poisonthewell-bandPOISON THE WELL sind wieder im Geschäft und zwar mit "The Tropic Rot". Ein Album, welches meiner Meinung nach Zeit und auch ein wenig Geduld benötigt. Für diese Zeit wird man dann aber entsprechend qualitativ hochwertig belohnt. In unserer heutigen, sehr kurzlebigen Zeit ist es POISON THE WELL mal wieder gelungen, dem entgegenzuwirken und ein wirklich besonderes Album aufzunehmen, welches ganz und gar nicht kurzlebig ist. Das musikalische Spektrum von "The Tropic Rot" ist breit gefächert und manches erschließt sich nicht sofort in den Gehörgängen. Das macht die Scheibe interessant und nimmt einen mit auf die Rundreise durch verschieden Gefühls- und Stimmungsgebiete. Das Kreuzfahrtschiff POISON THE WELL nimmt einen mit auf die kalte See, um eine erste Station auf einer trostlosen Insel zu machen. Von dort aus geht es weiter in Richtung heißer, tropischer Sonne und man dockt an, um Landgang in dichtem Urwaldgebiet zu unternehmen. Von dort aus geht es direkt durch orkanartige Wolkenbrüche mit meterhohen Wellen. Das Schiff droht schon fast zu kentern, als sich die Wogen glätten und man leichtes Licht am Horizont erahnen kann. Oder ist es doch nur ein Irrlicht? Schwüle Luft keimt auf. Triefend nass und durchgeschwitzt sitzt man gelangweilt in seiner Zweiquadratmeter-Kabine ohne Luke. Kein Ausblick. Scheint nun die Sonne, oder zieht schon wieder ein Unwetter auf? Der Blick vom Deck in das tief-dunkel-blaue Wasser lässt eigentlich nur Böses erahnen. Doch die See ist ruhig. Die M.S. POISON THE WELL steuert eine weitere Station auf dieser Reise an. Antarctica Island. Paradiesische Kälte durchzieht den Körper beim Betreten dieser Insel, trotz peripherem Sonnenschein. Schnell wird man über die Insel gescheucht. In Massen. Kein Grund sich wohl zu fühlen. Zurück an Bord freut man sich auf das Abendbuffet. Der Pampelmusensaft erfrischt einerseits, bringt aber auch den leicht bitteren und säuerlichen Beigeschmack ans Licht. Die letzten Stunden brechen an. Morgen geht es wieder zum nächsten Hafen. Hafen Hoffnung. Natürlich hat jeder Passagier auf dieser Reise andere Eindrücke bekommen, oder wird sie beim nächsten Mal anders für sich empfinden. Aber letztendlich ist die M.S. POISON THE WELL immer eine Reise Wert. Und die derzeit aktuelle Tour "The Tropic Rot" ist mal wieder außergewöhnlich abwechslungsreich und man wird noch lange von diesen Eindrücken zehren. Um einigen Dingen im POISON THE WELL-Lager auf den Grund zu gehen, stand uns Brad Clifford Rede und Antwort und das äußerst ausführlich. POISON THE WELL's Brad mit Zosse HH, 17.03.2009 Gestromt: Was war eure eigentliche Intention eine Band zu gründen? Und ist das noch immer der gleiche Grund, den ihr jetzt nach all den Jahren im Musik-Biz angeben würdet oder gibt es da einen Unterschied zu damals? Brad Clifford: Hauptgrund war Musik mit Freunden zu machen und etwas zu finden, was erfüllend und inspirierend ist. Und es ist mehr oder weniger heute noch immer der gleiche Grund. Es gibt Zeiten da ist es dann etwas schwieriger aber letztendlich geht es immer wieder darum, Musik zu machen und alles was Musik umfasst. GS: Gibt es eine besondere oder tiefe Bedeutung hinter eurem Bandnamen POISON THE WELL? Ich meine von Beginn an bis heute - hat sich da vielleicht etwas an dieser Bedeutung geändert? Könnt ihr da vielleicht einen Unterschied ausmachen vielleicht auch im Hinblick auf eure musikalische (Weiter-)Entwicklung? BC: Von einer außenstehenden Perspektive aus würde ich sagen, dass die Idee von POISON THE WELL mein Leben verändert hat. Natürlich ist es ein Unterschied, verglichen zu damals, als ich sie 2000 das erste Mal traf. Es ist definitiv nicht noch so eine der üblichen Hardcore-Bands. Die Band ist wirklich echtes Musikerdasein, die ihre akustische Hülle ständig nach vorne treibt und wirklich nichts darauf gibt, was Außenstehende über sie denken. GS: Gibt es für euch einen Unterschied, harte Musik zu machen, wenn ständig sonniges Wetter um einen herum ist. Normalerweise hat man da ja eher gute Laune und ist generell relaxter als zum Beispiel im Gegensatz zu New York, wo es doch eher hektischer zugeht? Kann man eventuell sogar generell Musik wetterabhängig machen oder besser: beeinflusst das Wetter eure Musik? BC: Ich glaube Florida hatte wirklich etwas Ausschlaggebendes beim Schreiben von "The Tropic Rot". Ja, Florida ist an manchen Stellen ein guter Ort, um einfach mal abzuschalten und zu "chillen" auf der einen Seite und jeder denkt natürlich nur an den "Urlaubsort". Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich da etwas anders denke. Für mich ist es eben nicht das ständige Ferienparadies, sondern ein heißer, teilweise sehr einsamer und deprimierender Ort, gerade weil das Wetter jeden Tag fast gleich ist. Ja, man kann sagen, dass es sich verhält wie bei "Und täglich grüßt das Murmeltier". Es gibt eben immer zwei Seiten der Medaille. GS: Das ist jetzt eure fünfte Platte - die letzten beiden wurden über Ferret veröffentlicht. Wie fühlt ihr euch bei Ferret? Gibt es da große Unterschiede zu Trustkill, eurem früheren Label? In einigen Punkten denke ich, sind beide in einigen Dingen ja ziemlich ähnlich. BC: Ferret ist cool und wir sind ja mit den meisten, die dort arbeiten, befreundet. Somit ist es schön, eine Art Familie zu haben, mit denen man zusammenarbeitet. Wir haben gegenseitigen Respekt und sie sind ehrlich indem sie uns sagen, was sie können und was nicht. Und das ist auch nicht mehr, als wir wollen. poisonthewell-brad-liveGS: Wie könnt ihr die Entwicklung generell beschreiben seit ihr 1997 erstmalig auf Tour wart? Das ist ja schon eine sehr große Zeitspanne von damals bis heute. Ich denke, da gibt es bestimmt sehr große Unterschiede seit damals - oder? BC: Sicher! Nimm nur die Benzinpreise, die ständig steigen! Und natürlich sind wir selbst nicht jünger geworden. Guck dir nur den Bauch von unserem Merch-Typen an, wie der mittlerweile gewachsen ist! Der sieht mittlerweile aus, als wäre er schwanger und er ist erst seit einem Monat mit uns unterwegs - und nun sind es nur noch 8.... Aber klar, es gibt da immer Höhen und Tiefen, das hat sich kaum geändert. Es gibt Abende mit sehr guten Shows und dann wiederum läuft es mal nicht so gut aber wir bleiben dran. GS: Was würdet ihr an eurer Scheibe verändern, wenn ihr genau diese Songs noch einmal aufnehmen könntet? BC: Ganz ehrlich: momentan nichts! Vielleicht nach einiger Zeit ein bisschen hier und da. Nur Kleinigkeiten im Mix. Aber generell gibt es bei dieser Scheibe wirklich am wenigsten zu mäkeln! GS: Woher kamen die Einflüsse und Inspirationen für "The Tropic Rot" ? BC: Jeff schreibt alle Lyrics. Und seine Einflüsse hat er natürlich durch sein gesamtes Leben bekommen. Eines Tages kam er mit der Idee für den Namen der Scheibe. Und irgendwie fasst es ganz gut das zusammen, was uns alle in der Band umgibt. Wir haben lange darüber nachgedacht, aber es ergibt einen ganz guten Sinn für jeden von uns. GS: Wenn ich mir jetzt das Titelfoto anschaue, kann man Foto und Titel ganz gut in Einklang bringen. Und wie Du eingangs schon erwähnt hast, kommt dann auch wieder das Wetter zum tragen oder? BC: Definitiv...aber eben nicht nur das Wetter, sondern dieser Vibe im generellen, den Florida hat und die Ausstrahlung die da herrscht. GS: Das Wort "rot" hat ja nun auch diverse Bedeutungen. Welche bevorzugst Du? Oder besser noch, welches ist die Grundidee für die Platte? BC: Naja, wie ich vorhin schon meinte, hat jeder so seine eigene Interpretation und Bezug zu dem Titel aber "rot" ist in diesem Fall schon eher negativ gemeint....... An manchen Stellen ist es schon eine sehr trostlose und niedergeschlagene Stimmung auf der Platte. Dann gibt es wiederum kleine Eingebungen und Andeutungen auf den Wunsch nach etwas mehr ... doch im Grunde fühlten sich einige in der Band  schon irgendwie niedergeschlagen oder in einer sehr vermoderten Umgebung als wir die Scheibe aufgenommen haben. GS: Kollaborationen sind ja heutzutage gewöhnlicher, als noch vor einigen Jahren. Mit wem schwebt euch da eine Zusammenarbeit vor - was wir jetzt nicht unbedingt erwarten würden? BC: Slash müsste mal ein geschmeidiges Solo auf einer POISON THE WELL Scheibe spielen. Dann müssten wir aber auch noch ein wenig zusammen abhängen und über seine Hüte reden 😉 poisonthewell6GS: Was haltet ihr von der Entwicklung der illegalen Downloads und Tauschbörsen im Internet? Und wie denkt ihr über Meinungen die behaupten, dass es irgendwann gar keine physischen Tonträger mehr geben wird? BC: Also zum "Downloaden" gibt es innerhalb der Band diverse Meinungen. Ich persönlich denke, dass es eine rutschiges Gefälle ist, schwer aufzuhalten und es passiert so oder so. Einige Leute laden sich Alben herunter, weil es eben so ist mit den heutigen technischen Möglichkeiten. Aber dass es dadurch eventuell keinerlei physischen Tonträger mehr geben könnte - da hoffe ich natürlich, dass es niemals soweit kommen wird. Ich kenne immer mehr Leute, die sich mittlerweile wieder mehr Vinyl zulegen, die Musik wirklich Wert schätzen und den Reiz an dem gesamten sehen, was eine Platte zu bieten hat: die Musik, die Verpackung, die Lyrics, das Artwork. Und genau das ist besonders und wichtig das es noch Leute gibt, die daran auch (heute)  immer noch Interesse haben. GS: Welche Frage wurde euch bis heute noch nicht gestellt, auf die ihr aber brennend wartet (und wie ist die Antwort darauf?)? BC: Also ich warte schon immer auf die Frage, ob unser Merch-Typ schwanger ist - und die Antwort würde lauten: JA! GS: Glaubst Du, dass ein Objekt oder Gegenstand Glück bringen kann? Gibt es so etwas wie einen wahren Talismann? BC: Ich persönlich bin nicht so ein abergläubischer Mensch. Zufriedenheit macht man sich selbst und Glück ist nichts, worüber man sich ärgern sollte. Man sollte einfach sein Bestes geben und dann ergeben sich (hoffentlich) Gute Dinge daraus von ganz allein. GS: Über welche Themen sollte man besser niemals Witze machen? BC: Rassismus, Sexuelle Neigungen, wie z.B. Homosexualität - sexuelle Nötigung sollte man komplett sein lassen. GS: Was meinst Du: Ist der Mensch von Natur aus eher böse oder gut? BC: Ich glaube Menschen haben diese gewissen Urinstinkte Über alles herausragen zu wollen. Von Grund auf sind wir nur Tiere, haben aber im Laufe der Zeit soweit umgedacht, was es heißt "menschlich" zu sein mit sozialen Grenzen und Höflichkeiten, die wir als höheres Wohl erachten. Somit bin ich der Meinung, dass Menschen eher versuchen, Gutes zu tun... aber es gibt natürlich auch Gegenbeispiele, wo Menschen von diesem Weg abkommen .... GS: Welches ist der beste Song, der jemals geschrieben wurde? BC: "I Want You (She's So Heavy)"- The Beatles GS: Wenn ihr für 30 Sekunden die Aufmerksamkeit der gesamten Welt hättet, was würdet ihr (als Privatperson/en oder Band) tun, bzw. sagen? BC: Womöglich einen Appell an die gesamte Menschheit, etwas ruhiger zu werden, sich gegenseitig zu respektieren. Und vor allem zu erkennen für was es sich zu kämpfen lohnt und an welcher Stelle man es lieber vergessen sollte...... GS: Meinst du, dass man den Charakter eines Menschen an seinem Musikgeschmack erkennen kann? BC: Hmmm, man könnte eine leichte Vermutung haben ..... aber ich würde keinesfalls nur darauf basierend die Person beurteilen. GS: Wenn Du eine Comicfigur sein könntest, welcher Charakter wäre das? BC: Batman! Dann hätte ich tonnenweise cooles "Spielzeug" mit dem man so einiges anrichten könnte. Finales Statement: Danke für eure Zeit und das Interesse an unserer Band! Das wissen wir zu schätzen und wir freuen uns demnächst wieder -live- bei euch zu sein! Besonderer Dank gilt Brad und natürlich auch seinen Buddies von POISON THE WELL, zum Einen für die schnelle und wirklich offene und ausführliche Beantwortung aller Fragen, sowie einem grandiosen, neuen, tropisch heißen Album.