(Reprise / Warner) GREEN DAY warten bei ihrem, von vielen lang ersehnten Nachfolger zu „American Idiot“ mit satten 18 Titeln auf. Gegliedert ist das Werk in drei Akte – also wieder angelehnt an den Oper-Charakter. „21st Century Breakdown" ist genau das, was man erwartet hat. Und keine Panik es geht nicht, wie von einigen befürchtet in die Sixties-Experimental-Ecke, die sie mit ihrem Alter Ego / Side Kick Foxboro Hot Tubs ausgelebt haben. Zum Ausleben hatte man ja eben genau dieses Projekt, um sich die Punk-Rock-Pop-Perlen für „21st Century Breakdown" aufzusparen. Man muss nicht lange nach Ohrwurm-Refrains suchen, um auf dem aktuellen Longplayer fündig zu werden. Melodien, Hooks und Gesangslinien scheinen die drei nur so aus ihren Ärmeln zu schütteln, wie Hugh Hefner täglich Silikon um den Mund geschmiert bekommt. Na gut, das war ein schlechter Vergleich, weil es bei GREEN DAY qualitativ einfach hochwertiger ist, als aufgemotzte Implantate. Die hitverdächtige Songdichte auf „21st Century Breakdown" ist einfach sensationell. Man findet einfach keinen Lückenbüßer auf dem vorliegenden Silberling. greenday-bandEinziger Nachteil, den man ankreiden könnte, ist der überraschende A-Ha-Effekt, zu was eine „Punkband“ in der Lage sein kann, der ausbleibt, da man ihn bereits bei "American Idiot" hatte. Ein anderer Gegensatz zu ihrem Vorgänger ist, dass man die eigentlichen „Hits“ nicht auf Anhieb als ebensolche erkennt, wie es auf „American Idiot“ der Fall war. Dies wird vielleicht für 08/15 Hörer ein Nachteil sein, für den Langzeitgenuss aber ein entscheidender Vorteil, denn die Songs wachsen von Hördurchlauf zu Hördurchlauf immer mehr und entpuppen sich zwar langsamer aber dafür ebenso sicher zu Hits. Somit kann man „21st Century Breakdown" auf jeden Fall als qualitativ legitimen Nachfolger von „American Idiot“ sehen, an dem sich nun mal jede kommende Platte der Jungs messen lassen muss. Natürlich ist dies seitdem definitiv kein Punk mehr als solcher, sondern radiotauglicher Breitwandrock. Fett und glattpoliert aber eben auch qualitativ auf höchstem Niveau. Und wenn genau einer dieser Songs im Radio läuft, erfreut es mich auf jeden Fall umso mehr, als diverse andere Standardformatsongs. Und bei den ganzen musikalischen Qualitäten sollte man die Texte auch nicht vergessen, denn hiermit heben sie sich deutlich von ihren radiotauglichen Kollegen ab. Radiokompatibilität in Kombination mit gesellschafts- und sozialkritischen Texten und auch aktuellen weltpolitischen Themen – so erreicht man doch am besten die Massen, auch wenn es nicht die Massen beeinflusst, zumindest werden vielleicht aber genau so einige mehr zum Nachdenken angeregt. Vielleicht ist genau dieser Vorwurf „massentauglich“ zu sein, das erklärte Ziel der Band, um so die Durchschnittsmasse zu infiltrieren. Damit wird auch textlich der Weg von „American Idiot“ konsequent weitergeführt und flacht nicht ins Belanglose ab, wie man es von vielen anderen Amibands gewohnt ist. 'Horseshoes And Handgrenades', '21 Guns', '21st Century Breakdown' und 'Viva La Gloria' sind genau solche Songs, die dann auch die melancholische Seite der Jungs nicht außer Acht lassen. GREEN DAY sind zurück und das ist gut so! Album-VÖ: 15.05.2009