karnivool2Am 07.03.2010 spielten unsere momentanen Lieblings-Australier von KARNIVOOL einen gefeierten und proppevollen Gig im Hamburger Logo. Intensiver und Gänsehaut-fördernder als auf ihrem neuen Album „Sound Awake“ (wenn das überhaupt möglich ist), aber die fünf Ausnahme-Musiker haben dieses Projekt großartig gemeistert. So großartig, dass wir der Band noch einen Fragenkatalog per E-Mail hinterherschickten, den die Jungs in Persona Hoss zwar recht spät, aber immerhin zurückschickten! Gut, ich habe auch ein wenig gebraucht um das Ding zu übersetzen (Danke noch mal an Hiko für die Unterstützung beim Fragenkatalog stricken), deswegen prangt in der Überschrift auch „März / April“, haha! Vorhang auf für DIE Neo-Prog Band der Stunde, die sogar Tool gefährlich werden könnte! Was war das Haupt-Interesse, eine Band zu gründen? Wie man lesen kann, habt ihr als eine Art Cover-Band begonnen, die Carcass und Nirvana im Repertoire hatte. Eine wilde Mixtur. Ich persönlich bin vor sechs Jahren an Bord gekommen, lange nachdem die Band gegründet wurde. Aber ich kann Dir von meiner Warte aus sagen, dass ein unstillbarer Hunger die Band antrieb, ein Album zusammenzustellen, welches repräsentierte, was sie (wir) in der Musik lieben, die Dinge, die uns als Menschen / Musiker am meisten inspirieren und etwas zum Gemisch zu addieren, was von uns kommt und genau das durch unsere Musik zu vermitteln. Ja, die Band wurde ursprünglich geformt durch Kennys Carcass- und Drews Nirvana-Einflüsse, aber ich denke, wir sind seitdem einen langen Weg gegangen. Was bedeutet es für Euch, Cover-Songs und Eure eigenen zu spielen. Cover-Songs sind eine Herausforderung. Du musst etwas hinzufügen, was sie im Original nicht haben und zur gleichen Zeit dem Original treu bleiben. Wir mögen es nicht wirklich, Cover-Songs zu spielen, um ehrlich zu sein. Die Handvoll, die wir gemacht haben, haben wir gemacht, um uns selbst zu fordern, oder um die Leute zu ehren, die sie geschrieben haben. Was heißt es, unsere eigene Musik zu spielen? Es ist bei jedem Auftritt eine Herausforderung und wir lieben es, die Songs zu verändern und zu manipulieren, selbst nach der Aufnahme, um andauernd zu versuchen, das Beste aus den Songs herauszuholen. Ich denke, das ist wichtig. Gibt es eine spezielle Bedeutung oder einen bestimmten Grund für den Bandnamen KARNIVOOL? Der Bandname kam von den Gründungsmitgliedern und blieb seitdem einfach bestehen. Es ist ein kindlicher Name von einer früheren Band, aber aus irgendeinem Grund wurde er beibehalten. Wir können uns nicht vorstellen, die Band hätte irgendeinen anderen Namen. Er ist es einfach! Was ist der Unterschied zwischen Touren in Australien, den USA und Europa? karnivool3Für uns sind sie alle verschiedene Paare von Schuhen. Ich meine, Australien ist für uns jetzt ziemlich gut etabliert und wir können große Produktionen in großen Örtlichkeiten fahren, die Show dementsprechend konstant ändern und sie so groß machen, wie wir können. Die USA und Europa sind für uns das, was Australien vor vier Jahren war. Anspruchsvolle Räumlichkeiten, in denen wir beim Auftritt unser Bestes geben und jede einzelne Person im Raum für uns gewinnen müssen. Beide Shows sind eine aufregende Herausforderung und sehr unterschiedlich, aber im Kern sind sie gleich. Wie habt ihr den KARNIVOOL-Sound entwickelt? War es euer Konzept, diese Art von Prog-Rock-Sound zu spielen, oder entstand er aus einer Art von Jammen? Wir reden bewusst über die Richtung, die die Band nimmt, bzw. nehmen soll und was wir mit Musik machen wollen, aber wir haben keinen Stil ausgewählt, er entstand aus dem, wer wir sind und was wir insgesamt an Musik lieben. Wir können uns keine andere Richtung vorstellen, ich denke darüber hinaus auch nicht, dass wir es in anderer Weise machen könnten. Es ist einfach das, was wir sind und was wir tun. Was kannst du persönlich zur Musik auf „Sound Awake“ und „Themata“ sagen? Wenn du jeweils nur einen einzigen Song von beiden Alben wählen könntest, die die Alben am Besten beschreiben würden, welche wären das dann? Ich würde persönlich sagen 'Synops' von „Themata“ und 'Change' von „Sound Awake“. Beide Stücke haben auf mich eine große emotionale Auswirkung und helfen mir, exakt zu visualisieren, was es war, was wir mit dem entsprechenden Album machen wollten. Weiterhin geben sie mir den richtigen Sinn für die Bewältigung, ebenso wie sie den Erfolg für jedes Album und den Song reflektieren, der genau so geworden ist, wie wir wollten und es durch harte Anstrengung und Arbeit auch wurde. Was war der Unterschied zwischen dem Prozess des Songwritings und der Aufnahmen zwischen „Themata“ und nun „Sound Awake“? „Themata“ wurde in Stücken und Stufen geschrieben, rückwirkend betrachtet fehlte es an einem gewissen Maß an Gemeinsamkeiten. Zwar wie eine Gruppe aus guten Teilen, aber ohne gemeinsames Ziel. Wir arbeiteten uns durch und brachten es zusammen, wobei „Sound Awake“ von Anfang an eine Blaupause war, im Grundkonstrukt eine Geschichte, etwas Geplantes, ständig Entwickeltes und als Gruppe Komplettiertes. Etwas, worauf wir sehr stolz sind. cover-karnivool-soundWas kannst du generell über das Cover-Motiv und das Artwork auf „Sound Awake“ sagen? Wie seid ihr mit der Wissenschaft der „Kymatik“ in Berührung gekommen? Auf „Kymatik“ wurden wir durch Freunde und das Internet gebracht. Als wir sie entdeckten, war es so offensichtlich, dass sie ein Teil von dem war, was wir vernehmlich machen. Das Artwork ist um das Auge (Fenster der Seele, etc.) und seine Beziehung zu Vibrationen und Audio herum angelegt. Es klingt schräg, visuelle Rezeptoren und Ton-Einflüsse zu mischen, aber es hallte bei uns nach, so dass wir dabei blieben. Wie denkst du über die Vergleiche mit Bands wie Tool und Dredg? Gibt es irgendwelche Ambitionen in Richtung oder Einflüsse durch ihren Sound? Wir gehen konform mit den Vergleichen in Richtung solcher Bands. Wir haben nie bewusst oder absichtlich versucht, jemanden zu imitieren oder zu „vervielfältigen“, aber wenn du mit einer Band verglichen wirst, die du respektierst und bewunderst, kannst du es nur in einer bestimmten Richtung aufnehmen, nämlich als Kompliment. Wir lieben es, was sie beide mit Musik tun, aber sie sind „nur“ zwei Einfluss-Zweige an einem wirklich großen Baum. Was ist deine persönliche Bedeutung für die Titel „Sound Awake“ und „Themata“? Wie bekommt ihr die Titel zu euren Alben? „Sound Awake“ war ein Titel, über den wir lange nachgedacht haben, der letztendlich aber von jedem abgenickt wurde. Wir wollten etwas, dass eine aufgeschlossene Annäherung von Musik und Kymatik bindet. Am Ende machte der Titel am meisten Sinn und klang am Besten. „Themata“ kommt aus dem Griechischen („Thema“), ein allumfassender Titel, der gut beschreibt, was wir mit „Themata“ ausdrücken wollten. Wie fühlt es sich an, mit dem zweiten Album in Deutschland zu touren? Leider wissen nicht alle, dass es euer zweites ist, weil das erste bei uns nur via Import zu bekommen ist und ihr es leider auch nicht bei eurem Merch dabei hattet. Viele Leute haben gehofft, ihr hättet es dabei. Ja, es ist komisch, „Sound Awake“ als erstes Album betrachtet zu wissen, vor allem, wenn man für „Themata“ so lange durch Australien und Amerika getourt ist, aber auf eine bestimmte Weise ist es aufregend, weil Europa so zu sehen bekommt, wo wir jetzt stehen und nicht, wo wir gestern waren. Das ist etwas, was nicht viele Leute können. Wir sind jetzt schon aufgeregt bzgl. des nächsten Albums, somit ist es für uns eine frische Annäherung. In Australien seid ihr um einiges größer und bekannter als hier in Deutschland, oder in Europa. Wie denkst du über diesen Umstand. In eurem Land spielt ihr größere Clubs und auf Festivals in höheren Rängen. Wie fühlt es sich daher an, wie hier wieder kleine Clubs zu spielen, mit wenigen Leuten, die euer Material kennen? karnivool4Es ist fantastisch! Es ist das, wozu alle Künstler irgendwo auf dem Globus imstande sein sollten, egal, wie groß und erfolgreich sie werden. Es ist bescheiden und herausfordernd, wir lieben beide Arten von Örtlichkeiten, große oder kleine Shows sind auf ihre eigene Art fesselnd. Wir lieben Europa, weil es für uns das ist, was Australien vor vier Jahren war. Das heißt, wir müssen uns anstrengen, damit das Publikum uns mag, uns selbst bemühen, härter zu spielen. In Australien können wir die Show ausbauen und alle Dinge einbeziehen, von denen wir geträumt haben, so haben wir das Beste aus beiden Welten vereint, denke ich. Welche Art von Filmen mögt ihr? Und für welche Art von Filmen würdest du gerne einen kompletten Soundtrack komponieren, wenn du die Möglichkeit dazu hättest? Es kann ein bereits existierender Film sein, oder ein Film, den du selbst machen würdest. Ich würde es lieben, einen Soundtrack für einen Film im Stile von Flash Gordon oder Highlander zu machen, wie Queen. Ich könnte unsere Musik in einem David Lynch-mäßigen Film sehen, oder in etwas Verdrehtem, den Plot betreffend. Die Klangfarben unserer Musik würden bei so etwas einen großartigen Job abliefern und hoffentlich haben wir in der Zukunft die Chance, so etwas zu machen. Welche Art von Kunst ist wichtig für dich? Wir alle lieben viele unterschiedliche Künste oder ästhetische Dinge. Musik ist es, was uns zusammen bringt, aber außerhalb der Band haben wir unsere speziellen Vorlieben für verschiedene Dinge. Filme, 2D-Kunst, Skulpturen. Es gibt so viele Wege, sich selbst auszudrücken. Ich denke, Regisseure wollen immer Musiker sein und umgekehrt, oder vielleicht ist das auch nur meine Meinung. Das Medium ist nur ein Weg, die Bedeutung zu vermitteln, egal welches Feld du beackerst. Wenn du Duette machen könntest, wer würde zu deinen Traumpartnern gehören, mit denen du spielen / singen würdest? Bitte nenne einen weiblichen oder einen männlichen Part, oder auch mehr. Du kannst auch verstorbene Personen wählen. Da gibt es zu viele, um sie alle aufzuzählen. Ich würde in aller Kürze sagen: Jimi Hendrix, Tom Yorke, Tori Amos und Edith Piaf!! Was können wir in 2010 erwarten? Gibt es irgendwelche Pläne oder guten Vorsätze? Was sind eure Wünsche oder Visionen mit KARNIVOOL? Wir haben viele Visionen für KARNIVOOL, im Moment sind durch Touren und Songwriting die meisten in der Warteschleife. Es ist ein sehr arbeitsreiches Jahr für uns, wir sind weit davon entfernt, uns zu beklagen, aber es ist aufregend, wieder etwas Zeit zu Hause im Studio zu verbringen, um am dritten Album zu arbeiten. Wir fühlen, dass wir noch viel anzubieten und noch viel Musik in uns haben.