(Universal)
Was lange währt, wird endlich gut. Bei diesem Quartett bekommt der altbekannte Ausspruch eine ganz andere Bedeutung, denn der bedeutungsschwangere Seufzer, das befreiende Jubeln ist hier beinahe hörbar impliziert. Vier lange Jahre musste der Fan nämlich dürsten, ja sogar darben, nun ist es da. Das neue DREDG-Album „The Pariah, The Parrot, The Delusion“. Trommelwirbel…..Tusch, Vorhang auf!
Im Mai 2005 hatte ich “Catch Without Arms”, dieses geniale Stück Engels-Musik, als den Soundtrack zu meinem letzten Weg auserkoren (die Rezi hier), nun gilt es, DREDG im Jahre 2009 objektiv zu beurteilen.
Das Wichtige vorweg: Dieses Album will reifen, will wachsen, will erhört und erarbeitet werden. Versteht diese Einleitung als Warnung, als Beschwichtigung, zu vorschnell zu urteilen und ein mittelmäßiges Resümee zu ziehen. Die Gefahr ist nämlich da…!
Vom Aufbau der Songs rückt sich „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ in den Kontext von „El Cielo“. DREDG wollen heuer wieder experimentieren, wollen Interludes, Intros, wollen ihren Stücken kleine Begleiter an die Hand geben, anstatt, wie bei „Catch Without Arms“ 13 Ohrwurm-Songs einfach im Wettkampf um die Gunst des Hörers nebeneinander zu stellen. Die Spielzeit beträgt im Vergleich zu „El Cielo“ drei Minuten mehr, der Zähler zeigt 18 Tracks, anstatt 16. Eine gewisse Ähnlichkeit drängt sich auf! Doch zum Inhalt:
Der leichfüßige Opener ‚Pariah’ beginnt mit einem Kindergesang-Intro, welches auch das Ende bildet. Nach exakt 1:16 Minuten haucht uns Gavin Hayes den Song durch den Refrain förmlich untrennbar in den Hörkanal. Aber ‚Pariah’ will es uns auch nicht zu einfach machen, deswegen darf Drummer Dino Campanella auch vertrackte Parts ins letzte Drittel zementieren.
Beim zweiten Song ‚Ireland’ wird es dann auch sofort deutlich. DREDG wollen zeigen, dass sie Virtuosen sind, was ja eigentlich auch jeder weiß. Der Rhythmus ist untypisch, aber packend, der Song hat Zutaten, die andere Bands über mehrere Stücke verteilen, wirkt aber keinesfalls überfrachtet und über allem thront wieder diese Leichtigkeit, dieses Zurückgelehnte. Fast wie eine loungige Jamsession, wäre die Komposition nicht so perfekt und gleichermaßen genial.
Und dieses Zurückgelehnte, diese aufsässige Gelassenheit, dieses offenbar „Gelangweilte“ zieht sich wie ein roter Faden durch das komplette Album und zwingt den Hörer dazu, den Repeat-Knopf mehrmals zu drücken, um das Ganze nochmals nachzuvollziehen, bis es auf einmal „Klick“ macht und man versteht, was DREDG 2009 ausmacht. Ein Spagat aus künstlerischem Anspruch und eindringlichen Ohrwürmern, quasi eine Verschmelzung der beiden Pole, die die beiden großen Alben ausmachen und ausgemacht haben.
Klingt profan? D’accord, aber das sind ja nur die Grundzutaten, auf denen DREDG ihre Musik zelebrieren, ihre Einflüsse verarbeiten und ihre Geschmäcker ausleben.
Den Spagat, den sie bei Anrühren vollführen, vollführen sie auch beim Material an sich. Ein Song wie ‚Information’ beispielsweise, zündet beim ersten Hören und will nicht mehr aus dem Ohr raus. Klar, dass dieses Stück die erste Single bildet. Doch dieses Kunststück will nicht mit allen Songs sofort gelingen. Aber das ist die Krux dabei, denn der bereits erwähnte Repeat-Knopf will ja auch bedient werden.
‚Saviour’ überrascht mit seiner aufbrausenden an Muse erinnernde Härte am Anfang (und am Ende), um danach ins flottere Tempo zu entfleuchen und die ‚Bug Eyes’-Gitarre mit Stampfbeats zu kreuzen.
‚Lightswitch’ erinnert an Western-Filme, ‚Gathering Pebbles’ fährt im Finale eine amtliche Klampfe auf undundund. Ich könnte noch Tausend Kleinigkeiten aufzählen, die „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ liefert und offenbart, aber genau das will ich nicht, denn diese „Arbeit“ soll sich jeder schön selbst machen.
Ich bezweifle, dass “The Pariah, The Parrot, The Delusion” nach weiteren Hördurchläufen (und es werden noch diverse folgen!) “Catch Without Arms” von meiner Bestenliste verdrängen kann, aber das ist auch schwierig, denn das Album steht bei mir für eine ganz bestimmte und besondere Zeit. Aber im DREDG-Qualitäts-Kosmos ist reichlich Platz zwischen „Genial“ und „Überirdisch“. Irgendwo dazwischen wird sich dieses Album seinen Platz suchen. Welcome Back, Guys!
Album-VÖ: 29.05.2009

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so.
und nun waren DREDG auch schon wieder zu Gast in Hamburg. Nachdem sie erst Anfang Herbst letzten Jahres in der Markthalle gastierten, sind sie nun schon wieder zurück. Am 7.6. noch live bei Rock Am Ring, ging es direkt von dort aus nach Hamburg in die Grosse Freiheit 36. Vorband Expatriate (aus Australia mit wohnhaft in Berlin) …. Mischung aus Placebo, The Cure und U2 ähnlichen Anleihen (nur nicht so gut) … legten einen “okayen” bis “mittelmässig unterhaltenden” Auftritt hin, der mehr und mehr die Vorfreude auf DREDG steigerte.
Die kamen dann auch nach einem etwas längeren Soundcheck, trotz der vortägigen Strapazen erstaunlich frisch und äußerst motiviert auf die Bühnenbretter. Die Freiheit war im Gegensatz zur Markthalle im letzten Jahr nicht gänzlich ausverkauft, nichtsdestotrotz sehr voll. Und die Energie, die das Quartett von der Bühne aus versprühte, wurde vom Publikum zurückgegeben. Dieser Energie-Level wurde von Anfang bis Ende ohne Ausfälle durchgehalten. Eine umwerfend druckvolle Rhythm-Section durchzog das komplette Set ohne schwach zu werden. Drummer Dino Campanella und Basser Drew Roulette knallen einfach hervorragend auf den Punkt. Mark Engles an der Leadgitarre darf natürlich nicht ausgelassen werden – auch seine Gitarrenarbeit
prägt unter anderem den DREDG Sound. Über allem thronte allerdings wie immer die einmalige, fast schon himmlische Stimme von Ausnahmesänger Gavin Hayes. Fantastisch was hier an Emotionen ausgesandt wurde. Ein DREDG Gig ist einfach die perfekte Symbiose aus Groove, Melodie und Melancholie. Es wird live meines Erachtens einfach noch mehr Stimmung erzeugt, als auf Silberplatte und es gibt nur wenige Bands, denen das auch live so gelingt wie diesen vier Jungs der Bay Area. Großartig auch ihre instrumentalen Zwischenparts und ihre elektronischen Spielereien, die sie zwischen und während der Songs eingebaut haben.
In das gestrige Set fügten sich die Songs des aktuellen Outputs “The Pariah, The Parrot, The Delusion” durchweg perfekt ein.
Somit war der 8.6.2009 ein rundum gelungener DREDG Abend – einziger Wermutstropfen: die Jungs verließen die Bühne ohne Zugabe. Aber auch das kann man verkraften angesichts der hervorragenden Darbietung der kalifornischen Artrocker. Hervorragend!