(Lifeforce Records) Das Gefühl, welches mich beim Konsum vom „Bizarro World“, dem kommenden DEADLOCK-Album übermannt, kommt fast an das Erlebnis heran, als ich 'Strange Machines' von The Gathering's „Mandylion“ 1994 zum ersten Mal hörte. Anneke van Giersbergen's Stimme traf mich mitten ins Herz. Gänsehaut überfällt mich auch jedes Mal, wenn ich „Bizarro World“ von Anfang an höre. Der Opener 'Virus Jones' entfaltet seine hypnotische Wirkung ab dem Moment, in dem Sabine Scherers (vormals Weniger) Organ ertönt. Von da an will, quatsch, darf (!) der Song nicht mehr aus dem Ohr. Kein Witz, der Refrain ist mehr als hartnäckig,  befindet sich permanent in meiner Hirnrinde und wird zum ultimativen Tages-Begleiter. Aber nicht nur diesem Stück ist das Ohr des Zuhörers extrem zugetan, mit dem folgenden 'State Of Decay', der auch als erster Song der Öffentlichkeit via Download zugänglich gemacht wurde, wirft man in Punkto „Sabine verursachendes Ear-Candy“ noch diverse Schüppen ins Langzeit-Feuer. Der Leser dürfte anhand dieser Sätze schon erahnen, dass DEADLOCK Sabines Stimme 2011 mehr Präsenz einräumen, als es noch auf „Manifesto“ der Fall war. Und diese Präsenz beherrscht zwei Songs, nämlich 'State Of Decay' und den Abschlusstrack der Scheibe, 'Paranoia Extravaganza', zu 100 Prozent. Die Growls von Frontbrüller Johannes Prem bleiben bei diesen beiden Tracks außen vor. Und dadurch gewinnt man einerseits enorm an Variabilität, andererseits setzt man sich eindeutig von stilistisch ähnlich agierenden Acts ab. Den Großteil des Materials teilt man sich im Hause DEADLOCK heuer aber gleichmäßig auf. „Bizarro World“ ist im Gros straight und eingängig, im Detail aber sehr spielerisch. Um noch einige Beispiele zu nennen: Songs wie 'Brutal Romance' starten als Uptempo-Riff-Gewitter, Johannes growlt tief und böse, im Refrain setzt Scherer mal wieder das gewisse Etwas und veredelt den Song zur Hymne. Die Lead-Gitarre setzt hier und da spielerische Finessen, die nächste Song-Granate ist zum Auskoppeln bereit! 'Renegade' wartet mit Trance-Parts auf, wie sie Enter Shikari so gut beherrschen, Growls dominieren die Strophen und werden durch die Refrains gut aufgelockert. 'Htrae' erinnert von Scherers gesanglichem Aufbau wieder extrem an The Gathering, die Gitarre wuchtet ein fettes Riff-Pfund, Prem brüllt ein weiteres brutales Pfund darüber, bis der Song wieder ins Einschmeichelnde zurückfällt. Nach dem orchestralen Interlude „Bizarro World“ beschließt das wunderschöne und stille 'Paranoia Extravaganza' ein Album, welches sich noch lange in meinem CD-Player befinden wird. Und in meinem Kopf! Ganz großes Kino! DEADLOCK von nun an als DAS Aushängeschild des Lifeforce Records-Rosters zu bezeichnen dürfte sich mit „Bizarro World“ von selbst verstehen. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass wir hier eine Band vor uns haben, die in Übersee so richtig durchstarten könnte. Erfolge von Bands wie Lacuna Coil könnte die Combo aus dem Osten der Republik pulverisieren, vorausgesetzt, das Label macht alles richtig. Okay, vom Härtegrad spielen DEADLOCK ja auch in einer etwas höheren Gewichtsklasse, aber das sollte kein Hinderungsgrund sein. DEADLOCK sind eine Bereicherung der Musiklandschaft, nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch auf internationaler Ebene und lockern das eingefahrene MetalCore-Genre (zu dem man ja eigentlich auch nicht wirklich gehört) mit seinen Jekyll und Hyde-Gesängen durch den Male / Female-Gesangs-Wechsel enorm auf. Wurden System Divide schon dankbar von mir aufgenommen, schaffen es DEADLOCK mit ihrer „die Schöne und das Biest“-Gesangsaufteilung (außer natürlich bei den genannten Songs) und dem dramaturgischen Aufbau ihrer Kompositionen, die Krone in diesem Ressort für sich zu beanspruchen. Kampflos! Album Nummer Fünf: High Five und volle Punktzahl von meiner Seite!!! Wer nach diesem Werk noch von sich behauptet, dass aus Deutschland nichts Eigenständiges und Innovatives kommt, den sollte man mit dem Stirn-Tattoo „keine Ahnung von einheimischer Musik“ versehen! Album-VÖ: 28.02.2011