im Background zu hören (wenn ich einem die Wiedererweckung Verstorbener zutraue, dann MARILYN! ;-)) Arma-goddamn-motherfuckin-geddon – Die erste Single … klingt irgendwie groovy, trotzdem schräg und unverkennbar MARILYN MANSON. Blank And White – Gitarrig! Rockt! Potenziell tanzbar – ich rieche noch eine Single! Running To The Edge Of The World – dieser “Song” war entweder verdammt kurz oder der Stream war verdammt kaputt I Want To Kill You Like They Do In The Movies – Jetz wird’s auch noch psychedelisch / Stoner-mäßig. Auf jeden Fall ist der Song zu lang. In dem Falle würde ich sagen, wäre weniger mehr gewesen. WOW – Und die Nägel haben’s doch geschafft auf dem Album Präsenz zu zeigen! Die ersten Takte klingen auf jeden Fall schwer nach einer durchgeknallten Version von ‚Closer’. Und auch hier geht’s ums Kopulieren. Wight Spider – Und ein Stück zum Aufwecken. Nach langer Dezibel-Durststrecke wird’s wieder einen Tick lauter. Ein bisschen wenigstens. Unkillable Monster – Das ist dann mal echt übelster Pop-Rock. Diese Art von „wolkiger“ Gitarre habe ich ewig nicht gehört. Ich dachte die Genfer Konvention hätte sie abgeschafft! 😉 We’re From America – Und hier haben wir den heutzutage fast schon obligatorischen Vorab-Gratis-Download. Dieses Stück ließ eigentlich doch eine andere Richtung des Albums vermuten. Rockt auf jeden Fall! I Have To Look Up Just To See Hell – Die Band fällt leider wieder zurück in ein schwermütiges Tempo. Aus dem Text dieses Stücks stammt übrigens der Titel des Albums Into The Fire – Jetzt auch noch Klavier… Was noch?! 15 – Dieser Song ist dann noch mal eine kleine Überraschung. Er hat eine gewisse Trip-Hop-Qualität, die ich nie auf einem MARILYN MANSON-Album erwartet hätte, die mir persönlich aber sehr gut gefällt. Fazit: „The High End Of Low” ist nicht das, was ich mir als MANSON-Fan gewünscht hätte. Trotzdem ist es ein gutes Album, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Streckenweise ist es wahrscheinlich eine Spur zu langsam, oder zu dröge. Aber aus diesem Grund hat uns der Liebe Gott ja die Skip-Taste gegeben! 😉 Gibt durchaus einige gute Stücke, die man nicht wegdrücken möchte und auf die man sich in den Clubs freuen darf. Nichtsdestotrotz – das nächste Mal gibt’s bitte wieder n büschen mehr „Auf die Fresse“-Musik Herr MANSON! 😉 Album-VÖ: 22.05.2009