Die Zeit ist momentan nichts mehr wert! Ich wollte das PAPA ROACH-Interview, welches Daniel und ich im Rahmen der ersten Hälfte an PAPA ROACH-Deutschland-Dates am 22.04.2009 im Hamburger Docks führen konnten, schon längst online stellen, aber der jetzige Zeitpunkt ist auch nicht gerade ungünstig gewählt, denn das Quartett spielt am Mittwoch noch einen Gig in Bremen, also sind wir noch recht aktuell, haha! 😉 Somit durchlesen und nach Bremen fahren! Tony (Drums) und Jacoby (Gesang) standen uns vor ihrem zweiten Gig in Europa in den Katakomben des Docks Rede und Antwort. Daniel: Letztes Jahr wart ihr lange auf Tour mit Mötley Crüe und Buckcherry. Denkt ihr, dass diese Tour eure Musik und euer Leben beeinflusst hat? cimg1480-mediumJacoby: Das Album war nahezu fertig, bevor wir auf dem Crüe-Fest spielten. Ich erinnere mich noch, als wir gerade dabei waren, das Album zu schreiben. Wir saßen gerade in einer Situation wie dieser hier rum und unterhielten uns, als wir einen Anruf von unserem Manager bekamen, dass wir auf den Lautsprecher legten. Er fragte: „Hey, wollt ihr Jungs auf Tour gehen mit Mötley Crüe?!“ Wir sahen uns an und sagten „Äh…., jaa…..selbstverständlich!“ (Lautstarkes Lachen). Wir waren danach zwar noch weiterhin im Studio und haben noch an einigen Texten gearbeitet. Wir hatten auch noch die Chance, Mick Mars mit auf dem Album zu haben, was definitiv ein Einfluss war. Als wir aufgewachsen sind, hörten wir auch viel 80ies Metal und Rock, was sicherlich einen Einfluss auf unsere Band hatte, aber generell sehen wir uns nicht als Glam-Band. Wir sind einfach eine fucking rock band, deren Stil sich aus so vielen unterschiedlichen Stilen zusammensetzt: Punk Rock, Hip Hop, viele Bon Jovi-Einflüsse, haha! On a steel horse I ride, haha! Daniel: Wie fühlt es sich an, von so einer großen Band wie Filter supported zu werden? Jacoby: Es ist großartig! Filter sind der Wahnsinn! Tony: Ich habe vergessen, wie viele großartige Songs sie geschrieben haben. Beim Hören fällt mir dann immer auf….. ach ja, der Song war ja auch von Filter! Jacoby: Und er ist cool as shit! Rich, Richard, Richy. Ich nenne ihn immer anders, haha! Er ist unglaublich nett und ein großartiger Rock-Sänger mit einer coolen neuen Band. Als ich den Anruf bekam, dass Filter mit uns auf Tour kommen könnten, war ich in einem Platten-Laden in South Dakota und der Booking-Agent fragte, ob es okay wäre, In This Moment und Filter mit auf Tour zu nehmen und ich meinte: „Perfekt, das klingt großartig! Ich muss mich durch keine Liste arbeiten. That’s fucking killer!“ Wir hängen immer mit ihnen ab auf dieser Tour und sie sind wirklich nett. Und er hat eine Tonne musikalischer Geschichte hinter sich. Er kommt schließlich von den fucking Nine Inch Nails! Zosse: Das wäre auch eine weitere Frage gewesen. Ob ihr die Bands aussucht, oder ob das eine Entscheidung des Labels ist. Jacoby: Wenn wir auf Tour gehen wollen, sagen wir Bescheid und die Agencys schlagen ihre Bands vor. Wir können dann frei wählen. Dieses Mal war es ohne Liste die perfekte Tour. Es gibt auch Touren, die wir zusammengezimmert haben, die großartig sind, aber auch welche, die totale Fehler waren, haha! Zosse: Tony, du bist der „Neue“ hinter der Schießbude! Wie lange bist du dabei?! Tony: Zwei Jahre, aber immer nur für irgendeine Tour. Fest seit Januar 2008! Jacoby: Ich liebe es, zu sehen, wie Tony die Scheiße aus seinem Schlagzeug prügelt, haha! Zosse: Aber dieses ist dein erstes Album? cimg1481-mediumTony: Ja… Jacoby: Wir haben uns damals gefragt, ob wir noch weitere Schlagzeuger anchecken müssen, weil Tony ja immer nur „auf der Straße“ ausgeholfen hat. Wir dachten uns, scheiß drauf, wir können mit Tony auf der Straße leben, was definitiv das Wichtigste ist. Kann man zusammen in einem Tourbus miteinander klarkommen? Da wir das wussten… Tony: … musste ICH nur noch entscheiden, ob ich mit diesen durchgeknallten Fuckern leben konnte, haha! Wir haben eine großartige Zeit, zu spielen, Musik zu schreiben, auf unseren Instrumenten rumzustümpern, haha… Zosse: In welcher Band warst du denn vorher? Tony: Eine Band namens Unwritten Law aus San Diego, Kalifornien. Jacoby: Vergiss nicht die ganzen Punkbands wie Ten Foot Pole, Pulley und Co.! Er hat eine Menge an Punk Rock-Energie in die Band gebracht, wenn es darum geht, ein Album zu schreiben. Tony: Ich mag auf jeden Fall, dass ich nicht mehr so schnell spielen muss, haha! Jacoby: Unser Shit ist einfach für dich, haha! Daniel: Musiker zu sein, ist bestimmt das Größte, was es gibt, aber wie verträgt sich dieses Leben mit einer Familie, wenn man viel auf Tour ist? Jacoby: (Summt ein Kinderlied) Wir haben alle Kinder. Jeder in der Band hat Kinder und das ist hart. Tony: Es wäre einfacher, wenn die Kinder älter wären, mein Kind ist gerade mal zwei Jahre alt. Ich vermisse ihn und hoffe, er vergisst mich nicht so schnell. Wir Video-Chatten, sonst wäre das sehr schwer. Wir haben Freunde, deren Kind malte ein Familienbild, auf dem er den Vater ausließ, weil er immer on the road ist…. (allgemeines Stöhnen), das ist einer meiner schlimmsten Alpträume. Zosse: Das neue Album ist das erste, was Euch als Band auf dem Cover zeigt. Was war die Idee hinter diesem Cover? Jacoby: Wir wollten ein Album machen, welches die Energie unserer Live-Performances einfängt. Ein Song wie ‚Change Or Die’ geht direkt wie ein Schlag ins Gesicht. Wir hatten noch ein Cover zur Auswahl, aber es drückte die Energie nicht richtig aus, drückte nicht aus, was wir sind. Weiterhin hatten wir uns noch nie selbst auf dem Cover. Wir haben uns gefragt, was die Leute an uns am meisten mögen. Sie mögen es, uns live zu sehen, also lasst uns verdammt noch mal UNS in einer losrockenden Pose aufs Cover nehmen! Das drückt die Energie dieses Albums und dieser Band auf der Bühne optimal aus! Ich mag darüber hinaus, dass es wirklich sehr clean und simpel gehalten ist. Zosse: Und was wollt ihr mit dem Titel sagen? Eine Entwicklung in welcher Hinsicht? Im Sound? Jacoby: Oh ja. Erstens natürlich war es eine große Veränderung, einen neuen Drummer an Bord zu haben. Das Management zu feuern die nächste, einen neuen Booking-Agenten zu haben, wir sind durch viele Veränderungen gegangen. Wir wollten das Album machen und sagten uns, wir müssen total angstfrei ans Album herangehen. Dorthin gehen, wo die Musik uns hinführt, keiner von uns hat für den Zeitraum von einigen Jahre Musik geschrieben und als wir die Fluttore öffneten,… wusch…. schoss es aus uns heraus. Der Sound ist sehr vielfältig auf diesem Album. Es geht von Elementen des Punk Rock zu Metal, zu Pop, zu straightem Rock And Roll. Er nimmt dich mit an alle diese unterschiedlichen Orte und wir wollten es unterhaltsam gestalten. Im Wesentlichen ist dies die Metamorphose für PAPA ROACH. Musikalisch, spirituell, physisch. Wir sind zu einer tighteren Band auf der Bühne geworden, einfach das komplette Paket! Daniel: Was denkt ihr, welches die wichtigste Show für PAPA ROACH war? Jacoby: Die wichtigste Show….. Fuck, dude, erzähl’ ihm vom Troubadour! Tony: In erster Linie arbeitete ich in diesem Club in L.A., dem Troubadour, ich war da der Licht-Mann. Die Jungs kamen gerade aus Sacramento, um an einem von drei Montagabenden für die L.A.-Crowd und die Plattenindustrie zu spielen. Es waren primär schon Showcases für diverse Labels. Im Endeffekt wurden sie dann auch gesignt. Ich machte zwei Mal für sie das Licht und sie wurden nur gesignt aufgrund meiner Licht-Show. Sie klangen okay, haha… Jacoby: Aber es war die Licht-Show, haha! Nein, ernsthaft… Wir verdanken Tony unsere Karriere und jetzt sind wir hier, zehn Jahre später. Tony: Als ich ihnen zehn Jahre später die Geschichte erzählte, wussten sie davon nichts. Jacoby: Verarscht du uns, da war eine Licht-Show? Hahaha! Zosse: Wie wichtig ist Style für euch?! cimg1484-mediumJacoby: Ich liebe es, mir Tattoos machen zu lassen! Ich habe damals in einem normalen Dayjob gearbeitet, ich hatte den normalsten Haarschnitt, keine Tattoos, keine Piercings, ich wollte einfach Geld verdienen, um die Miete und das Essen zu bezahlen. Als die Band erfolgreich wurde, dachte ich „Fuck Yeah, ich muss nicht mehr von 9 to 5 arbeiten. Jetzt geht’s an zutättowieren und ans losrocken, haha!" Unser Look hat sich über die Jahre stark verändert, einige Leute kennen uns ja noch aus den Zeiten, als wir zuerst auf der Bildfläche erschienen. Wir trugen nur Dickies! Weil wir eine Working-Mans-Band waren. Wir sind heutzutage in ein stärker ausgeprägtes Rock And Roll-Image gewachsen, mit dem man mehr spielen kann und welches ein Auswuchs unserer momentanen Musik ist. Tony: Ich denke, es ist cool, wenn du eine Band siehst, die nach etwas aussieht. Versteht mich nicht falsch, es gibt unglaublich gute Bands, die das nicht nötig haben, Es setzt unkontrolliertes Durcheinander-Gerede und Gelache ein…. Nur die Worte „Rock And Roll“, allgemeines Tattoo- und Socken-Gezeige (crazy Muster) setzt ein. Das Highlight ist aber ein Schmuckstück, welches Tony selbst kreiert hat und zwar eine ums Handgelenk gebogene Gabel! Uri Geller hätte seine Freude daran! Jacoby: Ich will jetzt einen Cock-Ring!, haha! Im Anschluss an das Interview war noch kurz Zeit für eine Foto-Session (die Ergebnisse seht ihr hier!), bei der uns die Jungs fast meinen Totenkopf-Ring und Daniels Lederjacke abgerippt hätten, bevor es dann Live-technisch ernst wurde und PAPA ROACH mächtig die Bühnenbretter des Hamburger Docks rockten, supported durch (wie ja schon durchs Interview bekannt) In This Moment und die grandiosen Filter! Was für ein gelungener Abend!!! Und was für nette und sympathische Typen! So… zu guter Letzte: Kauft das neue Album und geht zu den Shows! PAPA ROACH sind live nämlich die Macht!