(Roadrunner Records) Schon länger sind die amerikanischen Jungs von TRIVIUM keine stählernen Hatebotschafter mehr, dafür liegt ihre Stärke in der Kontinuität. Und das ist durchaus positiv gemeint. Auf ihrem neuen Eisen „In Waves“ zeigt sich jedenfalls, dass seit „Shogun“ (2008) beschrittene Pfade jetzt tiefer eingetreten wurden. Weniger Core, dafür mehr Anspruch an die Melodie bestimmen das Gesamtbild der Metalband aus Florida. Dabei wird das zuerst gar nicht so offensichtlich, denn das Album legt nach einem vorbereitenden Intro einen geradezu bombastischen Anfang vor. Das heiser gebrüllte ‚In Waves’ ist tatsächlich das Kraftvollste, was man auf dem neuen Album erwarten darf. Hier wurden fast alle Energie und Kreativität verballert, denn die restliche Platte schafft es mit einer Ausnahme nicht, mit der geballten Power des zweiten Tracks mitzuhalten. Bei ‚In Waves’ setzt Frontmann Matt Heafy sowohl an der Gitarre grandiose Akzente, als auch stimmlich die Latte ziemlich hoch. Hätte man doch den Titelsong nicht gleich an den Anfang verlegt, aber das war halt ein Fehler. Immer wieder changiert Heafy unmittelbar zwischen Growlen (‚Dusk Dismantled’) und silberklarem Gesang (‚Black’), was, Gott sei Dank, selten in nölendes Gejammere abdriftet. Zwar möchte ich auf keinen Fall andeuten, TRIVIUM hätten etwas mit symphonischem Metal am Hut, aber hier und da grüßen doch deutlich Devin Townsend (etwa in seiner „Accelerated Evolution“-Phase) oder gar Ayreon das Publikum. Doch wie so häufig liegt die Schwäche vieler Alben erst in der Mitte. So wirkt zum Beispiel ‚Watch The World Burn’ in Lyrics und Aufbau wie ein notdürftiger Lückenfüller und zieht auch sonst an meinem Ohr vorbei wie ein Fliegenfurz, nämlich unbemerkt... Erst ‚Chaos Reigns’ reißt mich aus der auditiven Lethargie wieder raus; hier spielen Härte und komplexe Motivführung hervorragend zusammen, was man erst im zweiten Hördurchlauf wirklich wahrnimmt. Aber auch viel gesetztere Tracks wie ‚Built To Fall’ und das balladeske ‚Of All These Yesterdays’ beweisen, dass TRIVIUM sich nicht mehr auf Hardcore beschränken, sondern zunehmend mit dem Mainstream kokettieren. Was „In Waves“ nicht zwangsläufig schadet. Zwar kehrt die Band nach einem ausgedehnten Seether-Ausflug immer brav zurück ins beinharte Heimgefilde, bloß entpuppt sich diese songabhängige Rückbesinnung eher als Höflichkeitsbesuch denn als Genre-Berufung. Die Rezeptur hat sich seit dem letzten Album also wenig verändert. Fans der ersten Alben werden vermutlich ihre Probleme mit „In Waves“ haben, Neuzugänge freuen sich über die vertrauten Anleihen zu dieser oder jener Lieblingsband. Album-VÖ: 05.08.2011