ANBERLIN in Deutschland, ich konnte es nicht fassen! Noch nie hat der Ami-Fünfer hierzulande ein Album herausgebracht, noch nie konnte ich eine meiner absoluten Lieblingsbands live sehen, geschweige denn, ihnen im Interview auf den Zahn fühlen. Am 19.08.2010 war es dann endlich soweit, Heiko und meiner einer enterten den ICE in Richtung Hauptstadt, um ANBERLIN, unsere Helden, im Magnet Club zu sehen und ihnen vorher einige Fragen zu stellen. Aufgeregt wie zwei Schuljungen vor ’ner schwierigen Klassenarbeit.
Die Live-Rezi hatte ich ja bereits gepostet, nun folgt endlich das Interview, beim Fragen stellen wurde sich schön in „Tag-Team-Manier“ abgewechselt und anschließend unzensiert und in der ursprünglichen Reihenfolge vom iPhone runter geschrieben.
ANBERLIN releasen die Tage ihr neues Album „Dark Is The Way, Light Is A Place“, mit etwas Glück auch Ende des Jahres in Deutschland, ich habe alles in meiner Macht stehende getan, und sämtliche Universal Records-Kanäle gelöchert, haha.
Das Interview führten wir mit Christian McAlhaney, einem äußerst sympathischen Zeitgenossen, der 2007 zur Band stieß.
Gestromt: Nenne deinen Namen und deine Rolle in der Band.
Mein Name ist Christian und ich spiele Gitarre.
Wie läuft die Tour bislang?
Die Tour ist großartig, wir waren in Schweden, dies ist unsere dritte Show in Deutschland, danach geht es in die Niederlande und dann zurück nach Hause.
Eure dritte Show? Wie waren die Resonanzen bislang?
Ja, wir haben bereits in Köln und Chemnitz gespielt Es war großartig, es hat wirklich Spaß gemacht. Es ist unser erstes Mal in Deutschland, daher wussten wir nicht genau, was uns erwartet.
Wir haben lange auf euch gewartet!
Haha, ja, hoffentlich können wir bald zurückkommen.
Was denkst du, sind die Unterschiede zwischen Touren in den Staaten und in Europa?
Ich denke, einer der Hauptunterschiede ist die Größe des Publikums. Wir haben in den USA schon so oft getourt und uns eine ziemlich gute Fanbasis erspielt. Wie ich schon sagte, dies ist unser erstes Mal in Europa. Wir beginnen hier gerade. Spielen kleinere Shows, vor weniger Leuten, hoffentlich, wenn wir zurückkommen, können wir vor einem größeren Publikum spielen. Sonst ist es ziemlich ähnlich.
Wie war die Resonanz in Schweden?
Es war großartig. Wir spielten dort eine Art Festival, es war ein ziemlich großer Raum mit vielen Besuchern, die sehr punky unterwegs waren. Schweden ist wunderschön, dass Wetter war ziemlich gut an dem Tag, es war eine umfassend runde Erfahrung. Ich wünschte, wir hätten dort mehr Zeit verbringen können, wir waren am nächsten Tag in Stockholm und hatten einen Day-Off, mussten allerdings in ein Studio und eine Akustik-Version von unserer Single ‚Impossible’ aufnehmen, die wir in den Staaten veröffentlichen werden. Wir mussten das erledigen, wir hatten eine Deadline zu Hause, somit mussten wir das Stück in Schweden aufnehmen und es an unseren Manager in den Staaten schicken.
Somit habt ihr nicht viel von der Stadt gesehen?
Nicht wirklich, das Studio war zwar Downtown, so konnten wir in den Pausen mal ein wenig dort herumlaufen, aber ich konnte nicht so viel erkunden. Dazu kam noch, dass es Sonntag Nacht war, somit hatte vieles schon früh geschlossen.
Was für ein Jammer, alleine Gamla Stan, die Altstadt wäre eine Entdeckung wert gewesen. Zehn Minuten in eine beliebige Himmelsrichtung und man ist am Wasser.
Ja, klar, da war das Studio, alles ist vom Wasser umgeben? Das war sehr sehr cool dort!
Ihr habt ja den Namen ANBERLIN gewählt, was denkt ihr denn über die Stadt Berlin und was sind eure Erwartungen an den Abend?
Es war großartig bislang. Wir sind seit ca. 11 – 12 Uhr hier und hatten die Möglichkeit, ein wenig zu Fuß zu erkunden. Wir waren am Checkpoint Charlie, konnten lecker Essen gehen und die Gegend um das Venue erforschen. Es war wunderschön und sehr cool bislang, Berlin ist eine großartige Stadt. Ich wünschte…. (pausiert) Weißt du, wenn wir auf Tour sind, in Übersee oder generell, siehst du wenig von der Stadt, in der du gerade bist. Wenn die Leute mich dann fragen „Wie war Berlin“, sage ich „Ohh, ich weiß es nicht wirklich, ich habe nicht viel von dem zu sehen bekommen, was in der unmittelbaren Nähe des Venues war.” Wir sind hier nur maximal 24 Stunden und leider die meiste Zeit im Club. Ich wünschte einfach, wir hätten mehr Zeit, denn Berlin scheint eine wunderschöne Stadt zu sein…“
Nebenbei bist du in der größten Stadt in Deutschland.
Ja, es ist unglaublich. Vielleicht haben wir später ja noch ein wenig Zeit, etwas zu machen, ich glaube, wir starten morgen etwas später, so dass wir hoffentlich noch mehr erkunden können.
Erkundet wurde dann später mit Christian noch die Tanzfläche und der Bier- und Jägermeister-Vorrat des Magnet-Clubs, haha! Aber seinem Europa-Ordner auf Facebook kann man entnehmen, dass der braungebrannte Herr aus San Diego definitiv das ein oder andere Sightseeing-Highlight auf ANBERLIN’s erstem Europa-Abstecher mitgenommen hat.
Wie überlebt ihr den Tour-Alltag? Irgendwelche bestimmten Tipps oder Vorlieben?
Es hängt davon ab. Da wir ja zeitnah ein neues Album herausbringen werden, schreibe ich keine Songs zurzeit. Wenn wir beispielsweise planen würden, nächstes Jahr ein neues Album zu veröffentlichen, würde ich auf Tour viel schreiben. Ich spiele viel Gitarre, ich habe viele Gitarren-Workout-Programme dabei. Ich habe einen Kindle, den E-Book-Reader von Amazon und lese somit sehr viele Bücher. Tonnen von Büchern. Filme, Sightseeing, wobei jeder in der Band verschieden ist, was das angeht. Videospiele, was auch immer.
Eine etwas persönlichere Frage: Was wollt ihr dem Hörer mit eurer Musik, euren Texten vermitteln, was wollt ihr für die Hörer und deren Leben tun?
Ich schreibe nicht die Texte, sondern die Musik, Ich denke, Stephens ultimatives Ziel ist es, eine positive Sicht der Dinge zu vermitteln, die er selber in seinem Leben erlebt hat, oder die er bei anderen Leuten beobachten konnte. Ich weiß nicht, vielleicht einige Leute in einer gewissen Art und Weise zu erleuchten, eine Geschichte zu erzählen, zu denen die Leute einen Bezug haben, ihnen durch Situationen zu helfen, die er selbst durchmachen musste. Vom musikalischen Aspekt: Ich bin selber ein großer Fan von Musik und ich möchte, dass die Leute von der Musik, die ich schreibe, begeistert sind und sie inspirieren, auf die gleiche Art und Weise, wie mich andere Bands, die ich mag, inspirieren, überhaupt Musik zu schreiben und zu machen. Ich würde es lieben, wenn ich Leute so beeinflussen könnte, die unsere Musik hören.
Ist es zutreffend, dass die Band Third Eye Blind euch dazu inspiriert hat, Musik zu machen?
Ich denke, ursprünglich, bevor ANBERLIN ABERLIN wurden, spielten sie in einer Punkband, die schnellen Punk spielte, im Stile von Nofx. Sie wollten eines Tages ihren Stil ändern, somit hörten sie auf, diese Art von Musik zu spielen und nannten sich auch nicht mehr SaGoh, wie sie damals hießen. Sie wollten neue Musik spielen, eine Art Third Eye Blindish-Songs, bevor sie den ANBERLIN-Sound fanden, nach dem sie suchten. Ich denke zur Zeit des „Blue“-Albums, welches alle liebten, klangen sie wie eine härtere Third Eye Blind-Version, haha.
Warum ist es jetzt wichtig für euch, nach Deutschland zu kommen? Gibt es eine Veränderung eurer Label-Situation, oder wie kam es zustande, dass ihr erst jetzt das erste Mal hierher kommt?
Die Möglichkeit hat sich jetzt erst gezeigt. Ich denke, in der Vergangenheit ….(pausiert) Eine Menge ist halt echt Timing. Diese Band hat nahezu das ganze Jahr verplant. Wir haben ab heute genau ein Jahr im Voraus Touren geplant. Wir hatten ein Angebot, das Festival in Schweden zu spielen und morgen spielen wir auch ein Festival in den Niederlanden, was uns dazu gebracht hat, hierher zu kommen und somit haben wir zwischen den beiden größeren Dates Gigs in Deutschland gebucht. Wir hätten gerne auch eine längere Tour gebucht, sind aber momentan echt zu beschäftigt, haben aber die Möglichkeit dieses Mal gern wahrgenommen.
Kommt euer neues Album denn auch hierzulande raus?
Ich bin mir nicht sicher. Es kommt definitiv im UK raus, ich nehme an, auch überall anders. Japan, Australien. Könnt ihr denn unsere anderen Alben hier bekommen? Könnt ihr „New Surrender“ hier kaufen?
(Gemeinschaftliches Kopfschütteln)
Nein…? Nur über Import? Hmmm….In den Staaten kommt es am 07.09. heraus, also in zwei Wochen.
Habt ihr es denn hier?
Haha, einige von uns haben es auf ihrem iPod, physikalisch aber leider nicht, ich selbst habe das Package auch noch nicht gesehen. Wir werden heute Abend aber zwei neue Songs spielen, denke ich.
Was können wir vom neuen Album erwarten?
Veränderung, aber auch das Gewohnte. Als eine Band willst du dich weiterentwickeln. Entwickle dich, oder stirb, man kann nicht konstant das gleiche Album herausbringen, nicht dass ANBERLIN das getan hätten, ANBERLIN bringt für mich persönlich immer „verschieden aber gleiche“ Alben heraus. Es klingt wie ANBERLIN, aber wie „ANBERLIN versuchen neue Dinge“. Wir hatten das Ziel, es dieses Mal dunkler zu gestalten. Nicht zu versuchen, nach „Cities“ zu klingen, eher nach der allumfassenden Stimmung, die „Cities“ hatte. Dunkler. „New Surrender“ war ein wenig mehr „poppy“, als „Cities“ und ich denke, wir wollten zurück zu dem düsteren Sound. Wir versuchten verschiedene Rhythmen und total andere Songs, sind sehr glücklich mit dem Ergebnis und hoffen, die Fans werden es genauso mögen.
Passend dazu vielleicht euer neuer Look, der ein wenig an The Smiths erinnert.
Oh ja, haha, The Pompadour (die Schmalztolle, Anmerkung des Verfassers), die Morrissey-Frisur?
Schlägt sich das auch auf den Sound nieder?
Ja, ein wenig. Ich denke, die 80er haben schon immer einen großen Einfluss auf ANBERLIN gehabt. Wir haben einige Cover-Songs von Bands aus den 80ern gemacht. Ich denke, das hat einen Einfluss, wir wollen jetzt nicht nach New Order, oder einer vergleichbaren Band klingen, es gibt Elemente von….
Spandau Ballet…!
(Allgemeines Lachen)
Okay, nur Spaß, wir sind mit dem Zug an der Station Berlin-Spandau vorbei gekommen, da blieb das hängen, haha!
Wow, haha!
Was können wir in 2011 von ANBERLIN erwarten?
Ich würde es lieben, hierher zurückzukommen, es gibt gerade Gespräche darüber, hierher zurückzukehren, vielleicht sogar schon Ende dieses Jahres.
Ihr habt die großen Festivals verpasst! Das Highfield und das Area 4 sind ja am kommenden Wochenende.
(Seufzend) Ja, ich weiß. Ich denke, diese Festivals beeinflussen unsere Shows hierzulande. Wir spielen dort nicht und die Leute sparen ihr Geld, um dorthin zu gehen, daher kommen sie eventuell nicht zu unserer Show heute. Ich würde es lieben, die großen Festivals hier zu spielen, hoffentlich schenken die Leute ANBERLIN eines Tages ihre Aufmerksamkeit. „Oh, wir sollten ANBERLIN aufs Billing holen!“, haha! Wir können nur beten. Hoffentlich nächstes Jahr, das wäre großartig.
Seid ihr momentan an einem Punkt, an dem ihr nach Hause zurückwollt, oder ist es noch aufregend?
Noch aufregend, wir sind hier ja auch noch nicht mal eine Woche. Es ist ein kleiner Run und wir waren vorher 2 ½ Monate ununterbrochen zu Hause. Wir beendeten das Album, machten eine kleine Tour in den Staaten und waren seitdem raus aus Allem. Uns wurde zuhause schon fast langweilig und wir waren bereit, zu Touren. Ich würde gerne länger hier bleiben, aber wir müssen zurück und uns darauf vorbereiten, dass das Album herauskommen wird. Wir fliegen nach Hause, haben eine Woche frei und dann geht’s an den Release. Wir touren in den USA und in Kanada im September. Vorher proben, die Produktion dafür ins Rollen bringen, solche Dinge eben.
Abseits von ANBERLIN, warst du vorher schon mal in Europa?
Ich war persönlich schon öfter in Europa. Ich lebte einen Sommer in Spanien, ich war in England, Irland, Schottland, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien. Ich bin schon mit dem Zug durch Deutschland gefahren, allerdings nur dort ausgestiegen, wo der Zug gerade so hielt. Halt nur persönlich, zu Touren ist es ja das erste Mal.
Wie viele Interviews habt ihr hier schon gegeben?
Puuh, keine Ahnung, nicht viele….Wie viele Interviews haben wir hier schon gegeben? (Muss den Roadie fragen, der kurz zuvor den Raum betreten hat und am Notebook sitzt. Von diesem kommt nach kurzer Überlegung ein „Zwei? Eins vor 30 Minuten“?! Alles lacht daraufhin) Ich denke, nicht viele Leute in Europa wissen, wer wir sind. Darum sind wir jetzt hier!
Gibt es eine Situation oder einen Ort auf dieser Tour, der am meisten heraus sticht?
Die Örtlichkeit, in der wir in Schweden gespielt haben, war nicht in Stockholm, sondern einige Stunden außerhalb, in der ländlichen Region. Wir haben dort in einem ….War es ein Hostel? (fragt wieder den Roadie, der zuckt die Schultern) Es war eine Farm, die man in eine Art Hostel umfunktioniert hatte. Es war wunderschön dort und sehr spaßig. Ach ja und letzte Nacht blieben wir im Venue in Chemnitz, welches sehr groß war und Apartments integriert hatte. Wir spielten Verstecken, haha. Wir machten alle Lichter in diesem alten Gebäude aus, sie hatten diesen gruseligen Keller und jeder versuchte, die anderen zu finden, das hat Spaß gemacht. Es klingt kindisch, war aber absolut Furcht einflößend.
Wir haben auf dem Weg von Köln nach Chemnitz und von Chemnitz hierher auch wundervolle Landschaften gesehen, alte Schlösser und solche Dinge an der Straße, Wahnsinn! So was siehst du in den Staaten nicht! Wow, da drüben ist ein Schloss, holy crap, haha!
Werdet ihr heute Abend Cover-Songs spielen.
Ja, wir werden ‚True Faith’ von New Order spielen.
(Alle Live-Fotos copyright by Tomasz Wiśniewski, www. myspace.com/tomek_foto,Fotos von Christian by Zosse)

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