Montagabend 19 Uhr in Kreuzberg am SO36. Es ist Einlass zu einem von vier ALKALINE TRIO-Konzerten in Deutschland und kaum jemand ist da. Matt Skiba, perfekt getarnt mit Piratenaugenklappe kann sich unbeobachtet vom Bus entfernen und auch um Drummer Derek Grant scheint sich niemand zu kümmern. Was zunächst wie ein Statement zur Band aussah – gemäß der „Früher waren sie besser, dann sind sie kommerziell geworden“- Haltung, die immer wieder von Fans eingenommen wird, entpuppte sich schnell als Fehler auf den Tickets und um 21.15 als ALKALINE TRIO mit ‚This Addiction’ ihr Set begannen, war der Club recht gut gefüllt. Es sei noch schnell erwähnt, dass der Support Three Chord Society nicht so übel war, wie man vorher verbreitet hatte. Die Bad Segeberger brachten allerdings nur 08/15-Pop Punk und sprachen nicht mal den Namen der Hauptband richtig aus; man kann aber sagen, dass ihre 30 Minuten die Vorfreude auf ALKALINE TRIO wirklich steigerten. Zurück zum Trio. Der Titelsong des letzten Albums ging gleich nahtlos in das rasend schnelle ‚Armageddon’, bei dem die Menge dann zum ersten Mal richtig in Fahrt kam, und dann in ‚Emma’ über.  ALKALINE TRIO zeigten sich nicht als Fans großer (und leerer) Worte, aber trotzdem hatte man nie das Gefühl, keinen Kontakt zur Band zu haben. Weiter ging es mit einer Mischung aus neuen Songs (und potentiellen Singles) wie ‚Dine Dine My Darling’, ‚Dead On The Floor’ und ‚Off The Map’ und Klassikern wie ‚This Could Be Love, Sadie’ und ‚Private Eye’. Wie immer wechselten sich Skiba und Co-Sänger Daniel Adriano ab. Die Band schien Spaß zu haben, machte zwischen den Songs Witze und änderte spontan die Setlist, als sie einen Fan mit NoMeansNo-Shirt in der Menge erblickte. Ihr Cover von ‚Two Lips Two Lungs and One Tongue’ war der pure Wahnsinn und es war deutlich, wie sehr die Band diese kleine Abwechslung genoss. Es wirkte fast, als ob sie nur für sich spielte, weil sie gerade Lust darauf hatte. Weiterhin erfreuten ALKALINE TRIO dann den Langzeit-Fan mit älteren Perlen wie '’97', 'Snake Oil Tanker' und 'Warbrain'. Vom einem „Trio“-Chant zur Zugabe geradezu gezwungen, kehrte die Band auf die Bühne zurück. Skiba nahm hinter dem Drumset Platz, Grant am Bass und Dan griff zur Gitarre. So performten sie den neuen Track ‚Fine’ und dann stimmte Drummer Derek (am Bass) dem verstorbenen James Dio zu Ehren ‚Holy Diver’ an und coverte gleich darauf ‚Attitude’ von den Misfits, wobei er stimmlich absolut überzeugte. Schließlich kehrte jeder an sein gewohntes Instrument zurück und -es wurde zum ersten Mal am Abend wirklich vorhersehbar- dann wurde der Fan-Liebling ‚Radio’ gespielt, bei dem Band und Fans noch mal ihr Bestes gaben. Nach 22 wunderbaren Songs war alles vorbei und es gab nichts zu beklagen.