(Arctic Rodeo Recordings) Ein dreifaches und lautstarkes „Juchuuuu“!!! Ich hätte nicht gedacht, von dieser Band noch mal etwas Neues zu vernehmen! Nach zwölf Jahren ohne aktuelle Outputs, nur mit der Erinnerung an damalige Großtaten, die aber durch den Wust an neuen und spannenden Veröffentlichungen in dieser langen Zeit schon eher in der „Helden und Innovatoren“-Nische des Großhirns zu verglimmen drohte, zünden FAR mit ihrem Drittwerk ein Buschfeuer und rufen sich kraftvoll in Erinnerung. Bei Jonah Matranga sollten jedem Oldschool-Emo-Anhänger vor Freude die Ohren klingeln. In Zeiten, in denen der Begriff „Emo“ noch für Bands wie Jimmy Eat World (die FAR wie so viele andere Bands in Interviews immer als Einfluss benannten) und Sunny Day Real Estate stand, veröffentlichten FAR 1998 ihr „Water & Solutions“ mit dem die Band in der Szene große Erfolge feierte. Sie waren ihrer Zeit weit voraus, hatten Elemente in ihrem Sound, der in seiner Gesamtheit erst später neue Genres benennen sollte. Der auf „Water & Solutions“ enthaltene Track ‚Mother Mary’ darf auch heute noch auf keiner gut sortierten Alternative-Sause fehlen. Ein Jahr später trennte sich die Band bereits wieder. Matranga verdingte sich bei New End Original, Onelinedrawing und Gratitude, Gitarrist Shaun Lopez gründete The Revolution Smile und produzierte unter anderem Will Haven. 2009 reunierten sich FAR wieder. Das Ergebnis ist das erstaunliche „At Night We Live“. far-bandSeit Helmet habe ich keine Gitarre mehr gehört, die mich so packt, wie die wuchtige Klampfe, die ‚Defeaning’, den Opener, einläutet. Spätestens hier wird überdeutlich. Shaun Lopez ist zurück! ‚If You Cared Enough’ lässt Schauer über den Rücken laufen und zündet als Spontan-Ohrwurm. ‚When I Could See’ überrascht zwar mit Dredg-Gitarre, ist mir aber zu ereignislos geraten. Dafür trumpft ‚Give Me A Reason’ dann wieder umso stärker auf. Der Einstieg könnte auch von Jimmy Eat World stammen, die zusammen mit Helmet jammen. Darauf folgt ‚Dear Enemy’, ein Riff-Feuerwerk, welches im Refrain hypnotische Wirkung entfaltet und den Song als Gänsehaut-Stück Nummero Zwei als Dauer-Repeat durch meine Boxen sausen lässt. ‚At Night We Live’ ist einfach eine herzzerreißende Hymne und entfaltet die Nähe zu den befreundeten und aus der gleichen Szene stammenden Deftones, denn der Song handelt von Chi Cheng, dem Bassisten der Band, der seit einem Autounfall im Koma liegt. Im Stück‚Fight Song #16,233,241’ bedient sich die Band zwar der gleichen Idee, wie die 30 Seconds To Mars, aber für einen Scream-A-Long-Gesang dutzende Fans von überall auf der Welt aufzunehmen, ist immer ein schöner Zug und klingt zudem knorke! 😉 FAR 2010! Erstens: Wenn Emo-Rock, dann so und nicht anders! Zweitens: Gekommen, um zu bleiben! Hoffentlich! Album-VÖ: 28.05.2010