von Hilmar Bender (Ubooks) Kann man einen treuen KREATOR-Fan der ersten Stunde noch mit noch nie gehörten Geschichten hinter dem Ofen hervorlocken? Als ich das Buch "Violent Evolution - Die Geschichte von KREATOR" vor mir liegen hatte, da gingen mir gleich mehrere Fragen durch den Kopf. 1.) Wie kann jemand mit einem Rautenmuster-Pullunder über die größte Thrash-Metal-Band Deutschlands schreiben? Der Typ, der auf den Namen Hilmar Bender hört, ist ja so gar nicht Metal... Darf der das? 2.) Gibt es noch eine Geschichte über KREATOR, die noch nicht in einem Interview  oder Special behandelt wurde und von mir gelesen wurde? Nun aber ran an den Stoff... und ich muss sagen, die Geschichten und kleinen Anekdoten sind echt unterhaltsam erzählt und laden geradezu ein, sich wieder 25 Jahre zurück zu erinnern. Wie hat man diese Zeit selbst empfunden, in der sich KREATOR von kleinen Schuljungen zu einer der bedeutendsten Thrash Bands entwickelt hat? Das Buch fängt wirklich in der Kindheit bei Stunde Null an, das erste Zusammentreffen von Mille und Jülle, die erste Metal-Erfahrung auf Kiss-Konzerten und die daraus resultierende Entscheidung, selber harte Musik zu machen. Es würde jetzt hier den Rahmen sprengen, auf einzelne Auszüge einzugehen, da jede Geschichte super interessant ist. Die ersten Auftritte, die Zusammenarbeit mit dem zur gleichen Zeit gegründeten Walterbach Label "Noise Records", die genialen Ideen, den Wehrdienst zu umgehen, die 90er Jahre Krise durch die "experimentellen" Alben oder der zweite Frühling ab der "Violent Revolution" sowie die echt witzigen Anekdoten des KREATOR-Managers "Boggi" sind total unterhaltsam und laden oft zum Schmunzeln ein. Fazit: Sehr cool ist, dass wirklich jeder, der irgendwie in die KREATOR-Familie involviert ist / war, zu Wort kommt, so dass man die komplette Bandbreite der Entstehung nachvollziehen kann. Einziger Kritikpunkt ist, dass man sich in der Vergangenheit wenigstens mal mit der Band KREATOR auseinandergesetzt haben sollte, um die Erzählstränge nachvollziehen zu können, da man in manchen Absätzen teilweise erst nach einigen Seiten erfährt, wer dort diese Geschichte gerade erzählt. Das ist manchmal etwas verwirrend und wird mit einem Punktabzug "bestraft". Aber im Großen und Ganzen ist das Buch eine sehr gut recherchierte und geschriebene Geschichte über die größte und beste Thrash Band, die wir je hatten. Und auch die Schlussworte von Mille lassen die Fans aufhorchen und hoffen, dass nach der grandiosen "Hordes of Chaos"-Scheibe noch mit einer geplanten Steigerung zu rechnen ist. Danke dafür! Und um die beiden einleitenden Fragen zu beantworten: 1.) Ja, darf er. Hilmar Bender ist mit Mille zusammen im Ruhgebiet aufgewachsen und sie sind zusammen auf die gleichen Konzerte gegangen. Obwohl sie sich erst sehr viel später persönlich kennengernt haben. Jemand, der sich die Arbeit macht, um eine 30-jährige Evolution einer Band, die ja immer noch klar in einer gesellschaftlichen Nischen-Ecke steht, aufzuarbeiten, verdient mehr als den nötigen Respekt. Hut ab! 2.) Auch das kann man wohlwollend mit JA beantworten. Ein Großteil der Geschichten und bandeigenen Erinnerungen waren auch mir als Die-Hard-Fan nicht in vollem Umfang bekannt. Dieses Buch sollte bei keinem KREATOR-Fan in der Büchersammlung fehlen. Buch-VÖ: 14.03.2011