Als Nord-Hannoveraner bin ich natürlich nicht grad ein Fan von der Stadt die mit B anfängt und mit raunschweig aufhört. Eins muss man der Stadt aus dem östlichen Niedersachsen allerdings lassen. Es gibt geile Clubs hier. Sowohl die Meier Music Hall, als auch das B58 sind Top-Adressen und bieten Bands der kleinen und mittleren Gewichtsklasse genug Möglichkeiten, sich zu präsentieren. Heute ist das Kultur- und Jugendzentrum B58 Gastgeber von Hard- und Metalcore par Excellence. Waren auf dem Flyer noch vier Combos angekündigt, sind vom Veranstalter kurzerhand noch drei deutsche Vertreter mit ins harte Boot geholt worden. Da ich in dieser Hinsicht nicht gerade zu den freudig überraschten Besuchern hinsichtlich des unnötig aufgeblähten Programms gehöre, fasse ich die drei Supports kurz und knapp zusammen. Sowohl BEDLAM BROKE LOOSE, als auch DISTANCE IN EMBRACE und GO DOWN THE DRAIN machen ihre Sache ordentlich bis gut und haben zu Recht den Achtungs-Applaus auf ihrer Seite. Aber nun zu den Schwergewichten des Abends. LETLIVE aus dem US-Staat Kalifornien sind der erste Gradmesser und obwohl man zu Beginn ihres Auftritts denkt, das Unterfangen auf der Bühne gehört noch zum Soundcheck, so wird schnell deutlich, wie kurios chaotisch der Auftritt des Fünfers werden wird. Besonders die Performance von Fronter Jason Aalon Butler sucht dabei ihres Gleichen. Man hat ja in vielen Jahren diverser Konzerte schon so einiges erlebt, aber was dieser Deibel von der Tarantel gestochen hier abliefert, hat man so noch nie gesehen. Apropos gesehen, wo befindet sich der  Sänger einer Band normalerweise? Genau, on Stage. Und genau dort hielt sich Butler am aller seltensten auf. Er springt in die Menge, rennt vor der Bühne auf und ab, umarmt diverse erstaunte Zuschauer, macht einen Spagat, wirft sich Fäuste hämmernd auf die Erde wie ein bockiges Kind, oder schmeißt das Mikro durch die Gegend, dass es eine wahre Freude ist. Keiner der Anwesenden traut sich, auch nur einen Meter vor die Bühne. Nach ca. 30 Minuten ist der wütende Zauber aus Math-/Hard-/Melodic-/Post-/ChaosCore vorbei und zurück bleiben offene Münder, meiner inklusive. Etwas oldschooliger wird es nach kurzer Umbau- und Bierpause mit BREAK EVEN. Der Bekanntheitsgrad des Vierer aus Australien ist extrem hoch und die Menge ist textsicher von Anfang bis Ende. Frontmann Mark Bowden kommt dabei sehr sympathisch daher und bedankt sich brav nach jeder Nummer, um dann wieder Vollgas zu geben. Starke Leistung, allerdings dezent unspektakulärer als ihre Vorgänger am Abend. Wenn wir nun etwas klassifizieren würden, so haben wir mit den ersten drei Bands die dritte Liga, mit den beiden Letzteren die Aufstiegsplätze zur ersten Liga gesehen. Daher wird es nun Zeit zur unangefochtenen ersten Liga in Sachen Hardcore zu kommen und den Start zum Endspurt macht nun mit STICK TO YOUR GUNS die Combo, auf die ich mich an diesem Februar Abend am meisten gefreut habe. Mit "The Hope Divison" unlängst ihr Meisterstück abgeliefert, war man gespannt, ob die Jungs diese Energie gepaart mit fantastischen Melodien auch Live ihren Fans so kredenzen können. Und eines sei vorweg gesagt: Sie sind die Gewinner des Abends. Das Publikum kann gar nicht mehr steiler gehen und die Bühne ist schon lange kein Tabubereich mehr. Ordentliches Stage Diving und ausgelassener Pogo inklusive. Was auch lobend zu erwähnen ist an diesem Abend, so sind netterweise auch die Roundkicker die kleine Ausnahme und es wird mehr gefeiert als gehauen. Sänger Jesse Barnett ist sichtlich beeindruckt vom Publikum und zeigt seinen Spaß in einer Spitzen Darbietung. Auch die prägnanten melodischen Parts sitzen live auf den Punkt und so bekommen STICK TO YOUR GUNS den Melodiepreis im B58 noch gleich obendrauf. Geil, geil, geil. Obwohl ich die Meisterschaft bereits vorweg genommen habe, heißt es natürlich nicht, dass YOUR DEMISE als Headliner weniger taugen. Wobei einem ein bisschen Angst und Bange beim Start der finalen Band aus The South, England ist. Wo sind die ganzen Leute auf einmal hin? Hat man doch eine Menge STICK TO YOUR GUNS-Shirts im Vorfeld gesehen, so werden die doch nicht schon den Heimweg angetreten haben? Dem Hardcore Gott sei dank nein. Lediglich eine längere Umbaupause ist wohl vom Volk erwartet worden. Fünf Minuten nach Beginn von YOUR DEMISE wurde es dann voll und die Party konnte in die letzte Runde gehen. Mit neuem Sänger und toller neuer Scheibe im Gepäck zeigt der Fünfer  gleich mal wo der Oldschool Hammer hängt und beißt das Publikum in den Allerwertesten. Crowdsurfen gehört dabei ebenso zum guten Ton, wie das mitgrölen der Gangshouts. Sehr intensive und mitreißende Vorstellung der Hardcore-Aushängeschilder. Alles in allem ein sehr langer, aber brutal guter Abend für Bands und Zuschauer gleichermaßen mit den Punktsiegern von STICK TO YOUR GUNS. Der Sonderpreis für die kurioseste Performance geht hingegen klar an LETLIVE. By the way: Wer Bock hat einen von mir gefilmten Live Track von STICK TO YOUR GUNS zu schauen, folgt dem Link. Have fun.
(Alle Fotos copyright by Pierre Heinemann)