Das Hurricane-Festival beherbergte in diesem Jahr wieder zahlreiche hochkarätige Combos. BIFFY CLYRO waren eine davon. Den Jungs hatten wir zwar schon mal auf den Zahn gefühlt, aber es geht ja immer noch einer rein, gell?! Henner von Radio Tonkuhle hat sich James Johnston geschnappt, sein Interview wird am kommenden Montag auch in der Sendung Druckausgleich ausgestrahlt. Wer vorher schon mal lesen möchte, kann das hier tun. Los geht’s! Henner: Hier sitze ich, im Backstage des Hurricane Festivals und bei mir ist James Johnston, der Bassist von BIFFY CLYRO. Hallo James, wie geht’s? James: Mir geht’s sehr gut, wie geht’s dir? Danke, prima. Gratulation zu dem Auftritt heute, ich habe noch nie eine so große Menschenmenge bei dem Eröffnungskonzert des Hurricane-Festivals gesehen. Es war wirklich ein großartiges Konzert, tolle Eröffnung des Festivals. Wie hat es euch gefallen, die "Nummer eins", die erste Band dieses Festival-Wochenendes zu sein? biffyclyro-band5Es war aufregend! Ich glaub keiner von uns wusste, dass wir als Erstes spielen würden, bevor wir hier ankamen. Ich denke das lag vielleicht daran, das Simon eilig wieder nach Haus musste, zu einem dringenden Termin. Das war der Grund, aber für uns bedeutete das auf einmal eine große Verantwortung, wir wollten ja dem Wochenende einen guten Start geben. Und wir sahen eine Menge Menschen, die noch ihre Rucksäcke dabei hatten und direkt nach ihrer Ankunft auf dem Gelände zu unserem Konzert kamen. Die bekamen dann gleich erstmal eine Wand aus Rock-Musik von uns ins Gesicht. Es hat mir so viel Spaß gemacht, ich denk, ich würd’ das gern mal wieder machen. (lacht beim letzten Satz) Ja, ich hab auch einige Leute wirklich rennen sehen, um es zu eurem Konzert zu schaffen. Einige Stimmen die ich gehört habe, waren auch wirklich sauer darüber, das ihr den ersten Slot des Festivals bekommen habt, aber wenn Simons Termin der Grund dafür war, ist es ja nachvollziehbar. Ja, ich hoffe, das uns niemand verpasst hat, der uns sehen wollte. Aber das war die einzige Möglichkeit, das wir spielen konnten und wir wollten es definitiv nicht verpassen hier zu spielen. Großartig hat mir auch eure Performance von ‚Living Is A Problem...’ gefallen, ich raff einfach nicht, wie ihr das Intro live hin bekommt. Jedes mal wenn ich es höre, frage ich mich 'Wo ist die eins?' Wie habt ihr die Idee zu dem Intro bekommen? (lacht) Weißt du, wir waren da wohl ein wenig von Iron Maiden inspiriert, Simon ist irgendwann rein gekommen und sagte, ich hab da was, lasst uns das mal ausprobieren. Ich denk, wenn man einmal weiß wie es läuft, ist es einfach, es ist nur kompliziert wenn man anfängt es zu analysieren. Ich würde sagen wir zählen nicht mal wirklich die Takte, wir spielen es einfach "natürlich", aus dem Bauch heraus. Es macht uns Spaß, mit den Erwartungen der Leute zu spielen. Wenn wir gemeinsam eine Band sehen und den Takt mit nicken und es dann auf einmal einen Wechsel gibt, schauen wir uns immer an und sagen "Wow, was war das?". Und ich denke, darum geht es in der Musik im allgemeinen, dass man die Leute überraschen kann. Ja, als ich das Intro zum ersten mal gehört hab, dachte ich, naja, sie werden wohl 20 Takes im Studio gebraucht haben, um das einzuspielen, aber als ich es dann zum ersten Mal live gesehen hab, war ich wirklich geschockt, unglaublich. Cool, danke. Ihr seid jetzt seit 15 Jahren als Band zusammen unterwegs, so langsam beginnt ihr die großen Bühnen zu erobern. Fangt ihr bereits an, die Clubs zu vermissen? Wir haben noch immer die Gelegenheit, in Clubs zu spielen und ich denke, das ist auch sehr wichtig. Wenn man immer nur große Shows spielt, fängt man auch irgendwann an, sich zu langweilen, man verliert den Kontakt und vermisst etwas, das ich gar nicht so genau beschreiben kann. Uns ist es einfach wichtig, das zu mischen, Clubs und große Hallen, damit es auch für uns interessant bleibt. Ich glaub, dass es auch immer Höhen und Tiefen gibt, irgendwelche beschissenen Clubs ohne Toilette und Garderobe, bei denen dir dann aber grad der Auftritt unheimlich viel Spaß macht. Und das ist uns wichtig, das wir mit den Füßen auf dem Boden bleiben, so was bewahrt einen davor, zum Arschloch zu werden. Wenn man ab und zu die Gesichter der Fans direkt vor sich hat, ist das schon wichtig... Man hält den Kontakt..? Ja, genau, man bleibt in Kontakt mit dem Publikum und genau darum geht es bei einem Gig, einen Kontakt zum Publikum herzustellen. Das neue Album ist benannt nach einem Buch vom Simons Lieblingsautor Mark Z. Danielewski. Worum geht es darin? BiffyClyrosJamesmitHennerEs geht in dem Buch um zwei Menschen, Jungs aus dem Ghetto, und ihre gemeinsame Reise. Interessant an dem Buch ist, dass man die Geschichte der einen Person liest und dann das Buch umdreht und die Geschichte der zweiten Person lesen kann. Auch wenn einem das Buch nicht gefällt, ist das eine wirklich interessante Art und Weise einen Roman zu konstruieren. Die Geschichte hatte ein paar Parallelen zu dem Leben von Simon, zum Beispiel zu heiraten und das war mit ein Grund, warum es uns als perfekter Titel für das Album erschien. Das Buch ist nicht leicht zu lesen, das muss man wissen. Aber man wird belohnt, es ist wirklich interessant. Es ist nicht nur reine Prosa, sondern manchmal auch etwas abstrakter, aber es macht immer Sinn. Ich hatte die Gelegenheit, den Autor in L.A. kennen zu lernen und er ist ein super netter Typ, ich kann sein Buch auf jeden Fall jedem nur sehr empfehlen. Also bekommt man praktisch zwei Perspektiven zu der selben Geschichte. Ja, es ist wirklich spannend, vor allem die Art und Weise wie man selbst in das Buch involviert wird. Man muss es ja immer wieder umdrehen und hat so einen interaktiven Aspekt. Ist etwas schwer das im Radio darzustellen, aber ich denke du weißt was ich meine. Wie schreibt ihr eigentlich eure Lieder, womit fangt ihr normalerweise an? Meist geht es damit los, das Simon allein auf der Gitarre etwas spielt, meistens nachts, wenn alle anderen schon ins Bett gegangen sind. Außerdem hat er eine Art Journal, in dem er haufenweise Texte aufhebt, manchmal nur bestimmte Sätze, die er notiert. Keine kompletten Songtexte, aber Ansätze dafür. Und so setzen wir es dann zusammen, die Texte kommen in der Regel nachdem wir eine oder auch mehrere Melodien haben. Wir spielen das dann zusammen als Band, manchmal fühlt es sich sofort großartig an, manchmal gibt's auch ein paar Reibungspunkte, die wir heraus feilen, wenn es nicht sofort alles zusammen passt. Aber das ist es auch mehr oder weniger, ich weiß nicht ob es sich irgendwie unromantisch anhört, wenn man es so pragmatisch angeht, aber so arbeiten wir einfach. Es ist ein Prozess, der viel Spaß macht und manchmal auch schwierig ist, man bekommt nicht immer alles sofort auf Anhieb hin, aber wir haben sehr viel Glück, das Simon ein so großartiger Songwriter ist und er uns so großartige Songs zum Bearbeiten liefert. Und so haben wir eine Menge Spaß, wir haben ja inzwischen schon 5 Alben und es macht immer noch viel Spaß so zu arbeiten. Etwas in Simons Musik inspiriert uns und bringt uns dazu, uns auch musikalisch weiter zu entwickeln. Wie gefällt dir selbst der Aspekt in der selben Band mit dem eigenen Bruder zu sein - inzwischen seit 15 Jahren? (lacht) Das ist eine interessante Frage. Wir waren beide vorher nie in irgendwelchen anderen Bands, BIFFY CLYRO ist alles, was wir kennen, uns fehlt der Vergleich. Aber es macht nach wie vor viel Spaß, es fühlt sich nicht so an als wenn wir es machen müssten, sondern wir machen es nach wie vor, weil wir es gern tun und es uns Spaß macht. Wenn man das nur als Job sehen würde, um Geld damit zu machen würde man vielleicht durchdrehen, also tun wir es, weil wir es genießen. Natürlich sind wir immer noch Brüder, da gibt es Zeiten, da will man sich umbringen oder weit weg sein vom anderen, aber das geht auch vorbei. Wir kommen generell eigentlich sehr gut miteinander aus und haben auch viel Spaß miteinander. Das klingt, als wenn ihr auch noch viele Jahre zusammen bleiben wollt. Das freut mich sehr zu hören! Ja, wir haben es so weit gebracht, die ärgsten Sachen liegen hinter uns, wir machen weiter. Das neue Album ist sehr viel positiver in der Grundstimmung als "Puzzle". Wie kam es dazu? biffy-clyroIch denke, das ist eine Reflexion unserer eigenen Gefühle, die ja mit einem Album immer transportiert werden. Simon hatte während der Arbeit an "Puzzle" eine sehr schwere Zeit, er verlor kurz bevor wir begannen daran zu arbeiten seine Mutter und darum geht es auf "Puzzle" auch in erster Linie. Das war eine schwierige Zeit und ich denke, es braucht auch einfach viel Zeit um das zu verarbeiten. Und so richtig los lässt einen so eine Erfahrung wohl auch nie, das bleibt schwierig. Aber zurzeit haben wir eine sehr gute Zeit zusammen, und grad Simon geht es momentan auch wirklich klasse. Er hat geheiratet und das ist natürlich ein tolles Ereignis in jedem Leben. Man macht Pläne für die Zukunft und schaut nach vorne, das ist eine sehr positive Sache und das spiegelt sich auch in der Musik auf dem Album wieder. Nicht viele Texte sind jetzt ausdrücklich fröhlich, aber die Grundstimmung der Songs und des Sounds (Anmerkung des Autors: the "Vibe", schwer zu übersetzen) ist sehr positiv. Und das zeigt wo wir uns emotional grad befinden, wir bewegen uns gut gelaunt vorwärts, entwickeln uns weiter, was uns immer das Wichtigste ist. Apropos weiter entwickeln, ihr habt es geschafft, auf jedem Album euren Sound auch weiter zu entwickeln, kein Album klingt genau wie das vorherige. Ist das beabsichtigt oder passiert das mehr oder weniger zufällig? Zum Teil ist es gewollt, zum Teil ein natürlicher Prozess. Wir machen Musik nicht so sehr aus einem rationalen Prozess, bei uns kommt sie eher von Herzen. Beabsichtigt versuchen wir schon Sachen auch anders zu machen, denn wenn man immer wieder dasselbe macht, langweilt man sich natürlich auch schnell. Naja, es gibt auch Bands die sich nicht langweilen, wenn sie dasselbe immer wieder machen, wie z.B. Bad Religion, die seit Jahren einen sehr ähnlichen Sound machen. Ja, ich denke das ist auch okay für Bad Religion, sie haben ja auch eine tolle Kariere damit hin bekommen. Wir erleben es auch, dass wir dafür kritisiert werden, dass wir uns verändern. Aber das ist nun mal unser Ding, für uns ist es wichtig, dass wir unseren Sound entwickeln, uns vorwärts bewegen. Wir wollen auf keinen Fall die gleiche Sache immer und immer wieder machen. Mir gefällt das sehr gut, ich mag Bands, die nicht still stehen und sich entwickeln. Keine Kritik von mir also. J: (lacht) Zum Schluss würde ich gern ein kleines Brainstorming mit dir machen. Ich gebe eine kurze Frage und das erste was dir einfällt ist deine Antwort: Ok Lieblingseiscreme? Vanille! Dein Lieblingsbuch? Salinger, Der Fänger im Roggen Lieblingsessen? Hmmm, indisches Curry. Lieblingsband? (kurze Pause) Weezer Lieblings Maler/Künstler? Dali Lieblingsbild? "The Lonely Boys" von einem Glasgower Künstler, dessen Namen mir grad nicht einfällt! Lieblingslied? ‚Ornament’ von Oceansize Lieblingsfilm? Die üblichen Verdächtigen Lieblings-Filmstar, Schauspieler oder Regisseur? äääähm....(längere Pause, lacht dann laut auf) meine Antwort sollte eigentlich schnell kommen, richtig? Hmmm, Quentin Tarantino. Lieblings Webseite? Google Ok prima, ich dank dir sehr für deine Zeit. Danke auch!