streetdogs-liveVon Glücksspielen und der größten Stadt in Neuengland, Magie und Waldwegen. STREET DOGS haben viel zu sagen. Das ganze Paket wird durch verdammt ehrlichen Punkrock zugestellt. Mehr dazu sollen euch Mike (Vocals) und Johnny (Bass) selber erzählen.... Gestromt.de: In der aktuellsten Ausgabe der Alternative Press ist ein Foto zu sehen, auf dem du gerade die Nationalhymne in dem Stadion der Boston Red Sox singst. Bitte erzähl uns mehr darüber. Mike: Johnny und ich haben eine Version der Nationalhymne aufgenommen und den Boston Red Sox zukommen lassen. Mit einer Rückmeldung haben wir eigentlich nicht gerechnet. Wir dachten einfach nur, dass die Version echt gut ist. Naja, sie haben sich dann doch bei mir gemeldet und wollten, dass ich die Hymne im Stadion singe. Für mich war es das Größte!! Ich bin durch und durch ein Red Sox Fan! Aus Fleisch und Blut. Schon mein ganzes Leben lang! In Boston sind die Red Sox sowas wie Gott, wie eine Religion. Es ist mehr als nur ein Spiel! Beispielsweise wie Fußball in Deutschland. Es ist immer ausverkauft und die Fans sind mit tiefer Leidenschaft und Hingabe dabei. Jeder spricht darüber, egal aus welcher sozialen Schicht die Leute kommen. Die Red Sox regieren Boston. Als ich unten auf dem Feld im Stadion stand, dachte ich…ich träume! Es war eine Ehre für mich und ich war so nervös, wie noch nie zuvor. Dieser Moment war eine enorme Erfahrung für mich. Es fühlte sich an, als würde ein Traum, mein Traum, in Erfüllung gehen. Boston hat einen sehr großen Einfluss auf die Musikszene. Es ist die Stadt, die Heimat, von Bands wie Mighty Mighty Bosstones, Far From Finished, Dropkick Murphys und vielen mehr. Gibt es Gründe für dieses „Musik-Hauptquartier“? Johnny: Es ist schwer zu erklären. Aber du musst wissen, was in Boston populär ist, muss nicht unbedingt in anderen Städten genau so sein. Hehe, wir haben bei uns in Boston einen Witz…Wenn Emo in Boston angefangen hätte, wäre es sofort im Keim erstickt worden. (lacht) Wir machen darüber viele Witze. Musik ist aber freie Ausdrucksart. Jeder kann damit ausdrücken was er will. Aber für Bands aus Boston kann es auch durchaus schwer sein, in anderen Städten zu spielen, weil in manchen Städten unsere Kunst, Musik zu machen, noch nicht angekommen ist. Klar haben wir die Bosstones, die Millionen von Platten verkauft haben und bei MTV gespielt wurden. Damals haben sie die Murphys mit auf Tour genommen. Und jetzt sind die Murphys an der Spitze und so geht das weiter, bis die nächste kommt. Wie ist es zwischen den ganzen Bands in Boston? Ist es vergleichbar mit einer großen Familie, oder ist es eher ein Ellenbogenkampf mit sehr viel Konkurrenzgedanken, wie ein Wettkampf? streetdogs-mit-danielJohnny: Manchmal kann es schon wie ein Wettkampf sein, wenn man bekannter ist oder bekannter wird. Die Leute, die Fans, betrachten dich dann durch eine Lupe und beobachten genau was du machst. Wenn du anfängst, aus Boston heraus zu touren, wird das extrem. Aber mit den Bands, mit denen wir befreundet sind, ist es eher wie in einer Familie. Mike: Bands die wir eben aufgezählt haben, setzen sich für andere kleinere und unbekannte Bands ein. Wir machen es genau so. Jeder passt auf den anderen auf. Ich denke, die Ansicht des Wettbewerbs kommt aus der Perspektive des Hörers bzw. der Fans. Vor allem im internationalen Bereich, wie in unserem Fall. Wie ist zurzeit eure Tour mit Civet? Mike: Großartig! Sie haben super Songs! Es ist ein nettes Miteinander. Wir lachen viel. So muss es sein. Wir haben die Ladies in Japan kennengelernt. Auf einer Tour mit Flogging Molly. Wir mögen sie! Sie haben eine wahnsinnige Live-Show. Deswegen haben wir uns als Support für Civet entschieden. Und jetzt ist es soweit…Europa, Deutschland, wir sind hier! Bäng! Was mögt ihr daran, im Ausland zu spielen und was hasst ihr am meisten daran? Johnny: Zurzeit hier in Deutschland…Man, es ist einfach zu kalt, das geht gar nicht. Aber im Frühling ist es hier sehr schön, da würde ich gerne mehr Zeit hier verbringen. Ich liebe Deutschland. Die Menschen hier sind tüchtig und sie sind stolz auf das, was sie machen. Sie sind sehr ehrlich. Wie zum Beispiel nach einer Show. Hier, in Deutschland, würden Leute ankommen und sagen, geiles Konzert aber das letzte war voll daneben. Sie sind ehrlich. In Amerika würdest du das nicht erleben, die Leute sagen da immer es war eine nette Show. Für diese Ehrlichkeit sind wir sehr dankbar. Das Schwierige an Europa oder anderen Ländern ist…Manche von uns haben Frauen und Kinder. Auf solchen Touren fühlt es sich wie eine Trennung von ihnen an, weil wir so weit weg sind und das tut weh. Das kann ich verstehen, aber wie geht ihr damit um, bzw. wie bewältigt ihr diese Distanz? Johnny: Meine Frau war damals die Tourmanagerin für die Murphys und ich habe auch für die Murphys gearbeitet. Ich habe sie damals auf der Tour kennen gelernt. Sie weiß wie es ist auf Tour zu sein und wie das alles läuft. Wir sind jetzt 12 Jahre zusammen und sie vertraut mir! Das ist mir sehr wichtig. Das Problem sind eigentlich eher meine kleinen Kinder. Es ist schwer, ihnen alles zu erklären. Sie verstehen es nicht. Sie sind noch zu jung. Manchmal sind sie mit unterwegs, oder kommen zu einer Show. Wenn sie mich dann in dieser Stadt sehen, denken sie ich würde in dieser Stadt die ganze Zeit spielen. Aber mit Technologie, ganz besonders Skype, ist es möglich, diese Distanz ein wenig zu verringern. Ich kann jeden Tag sehen, wie sie groß werden. Das ist sehr schön, aber auf der anderen Seite bin ich auch sehr traurig darüber, nicht dabei zu sein. Wir sprechen auch in der Band viel drüber. In den letzten 4 Jahren, war es aber besonders schwer. Wir haben wie verrückt für die Band gearbeitet, haben alles gegeben…aber auf der anderen Seite gibt es noch die Familie, für die man da sein muss. Es ist wie ein Tanz auf einem Seil. Man kann schnell daneben treten und legt 'ne Bruchlandung hin. Was ist für euch wichtiger- Wollt ihr live wie auf Platte klingen, oder ergibt sich das alles aus der Atmosphäre der Show? Mike: Beides ist wichtig. Man kann im Studio hart an den Liedern arbeiten und sie perfektionieren, deshalb ist es wichtig, auch live einen guten Sound, fast wie auf Platte, zu haben. Auf der anderen Seite darf aber auch nicht die Live-Energie fehlen. Sie ist genau so wichtig! Das versuchen wir auch auf unserer nächsten Platte einzufangen. Schau dir die besten Bands der Welt an. Die Jungs gehen da oben hoch, auf die Bühne und du spürst sofort die wahnsinnige Energie, die dich sofort in ihren Bann zieht! Magie! Abrakadabra! So muss es zwischen Publikum und Band sein. Etwas Besonderes und Unbeschreibliches. Das ist es, was wir jede Nacht versuchen. Was ist das Hauptziel hinter STREET DOGS und was hofft ihr, was die Leute in 40 Jahren über die Band denken? (beide lachen) Johnny: Die ist heftig, haha! Wir wollen den Durchschnitt ansprechen. Die Leute, die mit einem Iro rumlaufen und noch zur Schule gehen. Arbeiter, die in der Nachschicht arbeiten. Leute, die an einer Universität täglich kämpfen, um sich später selbst ein besseres Leben zu ermöglichen. Leute in der Politik oder Menschen, die unter der Staatsführung Einbußen hinnehmen müssen. Wir wollen Lieder schreiben, die direkt in die Seele dieser Leute zielen. Wir haben so viele Emails bekommen, von all diesen Menschen von der ganzen Welt. Das gibt uns sehr viel Kraft und treibt uns an. streetdogs-live2Mike: Ich kann jetzt nur für mich selbst sprechen…Wenn du dir einen Waldweg vorstellst, der das Leben darstellt und am Ende ist dieses helle Loch…Es liegt an dir, was du bis dahin machst, welchen Weg du einschlägst. Es ist deine Entscheidung. Man muss jede Entscheidung eines Menschen respektieren. Du bekommst Emails, was Johnny meinte, von Arbeitern, Soldaten, Punkern oder Anwälten. Es berührt dich, dass du in irgendeiner Weise, indem was du machst, einen Effekt auf diese Leute hast. Ihnen auf ihrem Weg zu helfen, sei es eine Entscheidung zu finden, oder sie einfach nur auf den richtigen Weg zu bringen. Die Mails kommen aus Russland oder Australien. Die Musik ist überall und genau das bewegt. Aber genau das ist auch auf der anderen Seite für uns wichtig und hilft uns sehr in unserem Leben, die Situationen zu bezwingen, durch die wir müssen. Es ist wie ein Zusammenspiel. Ich zum Beispiel fühle mich auf der Bühne tausendmal wohler als in meinen eigenen vier Wänden. Das ist die verdammte Wahrheit. Es ist, als wäre ich dafür bestimmt, deswegen mache ich es, es ist mein Weg. In welchem Moment in deinem Leben hast du gemerkt, dass Musik für dich deine Bestimmung ist? Mike: Ich denke es war in dem Moment kurz bevor es mit den STREET DOGS auf Tour ging. Damals als ich bei den Murphys raus bin, hatte ich eine längere musikalische Pause. Ich habe das alles vermisst. Die Energie bei den Shows, einfach alles. Ich habe an jenem Tag Johnny angeschaut und meinte nur:“Let us fucking do this! All the way, I’m in! Put all your cards on the table.” Johnny: Das stimmt! Es war alles wie ein Glücksspiel, weil wir gute Jobs hatten. Wir sind verheiratet, haben Kinder. Es war ein großes Spiel. Wir haben alles auf unser Kartenblatt gesetzt. Aber es ist genau das, was wir im Leben machen wollten, also haben wir es gemacht. Du musst wissen, als Musiker bist du der Letzte auf der Welt, der Geld verdient. Aber du machst etwas, dass du leidenschaftlich liebst und gleichzeitig trittst du dem Ganzen mit so viel Hoffnung und Glauben gegenüber. Du kommst den Menschen auf einer Art und Weise nah, die dir viel mehr gibt als alles Geld auf dieser Welt. Mike: Im Leben musst du das machen, was du willst. Sei es als Anwalt, Arzt, Elektriker, Stahlarbeiter, Lehrer, Polizist oder Feuerwehrmann…was immer du zur Hölle auch machst, versuch der Beste zu sein und sei stolz darauf! Das ist wichtig für Leute zu realisieren. Genau das war damals in mir. Ich habe etwas über ein Punkrock-Kochbuch gelesen, das in Kürze erscheinen wird. Es sind Rezepte von euch darin enthalten. Welches ist euer Lieblingsessen? Johnny: Wenn wir in Los Angeles sind…gibt es Tacos. Nirgendwo an der Ostküste kannst du welche finden, die so göttlich schmecken. Wenn wir in New York sind, gibt es immer Pizza by the slice, die sind besser als die in Los Angeles. Ich weiß aber nicht, woran das liegt. Eventuell am Wasser oder so. Es hängt davon ab, wo du dich in dem Moment aufhältst. Es gibt Sachen, die schmecken einfach nur in bestimmten Orten oder Regionen gut. Das ist auf der ganzen Welt so. Klar, und das merken wir ständig, wenn wir auf Tour sind. Aber immer wenn ich aus Europa nach Hause komme, dann gibt es mexikanisches Essen. Das kriegst du nicht in Europa, dass ist das Problem. Mike: So, hör genau zu. Für mich ist das relativ einfach zu erklären. Wenn du in Boston bist, geh zur Congress Street, im Norden. Da gibt es das geilste Hähnchen…bah, ist das gut. „It’s fucking“. Das Union Steakhouse in Boston, hör auf…ich könnte den Laden leer saugen! Oh Mann, ich muss zurück! (lacht)