(Warner Music) Am 05.06.2009 war ja endlich die lange Wartezeit vorbei und die neue Single „Rusted From The Rain“ erschienen. Die startete im gewohnten BILLY TALENT-Gewand, ist aber im Vergleich einer der ruhigeren Songs auf „III“. Natürlich erkennt man sofort das „unikate“ Organ von Benjamin Kowalewicz und den ebenso markanten Gitarrensound von Ian D'Sa. Hier zielt(e) man scheinbar auf eine massenkompatiblere, radiotaugliche erste Offensive ab, was den Song aber nicht schlechter macht. Und am 10. Juli soll es dann endlich soweit sein mit dem dritten TALENTschen Angriff from Canada. Was den Gesamteindruck vom dritten BILLY TALENT-Output beim ersten Hördurchgang ausmacht, ist vor allem, dass man hier mehr Gesangsformat von Herrn Kowalewicz zu hören bekommt. Denn wo noch auf „I“ und „II“ mehr geschrieene Vocals tonangebend waren, wird auf Platte Nummer drei mehr die Gesangslinie in den Vordergrund gerückt. Werden die Herren TALENT etwa gänzlich ruhiger? Insgesamt findet man auf Album Nummer „III“ auf jeden Fall mehr ruhige, denn raue Töne als auf den beiden Vorgängeralben. Macht es das Album dadurch schlechter oder langweiliger? billytalent-bandViele Fans der ersten Stunde werden natürlich den punkig rotzigen Tönen nachweinen, doch das macht die Platte nicht schlechter und wahrscheinlich wird sie dadurch noch massentauglicher und vielleicht sogar noch erfolgreicher. Nichtsdestotrotz fehlt den elf Tracks der ein oder andere „harte“ Teil oder sogar ein komplett „rauer“ Song. Doch umso öfter man die Scheibe rotieren lässt, wird auch der dieser Ton unterschwellig erkennbar. Diesmal schleicht man sich also von hinten an, um zu explodieren und nicht so deutlich und direkt, wie man es bisher gewohnt war. „Aller guten Dinge sind drei“, heißt es ja in dem bekannten Sprichwort. Dies ist im Falle der dritten VÖ von BILLY TALENT leider nicht ganz zutreffend. Nimmt man nun allerdings alle drei Alben und spielt sie im Shuffle-Modus ab ist das Sprichwort wiederum genau zutreffend. Ohne ihren ganz eigenen Sound, der natürlich auch auf „III“ omnipräsent ist, würde diese Scheibe vielleicht im Allgemein-Mainstream-Sumpf versinken. Doch ihr Wiedererkennungswert rettet „III“ vor der Normalität. Allerdings hat diese dritte Scheibe nicht mehr die grantig-einschlagende Wirkung wie ihr erster Streich. Nach mehrmaligen Rotationen im CD Player erschließt sich „III“ aber mehr und mehr und der „Aha!“-Effekt zündet per Nachbrenner. Auch wenn die wilden Ausbrüche vorerst fast gänzlich außen vor bleiben. Als offensichtlich härtere Stücke treten ‚Definition Of Destiny’, ‚Turn Your Back’, ‚Saint Veronika’ und ‚The Dead Can't Testify’ hervor. Einerseits wird man diese Entwicklung als „erwachsen“ bezeichnen, andererseits wird man es als „Mainstream-Ausverkauf“ beschimpfen. billytalent-band2Insgesamt ist „III“ jedoch eine komplexe, in sich geschlossene Einheit, mit teils hymnischem Charakter. Man muss die Weiterentwicklung einerseits anerkennen und die kleinen aber fein integrierten harten Ausbrüche zwischen den Zeilen finden. Dann ergibt die nun vorliegende BILLY TALENT-Trilogie einen Sinn. Wie schon erwähnt, spielt man I-III im Shuffle-Modus ab, hat man das perfekte Album. Es ist also eine zwiegespaltene Angelegenheit mit diesem dritten Silberling der Kanadier aber wer sich Zeit nimmt, wird auch als Fan der ersten Stunde diesen dritten Longplayer in sein Herz schließen. Entweder man liebt diese Scheibe am Ende so wie die Vorgänger, oder man wird sie als durchschnittliche Massenware ad acta legen. Für mich ist „III“ nach mehrmaligem Hörgenuss auch zu einem erstklassigen Album gewachsen, welches vielleicht beim ersten Durchgang die Punk-Attitüde vermissen ließ, nun letztendlich aber zu einem wirklich starken Album angeschwollen ist. Man entdeckt immer mehr kleine Raffinessen und wird zu dem Schluss kommen, dass es genau wie seine beiden Vorgänger wieder ein starkes Stück zeitloser Rockmusik geworden ist. Album-VÖ: 10.07.2009