IMG_8201 (Large)Gemeinhin bringen Lehrer – und ganz besonders jene, die in Grundschulen tätig sind – den lieben Kleinen so wichtige Dinge wie Rechtschreibung und Kopfrechnen bei und fördern das soziale Bewusstsein der Rasselbande. Für die emotionale Entwicklung spielen dann spätestens mit Einsetzen der Pubertät weniger die Pauker als die jeweiligen Rock- und Pop-Helden eine entscheidende Rolle. In der Person Chris Carrabbas überschneiden sich beide Zuständigkeitsbereiche. Nicht frontal vor der Tafel, sondern ganz individuell und einfühlsam per Kopfhörer diente der ehemalige Lehrer schon der vergangenen Generation pubertierender wie erwachsener Kinder als Mentor für die Orientierung in den Weiten persönlicher Gefühlswelten. Vor deiner Karriere als Musiker warst du Grundschullehrer. Warum hast du dich damals für diesen Beruf entschieden? Genau, das stimmt. Mir lag sehr viel an diesem Beruf, da es mir sehr viel Freude bereitet, kleinen Kindern etwas beizubringen! Der Job als Lehrer hat mir sehr viele Lebenserfahrungen mit auf den Weg gegeben! Auf der anderen Seite habe ich aber auch die Schulferien genossen (lacht). In dieser Zeit war es mir möglich, meiner anderen Leidenschaft, der Musik, nachzugehen. So konnte ich Beides gut kombinieren. Perfekt! CIMG3068-2Eure sehr enge Beziehung zum Publikum und die dadurch entstehende impulsive Atmosphäre sind kennzeichnend für Shows von DASHBOARD CONFESSIONAL. Ist diese Interaktion, zwischen euch und den Zuhörern, vergleichbar mit deiner Unterrichtsführung als Lehrer? Fühlst du dich wohl dabei, im Mittelpunkt zu stehen? In beiden Fällen, wird man mit einer Gruppe von Menschen konfrontiert, die etwas von dir erwarten. Sei es als Lehrer oder als Musiker, du bist eine Bezugsperson. Es ist schwer, in diese Rolle zu schlüpfen und nicht jeder fühlt sich in dieser Situation wohl. Das Ganze ist auch mit einer enormen Nervosität verbunden, die man bändigen muss, aber sobald man das erreicht hat, ist es das Schönste was es gibt! Sei es die Begeisterung für das Vermitteln von Lehrinhalten oder das Motivieren zum Mitsingen von Liedern. In beiden Rollen fühle ich mich sehr wohl und meistere sie mit Hingabe! Während deiner Zeit als Lehrer warst du immer ein Mitglied von Bands wie beispielsweise Further Seems Forever, aber dann hast du dich für das „Ein-Mann-Projekt“,  DASHBOARD CONFESSIONAL, entschieden. Wie kam es dazu? Ich hatte zu jener Zeit viele Songs geschrieben, die für Further Seems Forever keinen Sinn gemacht haben. Die Idee hinter dieser Band ist es, komplex zu sein. Also was die Songstrukturen betrifft. Meine Songs waren jedoch einfach und poppig. Sie hätten nicht zu Further gepasst, aber sie waren zu schade dafür, nicht gehört zu werden. Deshalb habe ich damals DASHBOARD als Nebenprojekt gegründet. Irgendwann bin ich dann bei Further ausgestiegen. Zu der Zeit war aber schon seit langem eine Tour mit DASHBOARD geplant. Ich dachte mir: „Was solls, geh auf Tour und wenn du wieder kommst, suchst du dir ein neues Bandprojekt.“ Aber auf dieser Tour habe ich bemerkt, dass diese Songs und das „Ein-Mann-Projekt“ etwas Besonderes sind! DASHBOARD bekam seitdem meine volle Aufmerksamkeit! IMG_8171 (Large)Im Jahr 2000 begann deine Karriere als Songwriter, hattest du zu diesem Zeitpunkt eine Vorstellung davon, was du alles mit DASHBOARD erreichen würdest oder wie erfolgreich du mit diesem Projekt sein könntest? Ich meine, hast du daran gedacht, dass deine Songs mal die Soundtracks von Blockbustern wie Spiderman oder Jennifer’s Body schmücken könnten? (lacht) Nein, ich hatte keinen blassen Schimmer! Wirklich nicht! Ganz im Gegenteil! Mich interessierte damals nicht, was in naher Zukunft liegen würde. Für mich zählte nur das Hier und Jetzt. Ich konzentrierte mich nur auf diese Songs, es war mir nicht wichtig, den Erfolg einzuschätzen oder darüber zu urteilen. Mir ging es nur darum, Musik zu machen. Songs zu schreiben, mit denen ich mich identifizieren konnte. Ganz ehrlich, was den Erfolg angeht, ich war sehr überrascht und das bin ich heute noch! Inwiefern hat der Erfolg, den du über die Jahre hattest, dein Leben beeinflusst oder verändert? Oh, das ist eine schwere Frage. Vielleicht könnte man es so beschreiben…live versuchen wir unseren Fans wirklich sehr viel von uns mitzugeben. Wir sind sehr offen und wollen, dass das Publikum einen Eindruck von unserer Persönlichkeit bekommt. Allgemein sind wir aber in der Öffentlichkeit sehr zurückhaltend. Du siehst von uns selten Fotos in Magazinen oder Werbebannern, die eine Starbucksfiliale verzieren. Was das angeht sind wir wirklich sehr konservativ. Alles in allem hat der Ruhm zwar eine enorm positive Auswirkung auf DASHBOARD als Band gehabt, für die wir auch sehr dankbar sind, aber andererseits wurde unser Leben dadurch auch verrückter… Lass uns über die aktuelle Platte „Alter the Ending“ sprechen. Ich habe in mehreren Zeitungen Kritiken gelesen, laut denen „Alter the Ending“ vom Aufbau und den Songs in drei EP's eingeteilt werden kann. Was hältst du davon? Du meinst wie drei Akte? Ja, das macht Sinn. Bei der Platte handelt es sich nicht direkt um eine Konzept-CD. Es gibt keinen kompletten Handlungsfaden, der sich durch die Platte zieht. Viel eher sind es drei bis vier Handlungsstränge, die dieses Werk formen. Deswegen waren es doch gute Kritiken, sie treffen auf jeden Fall zu! Puh, Glück gehabt! (lacht) Könntest du uns weitere Einsichten in den Entstehungsprozess geben? CIMG3065 (Medium)Klar! Viel Zeit ist für die Aufnahmen dieser CD vergangen, insgesamt zwei Jahre!!! Aber es hat sich gelohnt, jeden Tag aufzustehen, im Studio zu sein und an den Songs zu arbeiten. Jeder Tag war unglaublich! Wir haben trotz harter Arbeit nicht aufgehört, bis zum Ende haben wir durchgehalten. Voilà, hier ist sie! (lacht) Gewöhnlich schreibe ich alle Songs und habe eine exakte Vorstellung davon, wie sie sich auf der zukünftigen Cd entfalten werden. Klang, Struktur usw. alles in meinem Kopf. Bei „Alter the Ending“ war das anders. Dieses Mal habe ich zwar auch die Songs geschrieben, hatte aber kein Bild davon, wie die Platte an sich wirken sollte. Zu der Entstehung von Songs im Allgemeinen…ich kann am besten Lieder schreiben, wenn ich alleine bin und es komplett ruhig um mich herum ist, dann schaue ich aus dem Fenster und es kommt alles von alleine. (lacht) Ähnlich war es jetzt auch wieder bei den neuen Songs. Auf dem aktuellen Plattencover sieht man die komplette Band. Das ist ziemlich neu! Normalerweise verbindet man mit DASHBOARD nur dich als einzelne Person. Soll DASHBOARD fortan als komplette Band gesehen werden? Symbolisiert das Cover einen Neuanfang? IMG_8307 (Large)Da hast du Recht! Deswegen haben wir uns für dieses Bild entschieden. Wir spielen alle schon sehr lange zusammen, seit „A Mark, a Mission…“. Aber es war damals ein anderes Zusammenspiel. Über die Zeit hinweg hat sich unsere Konstellation verändert. Wie ich es vorher erklärt habe, war ich derjenige, der immer die Songs geschrieben hat und so wurden sie dann auch live und auf Platte direkt umgesetzt. Jetzt schreibe ich zwar immer noch die Songs, aber sozusagen nur die Rohversionen. Alle anderen können dann ihren Teil dazu beitragen oder ihre Meinungen einfließen lassen. Man hört auf „Alter the Ending“ nun vier Persönlichkeiten, das ist neu. Wir waren schon immer eine Band, aber über die Jahre sind wir alle mehr und mehr zusammengewachsen. Wir sind eine stärkere Einheit geworden. Und genau das, wollen wir mit diesem Bild aussagen. Es fühlt sich an (überlegt)…Es fühlt sich an, wie ein Neuanfang! Was können wir von eurem Neuanfang in diesem Jahr noch erwarten? Eine Menge mehr Shows! Wir wollen „live“  in Deutschland deutlich aktiver werden und kommen auf jeden Fall bald wieder. Aber erst mal genießen wir die anstehende Show heute Abend! In ein paar Wochen seit ihr ja auch schon im Vorprogramm von Bon Jovi unterwegs… Genau, die Tour geht quer durch die Staaten und dauert ungefähr zweieinhalb Monate. Meinst du, ihr könnt noch viel von dieser Tour an Erfahrungen mitnehmen? Ganz bestimmt! Die Tour wird uns zwar nicht verändern, aber wir können noch eine Menge beispielsweise von Bon Jovi lernen. Genau so war es, als wir mit U2 unterwegs waren. Beide haben diese Art und Weise auf die Bühne zu gehen, diese Selbstverständlichkeit sich zu Präsentieren und die Menschen in ihren Bann zu ziehen, die auch noch so weit von der Bühne entfernt stehen. Ich denke, Jon und Bono wären gute Lehrer gewesen! (lacht) (Live-Fotos vom anschließenden Gig im Docks von GH, Interview- und Soundcheck-Foto von Zosse)