(Ferret / Hellfest / Universal)
Manche Scheiben erschließen sich einfach nicht sofort, manche wiederum zünden auf Anhieb, andere bleiben für weiteres und immerdar nie wieder gehört. Bei „The Tropic Rot” tue ich mich sehr schwer. Sie zählt auf jeden Fall zur ersten Kategorie. Aber wie ich finde ist, das ebenso ein gutes Zeichen, denn dadurch hat sie diesen gewissen Langzeitfaktor. Ich will jetzt nicht sagen „Klassiker“ aber sie wächst mehr und mehr und mit jedem weiteren Hördurchgang.
„The Tropic Rot” ist in meinen Augen keine so einfache Kost, die man mal eben einlegt und nebenbei hören sollte. Auf jeden Fall sind Süd Floridas POISON THE WELL wieder zurück und hauen ihr mittlerweile fünftes Studioalbum auf den Markt. Stagnation kann man den Jungs nun wirklich überhaupt nicht vorwerfen. Jedes Album hatte neue Elemente und somit eine Weiterentwicklung im Gepäck. „The Tropic Rot” hat nun auch wieder neue Elemente an Bord, als da wären eine nicht allegemein gebräuchliche und untraditionelle Instrumentierung, noch größere und mehr Gitarren- und Gesangsmelodien und noch mehr Raum und Atmosphäre, die schon filmischen Charakter besitzen.
Produziert hat Steve Evetts (Every Time I Die, The Cure, Dillinger Escape Plan), vielleicht rühren auch hier ein paar neue Ideen her. Blickt man auf ihre letzten Alben zurück, so könnte man „The Tropic Rot” als Mischung aus „You Come Before You“ und „Versions“ bezeichnen, aber eben mit einer guten Portion mehr Atmosphäre, Melodien, Energie und Emotionen. „The Tropic Rot” hat einfach noch mehr Erfahrung auf dem Buckel, als alle seine Vorgänger und das merkt man dem Album an. Vom musikalischen gehen die Jungs noch einen großen Schritt weiter als auf dem Vorgänger „Versions“. Also wie eingangs schon gesagt, ist es manchmal gut, etwas schwierigere und unberechenbarere Kost zu bekommen, als das sofort erkennbare. Das macht es am Ende noch interessanter und in diesem Fall mit jeder weiteren Rotation im CD-Player besser.
POISON THE WELL haben im Post-Hardcore-Dschungel auf jeden Fall einen Sonderstatus, den sie mit „The Tropic Rot” mal wieder unterstreichen und eben auch grandios belegen können. Das Warten seit „Versions“ hat sich also gelohnt. Und auch das kleine Casio-Intermezzo macht sich äußerst gut und auch die leichten Latino-Ansätze stehen „The Tropic Rot” gut zu Gesicht und geben dem Titel musikalische Akzente. Elf Songs voll Leidenschaft und äußerst ausgereiftem Song- und Soundspektrum ohne auch nur einen Ausfall sind nicht alltäglich. Und mit ‘Without You And One Other I Am Nothing’ hat man sogar noch eine wirkliche Granate als letzten Titel ausgewählt, so dass man am Ende angekommen ist und diesen Film mit einem verdammten Cliffhanger verlässt. Und dann hat man dieses verfluchte, ärgerliche Gefühl, weil man weiß, dass man vielleicht wieder zwei Jahre warten muss, bis man erfährt wie die Fortsetzung weitergeht! Aber bis dahin gilt es erstmal zu sagen: Danke, POISON THE WELL!
Album-VÖ: 17.07.2009

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