wirtzstudioWarum Musik manchmal Arzt und Tagebuch in einem ist. Wieso man, bevor mit dem Finger auf andere gezeigt wird, erst einmal bei sich selbst mit der Veränderung anfangen sollte. Weshalb man lieber für seine Offenheit und Ehrlichkeit auf die Schnauze kriegt, als scheinheilig lügend in sämtliche Rektalöffnungen kriecht. Und wie man dadurch die Welt und sein Umfeld ein kleines bisschen verbessern kann. Der sympathisch, charismatische Daniel WIRTZ im Gespräch. Daniel, in deinen Liedern besingst du alltägliche Vorkommnisse und greifst dabei geschickt auf die verschiedensten Ängste und Gefühls-Facetten zurück. Wie kam es, dass du dich dafür entschieden hast, solche Musik zu machen? Es war keine Entscheidung, es hat sich einfach so entwickelt, weil immer mehr Leute mir dazu geraten haben, mein Ding musikalisch durchzuziehen. Es musste einfach alles aus mir raus, bevor es Krebs wird. Ich habe mich mit 30 Jahren vor einen Spiegel gestellt und mich selbst gefragt, wo ich eigentlich hin will, wo ich jetzt stehe und was ich bisher erreicht habe, und musste feststellen, dass da nicht viel bei zusammen kommt. Daraufhin habe ich dann meine eigene Plattenfirma aus der Taufe gehoben, weil ich vorher 10 Jahre lang nur schlechte Erfahrungen mit den großen Plattenlabels gemacht habe. Meine Musik ist eine Art der Selbstheilung für mich. Ich mache das also hauptsächlich aus dem Antrieb, mich selbst etwas besser zu machen. Für deine Musik und Konzerte musst du viel Zeit, Kraft und Energie aufbringen und dafür anderes auf der Strecke lassen. Was treibt dich immer wieder erneut voran? Das ist wahr, so ein eigenes Plattenlabel ist ein 24 Stunden Job. Wenn ich gerade mal nicht arbeite, schlafe ich oder bin scheißen. Doch meine Leute, ich hasse das Wort Fans, denn es hat dieses Fanatische in sich, treiben mich immer wieder voran und verlangen etwas Neues von mir. Wer darf dich in deinem Lied 'L.M.A.A' denn eigentlich genau am Arsch lecken? (lacht) Da gibt es genügend Menschen. Sämtliche Landeskritiker und die ganzen Spasten, die dich für das, was du tust, persönlich angreifen und beleidigen. Ich mein, habe ich deren Mutter gefickt? Welchen Grund gibt es denn, mich persönlich anzugreifen? Ich kann damit leben, wenn du mir sagst, deine Musik ist nicht mein Fall, oder der Sound geht komplett an mir vorbei. Doch welchen Grund gibt es, mich persönlich anzugreifen? Das ist doch dann nur purer Penisneid! In deinem Song 'Meilenweit' besingst du Alkoholismus, häuslichen Missbrauch und Drogenprostitution. In 'Kugel Kopf & eins im Sinn' singst du über die letzten Sekunden vor einem Kopfschuss. Wurdest du selbst einmal mit solchen Themen konfrontiert, liegen dir dazu Erfahrungsberichte vor, oder spiegelst du in solchen Texten einfach die alltägliche Scheiße um dich herum? Wirtz_Promo_ErdlingDas definitiv. Ich meine, ich wohne in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs und da siehst du so etwas, wie ich es in 'Meilenweit' besinge, jeden tag. Zu 'Kugel Kopf & eins im Sinn': Ich denke, dass wir alle schon einmal einen uns nahe stehenden Menschen verloren haben, oder mit ansehen mussten, wie er sich selbst hinrichtet. Es muss eben einfach auch einmal so etwas ausgesprochen werden und diese Themen sollten nicht immer nur verschwiegen werden. Das heißt allerdings nicht, dass ich mich morgen hinsetze und mir die Rübe wegblase, dazu bin ich viel zu feige. Wenn du das tun würdest wärst du feige! (lacht) Oder so ja, ich bin zu mutig dafür. Vielen Dank! Wie stehst du selbst zu dem Thema Alkohol? Ich musste mir vor kurzem selbst eingestehen, dass ich ein Alkoholproblem habe und habe mir jetzt vorgenommen, dass zu kontrollieren und vor allem zu reduzieren. Allerdings brauch ich hin und wieder einfach ein Bier oder so, bevor ich mich an Texte setze. Es fördert einfach in gewisser Hinsicht die Kreativität. Weil man den Alltag und das Umfeld einfach ein wenig ausblenden kann. (Aus dem Hintergrund ertönt ein "Eieiei" von dem Bassisten) (lacht) Und hör dir die Chaoten doch an, da brauchst du ab und an einfach ein wenig Stoff! Wie sieht für dich das 'Nada Brahma' aus? Ist es der Platz der Musiklegenden? Na ja, 'Nada Brahma' bedeutet ja, dass die Welt aus Klang besteht. Und da fühl' ich mich als Musiker natürlich sehr wohl. Dass alles aus Klang entsteht und alles in Klang fließt, ist einfach eine geile Vorstellung. Und ganz klar „zwischen Hendrix und Nirvana“ wäre natürlich ein Traum. Wie wird dein Leben nach Beendigung der Tour aussehen? Geht 's gleich zurück ins Studio? Auf jeden Fall. Gedanklich sitz' ich schon an der nächsten Platte und 2011 wird’s auch WIRTZ 3 geben. (lacht) Vor der Tour ist nach der Tour. Und nach der Tour ist vor dem Album. Zudem wird am 26.03. meine DVD "WIRTZ - Live in Frankfurt", erscheinen. Gibt es bei dir ein besonderes Ritual, welches du immer durchführst, bevor du da jetzt gleich raus gehst und die Bühne rockst? Ja, einen dicken Vodka kippen. Und ab und an machen wir vor dem Gig auch noch immer einen kleinen Wettbewerb, wer am meisten Liegestütze oder Klimmzüge machen kann. Und man guckt sich natürlich, bevor man auf die Bühne geht, tief in die Augen und wünscht sich einen fetten Auftritt und Spaß dabei. Brennt dir sonst noch etwas auf der Seele? Auf jeden Fall. Bei der Gelegenheit will ich mich unbedingt noch bei all meinen Leuten bedanken, die bisher auf meinen Konzerten waren und diese Tour so einzigartig und außergewöhnlich haben werden lassen. Fetten Dank an euch alle!