Nun ist es endlich mal wieder soweit. Keinem geringeren als Ralf „Glotze“, Mitverantwortlicher des Reload-Festivals und bekennendem MOJO-Jünger, haben wir es zu verdanken, die Jungs nach 2 ½ jähriger Live Abstinenz wieder in unserem Lande begrüßen zu dürfen. Einige Veränderungen musste das Line Up über sich ergehen lassen, bevor es wieder über den großen Teich ging. So sind Drummer Steve Underwood und Zweitgitarrist Mike Martin nicht mehr mit von der Partie. Die Position des vakanten Klampfers wurde nicht neu besetzt, dafür kann sich die MOJO-Gemeinde über einen alten Bekannten hinter den Fellen freuen. Kein geringerer als STUCK MOJO und Fozzy-Urgestein Frank Fontsere is back und bereit Deutschland mit seinem unglaublich druckvollen Drumming zu torpedieren. Köln, Underground, 01.07.2010 Im schwülwarmen Köln angekommen, mache ich mich erstmal per Handy auf die Suche nach den Jungs. Nachdem ich Lord dann endlich an der Funke habe, kann ich aus der Ferne auch schon sein mächtiges Antlitz erspähen. Nach einer sehr innigen und sehr warmen (wenn einen über zwei Meter Mensch bei über 30 Grad in den Arm nehmen) Begrüßung, machen wir uns auf den Weg ins Innere des Undergrounds, in dem es noch einmal gefühlte 30 Grad wärmer ist. STUCK MOJO-Live-2010-2Nachdem wir uns dann alle einmal lieb haben, geht es an den Soundcheck und bekanntlich überlässt  Mastermind Rich Ward da nichts dem Zufall. An jedem Monitor, jeder Nuance werden penibel Feinjustierungen vorgenommen, bis die Jungs mit ‚Metal Is Dead’ ihre Generalprobe absolvieren. Alles läuft rund im Underground und so gehen abschließend alle Beteiligten für rund eine Stunde ins Hotel um ein bisschen zu relaxen. Als dann nach ca. zwei Stunden die Jungs die Bretter betreten, ist der kleine Club sehr gut gefüllt und die Show kann mit ‚F.O.D.’ am Start beginnen. Eineinhalb Stunden lassen die Jungs an diesem Abend keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sie die volle Live-Agilität aus den 90`ern auch im Heute noch grandios aufleben lassen können und das Publikum dankt es ihnen mit ordentlichen Moves vor der Stage. Songs wie ‚Open Season’, ‚That’s When I’m Burn’, ‚Twisted’ oder ‚Monster’ besorgen es der schwitzenden Meute ordentlich. Und die Jungs wären nicht eine der sympathischsten Bands auf diesem Globus, wenn sie nicht das Publikum perfekt mit einbeziehen würden. So darf ich dann bei ‚Not Promised Tomorrow’ kurzerhand an der Seite von Lord Nelson schreiend und rappend den Kultsong mit performen. Auch ein sehr geübter und Gitarren erprobter MOJO-Jünger darf seine Riffs zu ‚2 Minutes Of Death’ beisteuern. Der Band, sowie den Fans, ist die Freude geradezu ins Gesicht geschrieben und so ist dann leider, nach gefühlt viel zu kurzer Spielzeit, das Ende da. With Full Force, 02.07.10 Nach einer viel zu kurzen Nacht mache ich mich dann am Freitag Mittag auf den Weg zum With Full Force-Festival, eine Überraschung, denn eigentlich sollen die Jungs heute im Brandenburger HdO spielen. Aufgrund von technischen Mängeln wurde dieser Gig gecancelt und wie es der Zufall so will, fallen zudem Throwdown aus der Liste der teilnehmenden Bands und so ist ein weiterer Festival-Gig der Jungs bestätigt. Das Ganze soll sich an diesem gefühlt noch heißeren Tag als Glücksfall erweisen. STUCK MOJO-Live-2010-3Immerhin 40 Minuten Spielzeit gewährt man Rich und Co, die es effizient zu nutzen gilt. Nach anfänglicher Zurückhaltung der Massen, machen die Jungs mit ihrer Performance schnell deutlich, dass sie hier und heute ihren persönlichen Siegeszug antreten wollen und noch viel schneller merkt auch das Publikum in Roitzschjora, dass sie sicherlich einen fulminanten Gig verpassen würden, gäbe man sich nur der Sonne inklusive der schwülen Luft hin. Richtig voll wird es nun vor der Mainstage und die Jungs haben richtig Bock alles an die Wand zu zocken. Die große Bühne lädt einen Weltklasse-Performer wie Rich „The Duke“ Ward geradezu ein, hier zu jumpen und zu riffen als gäbe es kein Morgen mehr. Lord Nelsons unglaublich charismatische Ausstrahlung und dem immer lächelden Sean B. Delson macht es so viel Laune on Stage, dass man ihre Begeisterung bis in die letzte Reihe spürt. Da fragt man sich glatt noch, wer denn davor noch grad auf der Bühne stand. Ach ja es waren Crowbar, die gefühlt in die nächste Galaxie ob des Dargebotenen geblasen wurden (Hüte deine Zunge, du kleiner Schnippler! 😉 – Zosse). Reload Festival Twistringen, 03.07.10 STUCK MOJO-Live-2010-4Wie warm kann es denn noch werden. Als geborener und stolzer Allergiker tu ich mich an diesem Tag besonders schwer. Noch mehr Kornfelder heißt noch mehr Niesattacken. Aber was soll’s. Die Vorfreude auf den heutigen Tag und eine hoffentlich grandiose Bestätigung des Erlebten von gestern, treiben mich nach einem „Einparkausflug“ ins Rapsfeld Richtung Festivalgelände. Etwas übersichtlicher, gar familiär und sympathisch geht es hier zu. Der eingangs erwähnte Ralf überreicht mir mein Festivalbändchen und lässt mich Richtung Stage marschieren. Hier findet in diesem Moment die Umbauphase samt Soundcheck statt. Die Jungs haben ja an diesem Tag für die Prozedur etwas mehr Zeit, denn auf der Zeltstage findet zu dieser Minute Deutschlands Viertelfinal-Kick gegen die Gauchos aus Südamerika statt.“ Hoffentlich gewinnt ihr“ entgegnet mir Rich, der etwas besorgt um die Stimmung, des gleich danach anschließenden Gigs ist. STUCK MOJO-Live-2010-5„Wäre wohl nicht so toll für uns“. „ Ihr seit auch in der Lage Verlierer wegzublasen“ entgegne ich ihm belustigt und nachdem sich die Befürchtung durch das 4:0 eh nicht bewahrheitet hat, steht der guten Laune nichts mehr im Wege. Zwar ist vor der Bühne heute etwas weniger los, aber nach anfänglicher Abtastphase taut die Menge auf und feiert die Mainstage wie es sich gehört, mit anständigem Bewegungsfaktor. Die Security hat aber aufgrund der übersichtlichen Situation einen ruhigen Tag, kommt entspannt und sympathisch daher und so helfen sie herbeigerufenen Fans auch gerne auf die Bühne zum obligatorischen Bühnenfest. Auch ich darf einmal mehr meinen ewigen Kulthit „Not promised tomorrow“ performen. Interview mit Rich Ward Mit einem sehr entspannten und glücklichen Duke ( Rich Ward) sitze ich noch eine Weile Backstage im Tour-Van, lasse mit ihm die vergangenen Tage der Minitour Revue passieren und halte mit ihm einen kleinen Ausblick in die Zukunft des großen „Urviechs“ STUCK MOJO. Ist ja auch interessant zu wissen, welche Konzertart der Duke bevorzugt, kleiner Club oder großes Festival. Beides war ja schließlich mit von der Partie. STUCK MOJO-Live-2010-6„ Das sind für mich zwei sehr unterschiedliche Dinge, die mir aber beide sehr gefallen“ schwelgt er in Vergangenem. „Die Nähe und die Energie in einem Club sind großartig. Bei einem Festival hingegen hast du viel mehr Bühne und kannst deine Moves besser platzieren“. Den Fans fiel in den letzten vier Tagen auf, dass keine Songs der letzten MOJO-Scheibe „The Great Revival“ gespielt wurden. „Als ich die letzte Schreibe schrieb, war ich sehr gut gelaunt und entspannt. Ich hatte gerade unser Haus fertig gebaut und war ansonsten ein sehr positiver Mensch. Jetzt wo ich mit meinen alten Buddies, wie z.B. Frank (Fontesere, Drummer) wieder on Tour bin, fühle ich diese alte Aggression in mir, die das Songwriting der letzten Scheiben immer stark beeinflusst haben, deswegen habe ich mich gegen Songs von „The Great Revival“ auf dieser Tour entschieden, aber hey, beim nächsten Mal kann es wieder anders sein. ‚15 Minutes of Fame’ oder ‚Invincible’ sind großartige Livesongs“ entgegnet mir Rich mit einem breiten Grinsen. Wird es denn schon bald eine eine neue Langrille der Jungs aus Atlanta geben will ich nun die Katze beim Schwanz packen. „Ich habe schon einige Songideen, bin aber durch das bevorstehende Tourprogramm mit Fozzy (Richs Zweitband) etwas im Stress. Wenn es mit einem Release im April nächsten Jahres klappen würde, wäre ich sehr zufrieden.“ STUCK MOJO-Live-2010-7Das nennen wir doch mal einen erträglichen Zeitraum, um vielleicht eine weitere Ära genießen zu dürfen. Rich Ward selbst sieht sich in erster Linie als Songwriter, der die Studioarbeit über alles liebt und die Bühne als Belohnung des Erreichten wahrnimmt, ihr aber eine wichtige Zweitrangigkeit zuordnet. Die Ideen der Lyrics greift er aus einem Fundament aus Lebenserfahrung und der beständigen Motivation auf. Mittlerweile teilt er sich aber die Arbeit mit Frontmann Lord Nelson, die der ja schließlich treffend zu performen hat. Viele STUCK MOJO-Fans leben mit der Angst, dass es mit ihren Heroen allerdings von heute auf morgen vorbei sein kann. Auf die Frage hin, welche langfristigen Ambitionen er denn mit seiner Band hegt, wird der Drang dieses zu Erläutern seinerseits sehr groß. „Die Musik muss in erster Linie Spaß machen. Ich denke in diesem Bereich nie viele Jahre voraus. Genauso wenig weiß ich wie die kommenden Scheiben klingen werden. Mein Ziel ist es, immer einen Schritt nach dem anderen zu vollziehen. Mein Ziel ist es, das kommende Album so großartig wie möglich zu gestalten und das aktuelle Line Up zusammen zu halten.“ Das Thema Line Up ist natürlich auch ein gutes Stichwort. Ich gehe daher natürlich noch mal auf die Zufriedenheit mit der aktuellen Besetzung ein. "Ich hoffe natürlich, dass jede Besetzung die endgültige ist. Ich kenne Lord jetzt seit 5 Jahren. Sean und Frank kenne ich noch um einiges länger, nicht zuletzt aufgrund unserer gemeinsamen Arbeit bei Fozzy. Ich fühle einfach, das es jetzt richtig ist.“ Auf die finale Frage hin, ob er denn einen großen Unterschied zwischen amerikanischen und deutschen Fans sieht, kann er sich ein noch breiteres Grinsen als zuvor nicht verkneifen.“ Die Amerikaner sind absolute Modefans, die jedem neuen Musiktrend hinterher jagen. Die wahren Heavy Metal-Fans sind in Deutschland.“ Und das kann man ja als passende Antwort werten. Ein lautes Bollern an die Seitenscheibe des Vans durch Tourmanager Toad gibt Zeichen, dass die Jungs sich auf den letzten Weg, nämlich zum Flughafen nach Düsseldorf begeben müssen. Aber dem „MOJO“ sei Dank spendieren uns die Jungs in diesem Jahr noch eine Herbsttour. Wir freuen uns drauf und sagen: „ Metal Is „NOT“ Dead“.