In Deutschland geht es stramm auf den Winter zu. Es friert hier ein bisschen und schneit dort, aber trotz aller Widrigkeiten lassen es sich satte vier Kombos nicht nehmen, in der Meier Music Hall zu Braunschweig, das Herz ihrer Fans zu erwärmen. Und die Vorzeichen könnten unterschiedlicher nicht sein, sind doch die Musikstile der Bands nicht ganz als konform zu bezeichnen. Den Anfang machen die Kalifornier von VENGINCE. Eine Band, die bereits mit Stuck Mojo und Ektomorf durch unsere Gefilde tourte und schon damals relativ wenig Verzückung bei den Fans verursachte und auch diesmal eher beiläufig vom Bierstand aus beobachtet wird. Man kann den Jungs ihre Bemühungen sicherlich nicht absprechen, aber die zusammen geschusterten Machwerke wirken alles andere als homogen und haben etwas von Norma Jean für Arme. Kann man getrost vergessen. Das erste Highlight des Abends soll nun mit BREED 77 folgen. Wie diese Jungs ins Aufgebot passen, will mir zwar nicht in den Kopf, aber irgendwie schaffen sie es dann doch, sich in das ein oder andere DEVILDRIVER-Fanherz zu spielen. Ein Sammelsurium aus den wichtigsten Dekaden an Songs kommt heute zum Einsatz, allerdings mit dem Hauptaugenmerk auf dem aktuellen Longplayer. Songs wie der Titeltrack 'Insects', 'Wake Up' und der Cranberries-Klassiker 'Zombie' sind da natürlich Pflicht und lassen den Fünfer aus Gibraltar mit Wohnsitz in England mit einem guten Gefühl von der Bühne. Leider mit einer guten halben Spielstunde sehr knapp bemessen. Das letzte Mal im Sommer in Deutschland auf Tour, unter anderem auf dem Vainstream in Münster, entern nun die 36 verrückten Fäuste die Stage der Music Hall. Die Vier aus Alaska wollen anscheinend von Anfang an in Sachen Tempo mit dem Headliner in Konkurrenz treten und blasen gleich richtig zur Attacke. Eigentlich fast ein bisschen schade, wenn man bedenkt, dass das Songmaterial eher auf Tightness denn auf Geschwindigkeit aufgebaut ist. So werden Nummern wie 'The End Of August', 'I ll Go Until My Heart Stops' oder 'All Night Lights' zu echten “Rennern” und das nicht unbedingt im positiven Sinne. Was die Stageaktivität angeht, kann man Brook Lindow und Co indes keinen Vorwurf machen, kommen sie doch gewohnt sympathisch daher und lassen keinen Zweifel aufkommen, dass sie richtig Bock auf diese Tour haben. Braunschweig ist ja nur der Anfang der Clubtour durch Germany. Aber bitte auf den kommenden Gigs alte Tugenden wahren. Kommen wir nun zum Mainact des Abends. Die Jungs von DEVILDRIVER unter der Leitung ihres Masterminds Dez Fafara betreten die Bühne und unter tosendem Applaus und einem wummernden Intro haben wir nun die erste Band des Abends, die einfach das tut, was sie am besten kann. Leute wegblasen nämlich. Von Minute eins bis zum Ende des Abends wird gepost, geblastet und für gute Unterhaltung der düsteren Art gesorgt. Songs aller vier Scheiben kommen dabei zum Einsatz und werden von ihren Fans frenetisch abgefeiert. Und Mr. Fafara macht natürlich das, was ihn außer seiner unverkennbaren Stimme auszeichnet und ihn schon zu seeligen Coal Chamber-Zeiten so charismatisch machte, einfach unglaublich true in seiner Rolle als Frontmann aufzugehen und das Publikum einfach mit zu reißen. DEVILDRIVER ist und bleibt eine Livemacht und zu Recht das große Aushängeschild ihres Genres. Braunschweig liebt die Jungs aus Santa Barbara, wo es gerade deutlich wärmer ist, als in good cold Germany (Und deutlich schöner! Ich liebe diesen Ort! - Zosse). (Alle Fotos Copyright Pierre Heinemann)