(Vagrant / Hassle / Soulfood Music) Erinnert ihr euch noch an diese „Zauberwürfel“? Also irgendwer hatte immer einen. Der Bruder, der Freund oder der Freund eines Freundes oder man selbst. Und irgendwo lag immer einer rum. Wenn das der Fall war, war er meist nicht gleichfarbig auf allen seinen Flächen. Na, eben komplett durcheinander gewürfelt. Was hat das jetzt mit der Band zu tun? Oder überhaupt mit "Desperate Living", dem neuen Longplayer der Nintendo-Core-Freaks HORSE THE BAND? Ganz einfach: die Assoziation, die ich hier habe ist: zuerst könnte man beim Hören denken: verdammt ist das streckenweise kompliziert. Genau wie ein durcheinander gedrehter Zauberwürfel, den man krampfhaft versucht, wieder gleichfarbig auf alle Seiten zu drehen. Desgleichen ist es mit "Desperate Living". Man versucht irgendwie, innerhalb der Songs einen Faden zu finden, der eine gleiche Farbe erkennbar macht. Aber genau dieses vordergründige Chaos entfaltet sich nach und nach zu einem klaren, gleichfarbigen Ganzen oder besser, einer Eingängigkeit, die sich erst nach einer gewissen Eingewöhnungsphase einstellt. Dies erfordert natürlich ein stressfreies Ohr. Schon seit vier Alben und mehreren EPs liefern diese fünf Chaos-Nerds Sounds zwischen Chaos-, Math-, Hard- und Nintendo-Core allererster Güte. Wie schon erwähnt keine leichte Kost und irgendwie extremer und in gewisser Hinsicht auch spaßiger, wodurch es für manch einen dann doppelt schwierig wird, diese Band ernst zu nehmen, beziehungsweise diese Art von Humor in Kombination mit ihrer ganz eigenen Musikkreation Ernst zu nehmen oder nachzuvollziehen. Hat man aber Gefallen an der Band gefunden, macht es ebenso Spaß den Jungs seine Ohren und Aufmerksamkeit zu schenken. horsetheband-bandNatürlich gibt es mittlerweile Unmengen von Bands, die sich in diese musikalische Schublade hineinzwängen, aber HORSE THE BAND gehören hier immer noch zu der Speerspitze und zu den Besten dieses eigenen Genres. Schließlich ist man auch schon seit 1999 dabei und achtet kaum auf die dazugehörige Garderobe, wie es diverse andere Bandkollegen neueren Jahrgangs pflegen. Auch das kann man an ihrem aktuellen Frontcover der CD deutlich erkennen. Und wer sie schon einmal live gesehen hat, der weiß, dass sie auch auf der Bühne keinen Hehl aus ihrer Weirdo-Attitüde machen. Da geht das Gaze teilweise noch hektischer und unkontrollierter von Statten. Da wird das Set schon mal unterbrochen für ein gewagtes „Fang-Spiel“ durch das gesamte Venue. Und auch die Songstrukturen werden da noch etwas mehr zerhackstückelt, verfickelter (haha, ich denke, Du hast ein „r“ vergessen, ich dachte mir aber,ich lass das Ganze mal so stehen! 😉 – ZOSSE) und chaotischer, nur um dann doch wieder in einen zuckersüß-melodischen Part überzulaufen, der einen dann wieder in „normale“ Sphären beamt. Man sollte sie unbedingt live anchecken, wenn sie im November hierzulande wieder unterwegs sind. Allein der Triangel-Spieler lohnt sich, ein Ticket zu kaufen (Vielleicht könnte ich ja doch noch in ner Band anheuern, Triangel bekomme ich bestimmt hin, haha! – ZOSSE)! Die Band ist einfach der Wahnsinn, ein chaotischer Entertainment-Orkan. Um sich auf die bevorstehenden Live-Dates einzustimmen und sich in gewisse Vorfreude zu bringen, sollte man sich aber auch unbedingt ihr aktuelles Werk "Desperate Living" zulegen. Allein die Gästeliste für dieses Album liest sich schon sehr gut: Klassik-Pianistin Valentina Lisitsa, Jamie Stewart (Xiu Xiu), Underground Rapper K-SLAX, Triangel-Spieler Ed Edge, und The Number 12 Looks Like You-Schlagwerker Jon Karel. horse-the-band-band2Aufgenommen wurden die zwölf Tracks in Los Angeles unter den Fittichen von Noah Shain. Inspiriert wurde dieser Longplayer vom gleichnamigen Film von John Waters. Im Grossen und Ganzen ist bei "Desperate Living" alles beim Alten. Aber was bei AC/DC funktioniert, macht auch bei HORSE THE BAND Sinn. Denn was sollten sie jetzt groß am Sound ändern? Derart abwechslungsreich, wie sie auch auf dieser Scheibe ihre Songs präsentieren, gibt es doch gar keinen Grund, irgendetwas zu ändern. Denn was sollten sie machen? Schnörkellosen Pop? Akustiksongs? Ein reines Balladenalbum? Nein, hier bleibt es grundsätzlich so, wie es zuvor auch schon war, denn die einzelnen Songs beinhalten genug, was das Herz begehrt. Unerwartete Breaks, verrückte Keyboardsounds, spacige Samples, herrlich melodische Parts, Metalcore-Mosh-Elemente, feurig-fette Riffs, treibende Disco-Rhythmen und und und. Sein Übriges fabriziert Nathan Winneke mit seinem Organ. Er scheint fast jede Stilrichtung zu beherrschen, fast wie ein Mike Patton. So etwas von facettenreich ist selten. Humor in den Texten hin und her, was hier musikalisch geboten wird ist wirklich großartig. Chaotisch-fantastisch. Entweder man liebt diese Spinner oder man hasst sie. Ich gehöre zu Ersteren, obwohl ich bei Live-Gigs Angst habe, in die Show der Wahnwitzigen mit einbezogen zu werden (Du würdest da aber bombig reinpassen! 😉 – ZOSSE). Mit diesem Soundtrack würden selbst die Super Mario Brothers durchdrehen und durch jedes Doom-Level moshen als wären sie auf Crack. Empfehlung für die Herbst-und Wintermonate, um auch in dieser Zeit in Bewegung zu bleiben und gleich vorsorglich dem Winterspeck entgegenzuwirken. Album-VÖ: 02.10.2009 + ExotenFantasmo-Bonus