(Relapse / Rough Trade) Die Baronin ist zurück. Die Gebieterin über Riffs, die Herrin über Melodien, die Herrscherin über metallische Härte und atmosphärische Gänsehaut. War die Meßlatte mit dem "Red Album" bereits sehr hoch abgelegt, teilweise vielleicht auch an manchen Stellen zu hoch gelobt, wird diese Qualitäts-Meßlatte aber mit dem Album „Blue Record" übersprungen und kann somit noch höher platziert werden. BARONESS überzeugen mit „Blue Record", entsprechen den Erwartungen und übertreffen diese sogar. Man hat mit „Blue Record" auf jeden Fall nicht ein zweites „Red Album“ abgeliefert, sondern sich noch in andere Richtungen ausgebreitet, das Songwriting weiterentwickelt. „Blue Record" klingt noch facettenreicher und interessanter als der Vorgänger. Metal, Alternative Rock, Prog-Rock, Hard-Rock, Doom-Elemente, Sludge und Punk werden gekonnt kombiniert und sowohl Prisenweise aber teilweise auch gesammelt in einzelne Songs eingearbeitet. Artwork und Musik gehen eine perfekte Symbiose ein. baroness-bandDie Baronin hat somit ein gelungenes, in sich stimmiges Gesamtkunstwerk geschaffen. Der doomige Anteil wurde im Gegensatz zum Vorgänger etwas zurückgeschraubt und die offene Rohheit ist auch nicht mehr ganz so präsent, doch das tut der Scheibe keinerlei Abbruch. Vielleicht wird etwas mehr in den Jahrzehnten zurückgegangen um dort fündig zu werden, aber immer mit dem Anspruch, es zeitlos, aber doch zeitgemäß zu verpacken. Genau das ist BARONESS vorzüglich gelungen. Black Sabbath, Deep Purple, The Who und Led Zeppelin treffen sich mit jüngeren Zeitgenossen wie Isis, Mastodon, Pelican, Oceansize oder High On Fire und brüten ihr ganz eigenes königliches Soundgewand daraus. Verzieren das ganze mit Instrumentals, Intros und Interludes. Abgerundet wird „Blue Record" durch eine sehr warme und trockene Produktion, die diesmal John Congleton (Modest Mouse, Polyphonic Spree) übernahm. Es fällt schon wie beim Vorgänger schwer, den Sound genau zu lokalisieren, festzulegen oder in eine bestimmte Schublade zu packen. Und das ist gut so, denn genau dadurch bleibt diese Scheibe auch über längere Zeit frisch und vielleicht sogar unvergänglich, zeitlos. Vielleicht sogar mit dem gewissen Etwas, um zu einem Klassiker mutieren zu können. Der qualitative Grundstein ist mit diesem Nachfolgealbum zumindest gründlichst gelegt und man darf die Baronin nun auf ihrem beeindruckenden Schloss hofieren gehen. Nein, nicht nur dürfen, man SOLLTE sich diesem Einblick nicht verwehren und unbedingt einen Abstecher zur BARONESS machen und „Blue Record" auf sich wirken lassen. Album-VÖ: 16.10.2009