(Sony Music) Mein Jahr 1997 wurde musikalisch von „Harter Männer-Musik“ Marke Crowbar regiert, die zu diesem Zeitpunkt zu meinen absoluten Faves gehörten. Als mir Zappo damals in seinem Auto immer INCUBUS mit ihrem „S.C.I.E.N.C.E.“-Album aufzwang, war ich von der funkigen und quirligen Musik eher genervt. Aber INCUBUS brachten sich ins Langzeitgedächtnis. Und ich musste mir das Album, welches ich damals zwecks Rezension zugeschickt bekam und dann Zappo überließ, ganz schnell neu besorgen! INCUBUS öffneten mein Ohr wieder für die Crossover-Töne und sollten dann bis zur „Morning View“-CD aus 2002 bleiben. Obwohl es vom Verrücktheits-Grad immer weiter bergab ging und immer weiter mit Sieben-Meilen-Stiefeln in Richtung Mainstream! „A Crow Left Of The Murder“ (2004) und „Light Grenades” (2006) stehen dann auch nur aus Gründen der Komplettheit im heimischen Regal, die Singles ‚Megalomaniac’ und ‚Anna-Molly’ waren gut für den Floor, reichten aber auch als Standort-Bestimmung für die jeweiligen Alben. Die Compilation „Monuments And Melodies“ habe ich ….Moment, kurz gecheckt … mir schon gar nicht mehr besorgt. Das Interesse nahm gen Null ab! Nun liegt mir „If Not Now, When?“ vor und ich muss sagen. Ich bin überrascht! Diese Band hat sich fast zu 100 % von dem entfernt, was sie einst ausgemacht hat. Aber das ist keineswegs schlecht! INCUBUS 2011 sollte man wirklich als ganz neue Band betrachten, dann kann man dieses Album als das nehmen, was es ist: eine Neuerfindung! Irgendwo habe ich gelesen, dass die Band in 2011 nicht mehr rockig sei, weil Rock gerade nicht mehr in ihr Leben passe. Okay, das ist wenigstens ehrlich. Wie genau klingt denn nun „If Not Now, When?“ Minimalistisch, romantisch, aufgeräumt, atmosphärisch, chillig! Man fragt sich wirklich teilweise, wo die Gitarren abgeblieben sind und warum die Band sich nicht von einem Teil der Belegschaft verabschiedet hat. Aber dann blitzen im nächsten Track wieder einige kleine Saitenrupferchen durch und der Gedanke verfliegt. In ‚The Original’ darf die Gitarre auch mal dezent verzerrt klingen, ansonsten regiert fast ausschließlich der Uni-Klang. Melancholisch, gleichförmig, sentimental, aber meist interessant gestaltet. Einzige Ausreißer sind gen Ende das groovige ‚Switchblade’ und ‚Adolescents’, der in Richtung von Stücken wie ‚Are You In’ und ‚Drive’ geht und wie eine Mixtur aus diesen klingt. Man könnte gemein sein und „If Not Now, When?“ als „Fummel-Musik“ verschreien, das würde dem Album und der Band aber nicht gerecht werden. Musik zum Kuscheln und für gemeinsame Stunden zu Zweit liefert dieser Longplayer aber allemal! Aber das ist etwas zu wenig von dieser einst wegweisenden Combo! Album-VÖ: 08.07.2011