(Victory Records) Es ist allgemein bekannt, dass Gegensätze einander anziehen. Dass dies auch in der Musik der Fall sein kann, beweisen A DAY TO REMEMBER nunmehr schon seit drei Jahren eindrucksvoll. Pop und Hardcore – zwei Musikstile, die auf den ersten Blick als doch etwas schwierig zu vereinbaren scheinen. Doch wer die fünf Jungs aus Florida rund um Frontmann Jeremy McKinnon kennt, der weiß, dass sie es bestens verstehen, diese vermeintlichen Gegensätze zu einem homogenen Ganzen zu formen. Was dabei raus kommt? Ganz einfach: PopCore. Auch auf dem neusten Album „What Separates Me From You“, welches sich ab dem 19.11.2010 in den Plattenregalen tümmeln wird, wird diese eigene Musikschöpfung von dem Quintett wieder eindrucksvoll zelebriert. Das Kontrastprogramm geht gleich mit den ersten beiden Tracks los. Während der brachiale Opener ‚Sticks & Bricks’ erst einmal mit dickem Geshoute und fetten Gitarren-Riffings die Gehörgänge ordentlich frei pustet, werden die gesäuberten Lauschkanäle mit ‚All I Want’ dank der melodisch - treibenden Passagen gleich wieder belagert – und zwar von Ohrwürmern der Gattung „besonders hartnäckig“. Angesichts des genialen Chorus wird es dabei äußerst schwierig sein, sich von selbigen wieder zu trennen. Weiter geht es im Programm mit den recht poppigen Songs ‚It's Complicated’ und ‚This Is The House That Doubt Built’, die, neben den eingängigen Melodien, durch Refrains, die einfach zum Schunkeln einladen, überzeugen können. Dennoch freut man sich, dass es danach mit dem recht kurzen ‚2nd Sucks’ wieder mit Vollgas nach vorne geht: hier wird sogar mal komplett auf cleane Gesangspassagen verzichtet, was aber in keinster Weise stört. Insbesondere, da ‚Better Of This Way’ den Hörer im Anschluss gleich wieder mit wunderbar eingängigen Meoldien und dicken Shout Passagen nach gewohnter „A DAY TO REMEMBER – Art“ verwöhnt. Mit ‚All Signs Point To Lauderdale’ gibt’s dann einen erfrischenden Song à la California – Punkrock auf die Ohren, bevor es danach mit dem kräftig arschtretenden ‚You'll Be Tails, I'll Be Sonic’ weitergeht, der mit dickem Breakdown zum hemmungslosen Headbangen animiert. Meiner Meinung nach ist der Zenit an dieser Stelle leider erreicht. Denn bei ‚Out Of Time’ schlägt die Waage dann wieder recht deutlich in Richtung Pop aus. Auch der letzte Track ‚If I Leave’ weist ähnliche musikalische Tendenzen auf. Zwar gibt es an beiden Tracks wenig zu bemängeln. Es wäre an dieser Stelle aber  sicherlich nicht abträglich gewesen, den Hörer mit einem dem Opener vergleichbaren, ordentlich ballernden Songs aus der musikalischen Achterbahnfahrt zu entlassen. Die Vorfreude auf „What Separates Me From You“ war aufgrund der genialen Vorgänger „For Those Who Have Heart“ und „Homesick“ ungemein groß. Eines steht auf jeden Fall schon mal fest: enttäuscht wurde ich definitiv nicht. Es wird allerdings recht schnell deutlich, dass sich A DAY TO REMEMBER trotz teilweiser Brett-Passagen im Vergleich zu „Homesick“ mehr weg vom „Core“ hin zum „Pop“ entwickelt haben. Ob dies der musikalischen Entwicklung gut tut, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Entscheidung fällt dabei vor allem deshalb so schwer, weil die US-Amerikaner einfach in beiden Bereichen bald schon unverschämt gute Arbeit leisten. Sicherlich ist dies auch ein Grund, warum es A DAY TO REMEMBER in den vergangenen Jahren zu einem enormen Bekanntheitsgrad geschafft haben und mehr als eine halbe Millionen Platten weltweit an den Mann und die Frau gebracht haben. Insgesamt lässt sich an „What Separates Me From You“ nur wenig kritisieren. Ein rundum gelungenes, stimmiges Album, das sich hinter seinen musikalischen Vorgängern in keinster Weise verstecken muss, aber auch nicht darüber hinaus wächst. Für mich aber nichtsdestotrotz eine der Scheiben des Jahres. Good Job, Guys! Album-VÖ: 19.11.2010