Verdammt, die Zeit wird knapp. Von einem Ende Hamburgs zum anderen. Klingt erst mal sehr einfach. Zumindest einfacher, als zum Beispiel von Hannover nach Hamburg. Aber weit gefehlt...Stau, Feierabendverkehr, rote Ampeln. Und dann: noch mehr rote Ampeln und Baustellen. Auf einmal und immer dann, wenn man sie wirklich nicht gebrauchen kann, tauchen sie auf einmal aus dem Nichts auf. Wo gestern noch keine waren, sind plötzlich mehrere hintereinander und jeder Ausweg entpuppt sich als weiterer Umweg. Verdammt noch mal, die Zeit wird immer enger. 20.30h soll Stage-Time für MUSE sein. 20.30h, das bedeutet noch genau 20 Minuten für nur noch ca. 5 km. Das klingt doch jetzt aber einfach. Doch weit gefehlt, immer wieder bahnen sich Baustellen ihren Weg durch, über und entlang genau der Strecke, die ich immer wieder zu fahren versuche. Und das Radio spielt auch nicht mit. Keinerlei Umleitungshinweise. Schwitzen. Aufgeregtes Trommeln auf das Lenkrad. Hasstiraden gegen meinen Spiegel. Streß. Anspannung. Genervtes Spurwechsel-Spielchen. Trommeln auf Lenkrad und Armaturenbrett. Bumm-Tschakka-Bumm-Tschakkatschakka. Schweißperlen auf Stirn und unter Achseln. Nicht weil es warm ist, nein, wegen der Aufregung. Endlich noch ca 9 Minuten bleiben bis zur der – Anglizismen sei Dank – Stage Time!!!!!! Man hofft ja, dass es nicht pünktlich losgeht, wenn man noch nicht da ist. Das ist natürlich ganz anders, wenn man schon da ist. Dann wünscht man sich nichts sehnlicher, als dass der Artist oder eben die Band endlich die Bühne entert und loslegt. Aber ich bitte: nicht diesmal. Vorband The Horrors eh schon verpasst. Davon gehe ich jetzt mal aus. Aber das Augen- bzw. heute Abend Ohrenmerk liegt auf MUSE. Ganz klar. Dieses Dreigestirn, welches schon immer seine Schatten in Bezug auf Live-Qualitäten voraus geworfen hat. Schatten, die seit den Anfangstagen immer über den Auftrittsorten schweben und das immer weit im Voraus. Und gerade deshalb sind auch fast alle Shows bereits ausverkauft in Good Old Germany. Stetig aber durch Klasse und Qualität haben sich die Lokalitäten, in denen MUSE seit Beginn ihrer Karriere auftraten, ständig vergrößert (Ich erinnere mich noch gut an den 19.05.2000 in Hamburger Gruenspan! – Zosse). Wie gesagt, endlich habe ich mein Ziel erreicht. Rein in die Halle, Platz gefunden Licht geht aus Show geht an. Hammer. Das war ein gutes Konzert. Nein, das wäre ja jetzt ein wenig unverschämt, wenn ich zeilenlanges Autofahr-Geblubber hier abtippe und nichts weiter als ein lapidares „gut“ zu einem atemberaubenden Konzert abgeben würde. Denn das würde keinesfalls dem Respekt gerecht, den ich irgendwie versuchen muss, in Worte zu fassen, was ich die zwei Stunden nach meiner strapaziösen Autofahrt erfahren durfte. Es war grandios. Entertainment vom Feinsten. Auch wenn böse Zungen behaupten, das die Jungs ein wenig genervt waren. Das war mir vom ersten bis zum letzten Ton aus den Boxen der Color Line Arena so was von egal, denn die Band spielte einfach ein überragendes Set. Eine famose Songauswahl kombiniert mit feinster Videoanimation und einer ebenso faszinierenden Lightshow. Was will man da mehr? Stimmlich, Soundtechnisch, Unterhaltungstechnisch allerhöchstes Niveau. Eines der wirklichen Konzerthighlights im noch laufenden Jahre 2009. Obwohl man Konzertevents ja eventuell auch schubladisieren müsste, was die Größe des Veranstaltungsortes und die gesamte Technik anbelangt. Da kann natürlich nicht jeder mithalten. Und irgendjemand warf die Zahl von 18 LKWs in den Raum. Da muss dann natürlich schon eine Menge Technik am Start sein. Aber nicht nur Technik macht ein gutes Konzert aus. Auch die Band muss ihren Teil dazu beitragen, um ein Konzert zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Und heute Abend stimmte einfach alles: ALLES! Die Band beherrschte die Instrumente, sie spielten alle auf den Punkt. Der Sound war glasklar und fett – trotzdem nicht ohrenbetäubend oder zu laut. Genau richtig. Jedes Feedback kam an der richtigen Stelle. Die Gitarrenarbeit konnte man schon mit der eines Tom Morello vergleichen, um die „abgefahrenen“ Sounds aus und um die Gitarre zu beschreiben. Aber Matthew Belamy spielte nicht nur Gitarre, sondern sang auch noch unbeschreiblich gut, während er mit seiner Gitarre zauberte und aberhunderte Fans sogar verzauberte. Aber auch am Klavier machte er eine äußerst gute Figur. Man sah es an entspannt freudestrahlenden Gesichtern. Auch mir lief das eine ums andere Mal ein leichter Freudenschauer den Rücken herunter, bis in die Fußspitzen, die immer wieder anfingen zu wippen, ohne dass ich das Tanzen mag. Rhythmisches Mitwippen überkam mich mehrmals während des Konzerts und das will etwas heißen – schafft nur selten eine Band, dass ich mich überhaupt bewege. Manchmal meine ich mich auch dabei ertappt zu haben, wie ich mit offenem Mund einfach nur verglückt dastand. Ja, schon überwältigt von dem, was da gerade auf der Bühne ablief und von drei jungen Typen abgeliefert wurde. Wenn das nicht die neuen Queen-Nachfolger sind, dann weiß ich es auch nicht. Pop meets Rock, stadiontauglich und teilweise radiotauglich aber nicht chartdiscotauglich. Kraftvoll und Ausdrucksstark, seinesgleichen suchend. Ein Trio. Manchmal unterstützt von einem vierten Mann an den Tasten. Unauffällig aber prägnant und wohl dosiert. Man kann keinen einzelnen Song hervorheben. Jedes Album aus den letzten Jahren ihrer Karriere wurde berücksichtigt bei ihrer Songauswahl. Alle Songs die gespielt wurden, hatten ihre Berechtigung dabei zu sein und es war eine perfekte Playlist. Auch wenn man sich am Ende noch mehr gewünscht hatte – aber wie heißt es so schön, man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Und das war es auch: am Schönsten. Aber irgendwie  war es durchweg am Schönsten. Abschließend kann ich nur sagen, dass ich alle Platten bis hierher super bis genial fand aber live haben sie meine Erwartungen dann noch um Längen übertroffen (weil ich sie bis dato jedes Mal live verpasst hatte...). Ein solches Glückserlebnis, diesen Event nicht verpasst zu haben, hatte ich schon lange nicht mehr. Da war am Ende die komplette Anstrengung des Tages und der nervenzehrenden Fahrt zur Halle komplett vergessen, quasi weggeblasen von einem musikalischen Feuersturm diese Trios namens MUSE. Musik der Extraklasse, Entertainment der Extraklasse, was will man mehr!? Platten kaufen, wer sie noch nicht besitzt. Live DVDs kaufen, wer sie noch nicht besitzt. UNBEDINGT aber: Ticket kaufen für die nächste Show, wenn sie in Eurer Nähe spielen. Vielleicht übertreibe ich ja für den Einen oder Anderen aber so war das nun mal für mich. Statements sind wie immer erwünscht ....... vielleicht war ja noch jemand vor Ort!?