shinedown-2009Platz 8 der US Charts, ihr drittes Album „The Sound Of Madness“ überzeugte viele Menschen. Nicht nur ihre eingängigen Songstrukturen verhalfen zu ihrem Welterfolg, sondern auch ihre einzigartige Livepräsenz. Etwas von Magie und Ehrlichkeit. Vorhang auf für … SHINEDOWN! (Interview mit: Barry (Drums), Zach(Guitar), Brent (Vocals)) Gleich als Erstes schnell vorweg, wie läuft eure Tour zurzeit? Ihr hattet ja zwischendurch eine kleine Pause eingelegt. Barry: Ich sage dir, es fühlt sich so gut an, wieder auf Tour zu sein, es macht wahnsinnig Spaß! Die meisten Shows sind alle ausverkauft, volles Haus. Wir haben jetzt die Hälfte der Europa Shows gespielt, gestern Paris heute Hamburg…erste Deutschland Show auf der Tour. Wir lieben es, hier zu sein! Ihr seid eine richtige „Tourmaschine“, wart auf der ganzen Welt unterwegs, habt über die Jahre hinweg eine Menge Erfahrungen sammeln können. Habt ihr zum Beispiel einen Unterschied zwischen dem Publikum hier in Deutschland und den amerikanischen Fans bemerkt? Barry: Oh ja, es gibt erhebliche Unterschiede. In den USA sind die Leute meistens betrunken, laufen die ganze Zeit herum. Es ist eher ein sozialer Event, man trifft seine Freunde und quatscht mit ihnen. Die Musik steht da nicht so direkt im Vordergrund. In Europa ist das anders. Die Leute kommen zu dem Konzert, um sich auf die Band zu konzentrieren, sie nehmen aktiver am Konzert teil, und legen größere Aufmerksamkeit auf die Musik. Was mögt ihr denn am meisten, wenn ihr wie im Moment in Europa auf Tour seid, gerade in Deutschland? Barry: Die Antwort ist einfach! Ganz klar…das deutsche Bier! Unglaublich lecker! Generell faszinieren mich eure Kulturen. Sie sind sehr alt und man kann eine Menge recherchieren, da gibt es durchaus interessantere Fakten als in der jungen amerikanischen Geschichte. Aber auch die Kommunikation mit den Leuten hier bedeutet mir sehr viel. Andere Länder, andere Sprachen, andere Sitten! Mag ich! (Barry zu Zach: Und du?) SHINEDOWN mit DanielZach: Da kann ich dir nur zustimmen, so sehe ich das auch. Ich liebe Amerika, es ist meine Heimat und da bin ich äußerst stolz drauf. Auf der anderen Seite haben wir aber eine schlechte Angewohnheit, wenn wir etwas sehen was älter als ein paar Jahre ist oder eine längere Geschichte hat, machen wir die Tüte auf und schmeißen es weg. Hier zulande wahrt man derartige kulturelle Schätze, man gibt ihnen viel Sicherheit und pflegt sie. Wir lieben das! Wir sind Künstler und haben sowieso ’nen „kleinen“ Sockenschuss! Richtige Kloppis halt! (Lacht) Deswegen ziehen uns andere Kulturen so in ihren Bann. Wir ziehen alles in uns auf und nehmen mit, was wir können. Ich möchte noch kurz was zu der vorherigen Frage ergänzen. Die Shows in Europa sind wirklich mit viel mehr Leidenschaft verbunden. Das freut uns als Künstler ganz besonders. Europäische Fans sind einfach total „musikhungrig“ und Amis einfach durch Konzertüberflutungen verwöhnt. Wir haben uns eine Menge Zeit für den Entstehungsprozess zu „The Sound Of Madness“ genommen. Die Welt soll eine verdammte Chance bekommen, die CD live zu hören. Wenn man dazu noch diese beiden Sachen, Europa und Platte, verbinden kann…dann ist es perfekt! Für jemanden in einer tourenden Band muss es sehr schwer sein, eine Beziehung oder Freundschaft mit den Leuten, die einem wichtig sind, aufrecht zu erhalten. Wie geht ihr damit um? Beziehungsweise wie bewältigt ihr dieses Problem? Barry: Da hast du recht! Es ist schwer! Ich zum Beispiel bin seit acht Jahren verheiratet. Das ist genau der Zeitraum, seitdem ich bei SHINEDOWN dabei bin. Meine Frau und ich kannten es also nicht anders und haben sofort damit angefangen, uns mit dieser Situation auseinander zu setzen. Der Schlüssel zu dem Ganzen: Vertrauen! Man muss hart dafür arbeiten, härter als unter normalen Umständen. Aber ganz im Ernst, auf der anderen Seite hält es eine Beziehung auch wirklich frisch und interessant. Es wird nie langweilig, da beide Partner jederzeit versuchen alles zu geben. Klar vermisse ich meine Frau! Verdammt! Aber auf der anderen Seite bin ich auch froh, so wie es ist. Vor einiger Zeit seid ihr in den Irak geflogen, um dort für die amerikanischen Soldaten ein paar Konzerte zu geben. Inwiefern hofft ihr, dass eure Musik das Leben eurer Hörer beeinflusst? Welchen Eindruck wollt ihr den Hörern beziehungsweise den Soldaten hinterlassen, die zu dem Zeitpunkt in solchen Krisengebieten stationiert sind? Da die Situation ja auch nicht unbedingt besser wird… Barry: Es waren insgesamt 4 Shows im Irak. Wir wollten den Soldaten ein Gefühl von Kraft und Unbesiegbarkeit vermitteln. Es sollte lediglich eine Hilfestellung dabei sein, die schwierigen Eindrücke, die sie während ihrem Aufenthalt gesammelt haben, zu verarbeiten. Hoffnung sollte ihren Alltag beflügeln. Zach: Teilweise kommen Menschen zu unseren Shows, die so stark von alltäglichen Qualen oder Hilflosigkeit geplagt werden. Beispielsweise werden auch Angst und Depressionen bei den Soldaten in derartigen Krisengebieten ausgelöst. Wir möchten diesen Menschen das Gefühl vermitteln, von vorne anfangen zu können. Also, ihnen Kraft für einen Neustart geben…Dinge einfach hinter sich zu lassen und in die Zukunft zu schauen. Wir möchten den Hörern mitteilen, dass jeder etwas ganz besonderes ist, sozusagen durch eine Art von Zusammenhalt, die man bei unseren Shows spüren kann. Alles was diese Personen vorher dachten, nicht erreichen oder bekommen zu können, ist nun möglich. Wir geben ihnen die Antriebskraft dafür, jeden Wunsch erreichen oder jedes Problem bezwingen zu können. Das ist das magische an Musik! Abrakadabra! Wie wird die Magie, wie ihr sagt, eingefangen, um das Publikum zu „verzaubern“? Ist es dabei wichtiger, wie auf Platte zu klingen, so wie es die Leute kennen oder die Show an einem Abend für sich selber sprechen zu lassen? shinedown-2009-2Barry: Beides!...und zwar in einem ausgewogenen Gleichgewicht! Auf Platte versucht man die Wirkung eines Songs so gut wie möglich zu entfalten. Schließlich sind die Aufnahmen für die Ewigkeit und man möchte das beste Resultat, die impulsivste Wirkung, erzielen. Es gibt nur eine kleine Nebenbedingung, es muss alles auch live umsetzbar sein. Das ist die Spielregel. Zur gleichen Zeit muss von der Band aus live eine bedingungslose Energie zu spüren sein, die das Publikum berührt und fesselt. Ehrlichkeit und Hingabe spielen dabei auch eine enorme Rolle! Wenn dieses Gleichgewicht stimmt, entfaltet sich eine magische Atmosphäre in der Halle. Schachmatt! Brent: Die Songs auf unserer Platte „The Sound Of Madness“ sind so intensiv und präzise. Es wäre gar nicht möglich, diese Lieder anders wiederzugeben oder zu spielen. Manche Parts würden ihre Wirkung verlieren. Die Songstrukturen würden zusammenbrechen und die Songs würden nicht mehr funktionieren. Deswegen kann ich mich Barry nur anschließen, es ist beides wichtig, um live zu überzeugen. Das ist und bleibt das Geheimnis einer jeden Show. Habt ihr gewusst oder das Gefühl gehabt, dass euer aktuelles Album „The Sound Of Madness“ so erfolgreich sein wird, wie es letztendlich war? Ich meine Platz 8 der US Charts…. Barry: „Madness“ ist stärker, kräftiger als die beiden Vorgänger! Einzigartig im Ganzen! Man kann die Meinungen der Fans nicht beeinflussen.  Wir haben aber gehofft, dass uns das Album dahin bringt, wo wir jetzt sind.  Zum Beispiel nach Europa. Eurer Meinung nach, welches ist der stärkste Song auf dem Album… Barry und Zach: „Second Chance”! Barry: Es ist der größte Song, den wir bis jetzt geschrieben haben. Die Resonanz der Fans bestätigt uns da auch jedes Mal… Das stimmt. Der Song hat auch eine sehr eingängige Songstruktur, wie viele andere Songs von euch. Könnt ihr ein bisschen über eure Songwriting-Methoden erzählen? Oder „Top Secret“?! (lacht) Barry: 3 Minuten und 30 Sekunden…die magische Zahl für jeden Song!  Unsere Songs kommen direkt vom Herzen, wir können uns in ihnen verlieren. Sie spiegeln unsere Erfahrungen, unsere Gefühle und letztlich uns selbst wider. Unser Geheimrezept! Fans laden diese Songs, eure persönliche Kunst, aus dem Netz, was denkt ihr darüber? Barry: „It sucks but you can’t change it. “ Wie könnte man das ändern bzw. was müsste man an der Musikindustrie ändern? Brent: Meiner Meinung nach müssten sich aus jedem Genre alle Künstler der Welt zu einem „musikalischen Weltstreik“ vereinen. Platten und neue Aufnahmen würden es nicht mehr geben, lediglich die alten Sachen. Neue Songs würden nur noch live gespielt werden, die Fans müssten zu den Shows kommen, um die Songs zu hören. Würden die Fans das realisieren, würde der kleine Computer-Stream nicht mehr existieren. Klar wären Traurigkeit und Enttäuschung Reaktionen der Fans, aber sie würden es verstehen und aufhören Songs runterzuladen, da sie ja sonst nix Neues mehr bekommen würden. Letzten Endes…CRASH! Es würde wieder bei Null losgehen, man bräuchte ein paar Jahre, aber es wäre ein Anfang. Aber auch ein wenig utopisch. (lacht) (alle lachen) Brent: (lacht) Stimmt. Habt vielen Dank! Barry: Absolutly. Brent: I aprreciate it!