DIORAMIC – Interview

dioramic-bandDas Jahr 2010 beginnt ja schon mal äußerst viel versprechend – zumindest musikalisch gesehen. Lifeforce Records haben sich mit DIORAMIC eine der talentiertesten und innovativsten Bands Deutschlands ins Boot geholt. Im Januar ist nun ihr Debüt „Technicolor“ erschienen und man kann gespannt sein, wie die Geschichte der drei jungen Herren aus Kaiserslautern weitergeht. Warum es nach der Gründung 2002 so lange gedauert hat bis man auf DIORAMIC aufmerksam geworden ist und was DIORAMIC eigentlich bedeutet, könnt ihr im nachfolgenden Interview lesen.

Könntet Ihr euch erst kurz vorstellen (Name, Alter, Instrument usw.)?

Jochen Müller, 21, Bass und Vocals
Arkadi Zaslavski, 23, Gitarre und Vocals
Anton Zaslavski, 20, Drums

Wir kommen alle aus Kaiserslautern und haben die Band DIORAMIC 2002 gegründet.

Ich habe im Internet über diverse Fremdwörterbücher versucht herauszubekommen, was DIORAMIC bedeutet – und ehrlich gesagt bin ich nicht wirklich fündig geworden. Könnt ihr mir da weiterhelfen?

„Dioramic“ ist das Adjektiv zu dem Wort „Diorama“, das wörtlich übersetzt so viel wie „Ich sehe hindurch“ bedeutet. Als „Dioramen“ werden daher spezielle Schaukästen bezeichnet, in denen Modellfiguren oder -landschaften dargestellt sind. Das Ganze ist sehr vergleichbar mit einer Band auf der Bühne. Während früher also z.B. noch Krippendarstellungen als ziemlich coole Dioramen galten, haben wir den Begriff für das moderne Live-Konzert umgedeutet. Die Konzertbühne ist für uns das neue Diorama und weil wir auf ihr stehen, sind wir „Dioramic“.

DIORAMIC wurden 2002 ins Leben gerufen. Das ist schon ‘ne ganze Weile her. Was sind die Gründe dafür, dass die Musikwelt erst jetzt auf euch aufmerksam geworden ist? Und wie ist es zur Zusammenarbeit mit Lifeforce Records gekommen?

Ich weiß es nicht genau. Ich vermute, dass wir einige Sachen einfach falsch angegangen sind. Zudem hatten Anton und ich bis 2009, bzw. 2008, noch die Schule zu besuchen. Dann folgten Zivildienst, etc. Es kam uns eben auch viel dazwischen. Wir kamen oft an Leute, die uns nicht wirklich weiterhalfen, denen wir aber vertrauten. Ich denke, wir konnten einfach nicht das Gefühl vermitteln, die Sache wirklich professionell angehen zu können. Das soll sich jetzt aber endlich ändern, denn wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Es hat ja dann auch mit Lifeforce endlich geklappt. Wir waren seit 2006, nachdem wir eine Promo mit neuen Songs an Lifeforce schickten und unsere Freunde von Fear My Thoughts sich für uns bei Lifeforce einsetzten, in Kontakt mit dem Label. Damals kam dann aber ein anderes Angebot dazwischen, das sich im Nachhinein als Fehler entpuppen sollte. War From A Harlots Mouth haben sich schließlich auch für uns eingesetzt und nach der Aufnahme mit Kurt hat sich dann doch eine Zusammenarbeit mit Lifeforce ergeben. Wir hatten also das Album schon fertig aufgenommen, als wir bei Lifeforce unterschrieben.

Mit „Technicolor“ bringt ihr eure erste Platte via Lifeforce raus. Gab es schon vorher Releases von euch? Wie kam es zur Namensgebung der CD?

Ja, es gab bereits einige EPs und ein komplettes Album. Das wurde aber alles nur regional vertrieben. “Technicolor” ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit der Entwicklung von Farbfilmen steht. Da wir alle große Filmfans sind, hatte es für uns einen gewissen Reiz, einen Terminus aus der Filmsprache als Titel für unser Album zu wählen. Das bringt eine visuelle Assoziation mit in die Musik.
Zweitens hat der Begriff für uns aber auch eine Bedeutung unabhängig der geläufigen. Die beiden Worte „Technic“ und „Color“ lösen für sich gesehen ganz unterschiedliche Impressionen aus. Während man sich unter „Technic“ eher etwas Kühles, Steriles und Maschinelles vorstellt, verbindet „Color“ in sich Eigenschaften wie Farbenvielfalt und Lebendigkeit. Die Zusammenführung dieser sich kontrastierenden Begriffe gefiel uns besonders, da wir der Meinung sind, dass auch unsere Musik von dem Widerspruch aus „Technic“ (z.B. die technischen Aspekte auf den Instrumenten)  und „Color“ (z.B. die Dynamik und Harmonik der Kompositionen) lebt. Arkadi wurde irgendwann auf den Begriff aufmerksam und wir alle waren begeistert von der Idee.

Habt Ihr für „Technicolor“ neue Songs kreiert oder aus dem bestehenden Arsenal das Beste herausgepickt?

Wir haben dafür neue Songs geschrieben. Das hat relativ lange gedauert, die Songs wurden geschrieben zwischen 2005 und 2008. Wir hatten eben alle noch viel in der Schule zu tun.

Auf eurer Myspace-Seite ist folgende Aussage zu finden: „Nach einem langen und beschwerlichen Weg fand man schließlich mit Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Donots) einen Produzenten, der das Potenzial der Songs soundtechnisch auszuschöpfen wusste.” Was macht die Arbeit von Kurt Ebelhäuser anders oder besser? Könnt ihr noch etwas zum Entstehungsprozess von „Technicolor“ sagen?

dioramic-band2Was seine Arbeit besonders macht ist, dass er selbst ein sehr guter Musiker ist und daher auch ein großes musikalisches Verständnis hat. Er ist definitiv einer, dem der künstlerische Aspekt viel wichtiger ist als alles andere. Zudem ist er ein lockerer Typ, mit dem man sich super versteht. “Technicolor” wurde innerhalb von etwa 15 Tagen aufgenommen. Es wurde im Anschluss von Kurt gemischt, jedoch waren wir alle nicht sehr zufrieden damit. Wir hatten extremen Zeitdruck, weil das Album schon 2008 veröffentlicht werden sollte. Als wir wussten, dass das nichts werden würde, hat Kurt das Album nochmal gemischt und sowohl uns als auch sich selbst zufrieden gestellt. Auch ihm hat wohl der Zeitdruck Schwierigkeiten gemacht. Jetzt ist aber alles gut und jeder ist glücklich.

Als ich Euch zum ersten Mal gehört hab, ist mir glatt die Kinnlade herunter geschossen und da ist sie auch zunächst geblieben. So eine überwältigende Mischung hab ich zuvor noch nie gehört. Aggression und Emotion in perfekter Ausgewogenheit. Um die Einordnung in ein neu erfundenes Genre werden sich sicherlich bald andere kümmern. Wie würdet Ihr selber eure Musik bezeichnen? Was ist eure Inspiration?

Wir hatten ja einst den Begriff „Art-Core“ erfunden, um eingeweihten einen etwaigen Eindruck von dem zu geben, was wir machen. Heute ist es mir wirklich egal, wie man uns bezeichnet und demnach machen wir uns auch keine Gedanken um Genres. Ich denke die Musik selbst hat uns inspiriert. Wir sind alle damit aufgewachsen. Arkadi und Anton aktiv beim Musizieren, ich passiv beim Musik hören. Die Faszination für Musik treibt einen an und motiviert einen, noch mehr Musik zu machen. Dann entdeckt man irgendwann, welche Kunstfertigkeit man in Klänge einflechten kann und man möchte ausprobieren und sich immer wieder übertreffen. Eine weitere Inspirationsquelle sind Filme. Die Bilder aus den Filmen dienen oft als Grundlage unserer Texte und haben wiederum einen gewissen Einfluss auf die Wirkung der Musik.

Der Gesang von ‚Black Screen Goodbye’ hat mich im ersten Augenblick an Muse erinnert. Wer beeinflusst euch melodisch denn noch so? Welche Bands hört Ihr privat?

Melodisch sind wir mit dem Muse-Vergleich zufrieden. Die machen eben auch klassische Melodien und behandeln die Stimme wie ein zusätzliches Instrument. Ähnlich machen das auch Radiohead und Jeff Buckley. Privat hören wir ziemlich alles, von Rachmaninoff und Debussy über Bohren Und Der Club Of Gore und das Avishai Cohen Trio bis hin zu Radiohead und Ulver, Satyricon und Shining. Arkadi und Anton wuchsen mit Art-Rock wie King Crimson, Genesis und Yes auf. Heute hört Arkadi sehr viel Rachmaninoff, Scriabin und Chopin und Anton macht und hört fast ausschließlich House und Electro.

Natürlich würde ich dann auch gerne wissen, wo die musikalisch gesehen, aggressivere Seite von Euch herrührt? Gibt es da spezielle Bands?

Ich habe früher viel Black- und Death Metal gehört, Arkadi und Anton haben auch irgendwann angefangen, Metal-Bands zu hören. Da haben wir bestimmt auch einige Einflüsse her. Genauso aus dem PostHardcore Bereich. Poison The Well oder Meshuggah zum Beispiel. Aber das waren echt extrem viele Bands.

Was hat sich für Euch verändert, seit dem Lifeforce Records an eurer Seite sind? Was habt Ihr denn vor dem Plattendeal getrieben?

Es hat sich schon einiges geändert. Wir haben viele Konzerte bekommen und ständig schneien Interviews rein, was für ein gewisses öffentliches Interesse steht. Vor dem Deal haben wir uns natürlich darum bemüht, einen Deal zu bekommen. Das ist schon hart, hat ja aber glücklicherweise dann noch geklappt. Lifeforce arbeiten gut, wir sind bisher sehr zufrieden damit.

Wir sind ja noch am Anfang des Jahres 2010. Was sind eure Vorstellungen und Ziele in diesem Jahr?

Wir werden versuchen, so viele Konzerte wie möglich zu spielen und wir werden in unserem Tonstudio noch einiges zu tun haben, da werden bestimmt noch Aufträge reinschneien. Außerdem werden wir uns vielleicht schonmal mit dem Plan für die nächste Platte befassen, die Songs dafür sind schon fertig. Und wir freuen uns über Steuererklärungen und Umsatzsteuer-Voranmeldungen. Ein Hoch auf unser Steuersystem!

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