(Virgin Records / EMI) Wenn ALICE IN CHAINS ein neues Album herausbringen, dann macht Schwarz Platz für Blau, die Finsternis weicht dem blauen Himmel! Die Welle, die die Band in der Musikszene angeschoben hat, seit bekannt wurde, dass mit einem neuen Album zu rechnen ist, kann mit der verglichen werden, die Moses fabrizierte, als er das Meer teilte! ALICE IN CHAINS sind 2009 wieder in aller Munde, das aber schon seit Jahren, schließlich benannten sich zum Beispiel die Megaseller Godsmack nach einem gleichnamigen Song der Band, momentan scheint es in der HardCore-Szene auch total in Mode zu sein, Stücke von ihnen zu covern (siehe nur Suicide Silence’s oder It Dies Today’s Interpretationen von ‚Them Bones’). Und das, obwohl die Band damals einen schweren Stand hatte. Parallel mit Nirvana und Pearl Jam zur Seattler Grunge-Hochphase gestartet, waren ALICE IN CHAINS den Grungern zu metallisch, den Metallern aber zu sehr Grunge. Dem einen Lager zu schwermütig und herzzerreißend, dem anderen zu hart und kantig. Ein Spagat, den man aber bestens meisterte, denn gerade aus diesen "Widersprüchen" zauberte man sich aus den genannten Stimmungen einen verdammt innovativen und wieder erkennbaren Sound und erspielte sich eine treue und riesige Fanbase. Bis zu dem schicksalhaften Tag im Jahre 2002, an dem man Layne Staley, den (!) Ausnahme-Fronter den Drogen opfern musste, die auf dem Durchbruchs-Werk "Dirt" ja größtenteils von ihm besungen wurden. aliceinchains3Nun sind ALICE IN CHAINS zurück, nach 14 Jahren albumloser Zeit („Alice In Chains“ erschien schließlich1995!) und nach dem tragischen Tod von Leadsänger Staley ein Kunststück, das nicht viele vollbracht haben. Ein Vergleich mit AC/DC drängt sich auf. Nach der Bon Scott-Ära begann bei den Aussies ja bekanntermaßen die überaus erfolgreiche und von den Fans akzeptierte Brian Johnson-Phase, die mit „Back In Black“ wie ein Donnerschlag eingeleitet wurde. ALICE IN CHAINS haben die Power, es den Starkstrom-Rockern mit Neuzugang William DuVall am Mikro gleichzutun. "Black Gives Way To Blue" benötigt nämlich nicht lange, bis es sich in den Gehörgängen des schon lange darbenden Fans festsetzt. Ich weiß nicht, wie oft ich ‚A Looking In View’, die erste Single zum Album schon gehört habe, bevor ich endlich das Gesamtwerk in den Händen halten durfte. Der Song war der erste Vorbote von „Black Gives Way To Blue“ und ist so monströs fett! Das tonnenschwere Riff leitet einen dunklen und schleppenden Song ein, der alle Stärken dieser Band in 7:06 Minuten vereint. Drummer Sean Kinney stopft jedes mögliche Soundloch mit einem undurchdringlichen Teppich aus Schlägen dicht und der gedoppelte Gesang DuVall / Cantrell kommt so nah an alte Zeiten heran, dass man wirklich glaubt, einen Geist zu hören, wie der Metal Hammer UK letztens so treffend bemerkte. Dieser Song ist schier majestätisch und gehört schon jetzt zu meinen ALICE IN CHAINS-Alltime-Faves! aliceinchains2Glaubte man, eben noch einen Geist zu hören, so bekommt man beim teils akustischen 'When The Sun Rose Again', welcher an die "Sap"-Sessions erinnert, eine dicke Gänsehaut, bemerkt dann aber auch spätestens, wie viel Anteil Jerry Cantrell damals schon zum Gesang beigesteuert hat. Auch dieses Stück gehört zu den Highlights von "Black Gives Way To Blue". Wobei, ein Highlight ist jeder einzelne Titel auf diesem Werk. 'Check My Brain', ein weiteres Riffmonster (manche Bands würden für eines dieser Riffs töten!) setzt sich mit seinem "California, I'm fine, somebody check my brain"-Refrain sofort im Langzeitgedächtnis fest. 'Acid Bubbles' erzeugt schizophrene Stimmungen, da der Song zwei musikalische Themen (die Hauptstimmungen von ALICE IN CHAINS) ruppig gegeneinander laufen lässt. Genial! 'Private Hell' zielt in Richtung 'Rooster' und 'Down In A Hole', 'Last Of My Kind' ist ein Song, bei dem DuVall's Organ größtenteils alleine steht und den Unterschied zu Staley am erkennbarsten darlegt (DuVall klingt etwas schärfer als der melancholische Staley) aber das Highlight schlechthin bildet der Titelsong. Man würde einige Gaststars auf einem ALICE IN CHAINS-Werk erwarten, aber nicht gerade Sir Elton John, der mit seinem Klavier einen bedeutenden Akzent zur Stimmung des Stückes bildet und das Album würdig und wunderschön ausklingen lässt. Bei der Qualität, die "Black Gives Way To Blue", dieses Meisterwerk, offenbart, ist die verstrichene Zeit seit dem letzten Album definitiv vertretbar! Welcome back, ALICE IN CHAINS. Ihr wart zwar lange weg, aber permanent in meinem Herzen. Nun seid ihr auch wieder mit neuer Musik in meinen Ohren. Und dort werdet ihr auch noch lange bleiben! Ich verbeuge mich vor dieser Großtat! Album-VÖ: 25.09.2009