YELLOWCARD endlich wieder unterwegs in Deutschland! Nach zweijähriger Pause melden die Jungs aus Florida sich mit dem aktuellen Album "When You're Through Thinking, Say Yes" zurück und haben nichts an Spielfreude und eigenem Stil eingebüßt. Grund genug, bei ihrem Headliner-Konzert in Berlin mal ein paar Worte mit Sänger und Texter Ryan Key zu wechseln. Der sympathische Star-Wars-Fan sagt uns, warum die Pause nötig war, warum er gerne Liebeslieder schreibt und was es mit den deutschen Fans auf sich hat. Was habt ihr in Deutschland schon alles gemacht. Gar nichts. Nur Festivals gespielt, oder? Ja, wir haben irgendwo im Nirgendwo Festivals gespielt und ein paar Bands zugesehen und tolle Musik gehört. Wir haben Face To Face ein paar Mal gesehen, was toll für uns war, weil das eine Band ist, die wir schon als Kids so sehr geliebt haben. Wir haben auch The Offspring, NOFX und 30 Seconds To Mars gesehen. Das war sehr cool, weil sie so eine Riesenshow haben. Wir sind heute irgendwann in Berlin angekommen, ich weiß gar nicht genau wann, wir mussten um 6.30 Uhr aufstehen, um die Fähre zu kriegen [Sie haben am vorherigen Abend in Kopenhagen gespielt] und haben dann alle bis 15 Uhr ausgeschlafen. Werdet ihr denn bald wiederkommen? Ich habe einige Europatermine im Dezember gesehen, aber bisher keine für Deutschland. Keine? Wir haben jetzt diese zwei kleinen Clubshows und ein paar Festivalauftritte hier [Area4 und Highfield], das wird der Grund sein, warum wir nicht im Dezember wiederkommen. Aber wir kommen definitiv zurück nach Europa. Es ist verrückt, so schnell hintereinander wieder herzukommen, wir haben das noch nie gemacht. Wir fahren zu vielen Orten, an denen wir noch nie waren, ich denke, wir wollen bei diesen beiden Europa-Aufenthalten an so vielen Orten wie möglich auftreten. Ihr habt vor ein paar Jahren eure Deutschlandtour abgesagt und dann habt ihr euch eine Auszeit genommen.  Darüber waren alle Fans natürlich traurig, müssen sie sich in Zukunft wieder auf so etwas vorbereiten? (lacht) Nein, nein, nein, nein. Da ist keinerlei Pause in Aussicht. Wir reden schon darüber, ein neues Album aufzunehmen. Dabei kam dieses ["When You’re Through Thinking, Say Yes"] ja gerade erst raus. Wir wollen weitermachen und so viel veröffentlichen, wie wir können und dahin zurückkehren, wo wir waren. Heute Nacht ist toll für uns. Es waren 5 Jahre oder ein bisschen mehr, seit wir hier waren. Die Show war ursprünglich in einem kleineren Club, den wir, glaube ich, ausverkauft haben, deshalb wurde sie in einen größeren verlegt. So eine Sache, wenn man drei Jahre weg war, lässt dich richtig glücklich darüber sein, zurückgekommen zu sein und weiterzumachen. Du hast ein neues Album erwähnt, plant ihr das nur, oder habt ihr im Vorfeld schon Songs? Nein, gar keine. Vielleicht Überreste vom letzten Album? Hmm, nicht wirklich, sowas machen wir eigentlich auch nicht gerne, wir möchten lieber ins Studio gehen und alles neu kreieren.  Außer wir haben etwas, was wir wirklich lieben…da könnte es schon was geben, aber nichts Richtiges. Vielleicht nächstes Jahr, wenn wir anfangen zu schreiben. Das klingt ja nicht, als ob ihr euch ausruhen würdet. Ich persönlich hatte ja den Eindruck, dass eure Auszeit auch dadurch passieren musste, dass ihr ziemlich schnell nacheinander Alben veröffentlicht habt und so viel getourt seid. Da war ich jetzt überrascht, als ich die vielen neuen Tourdaten gesehen habe. Naja, die beiden Alben, die so schnell nacheinander, also am schnellsten nacheinander kamen, waren ja „Lights And Sounds“ und „Paper Walls“. Also „Lights And Sounds“ war wohl für das Label so etwas wie eine kommerzielle Enttäuschung in den Staaten, denn es war der Nachfolger eines Albums, das fast Doppelplatin erreicht hätte [„Ocean Avenue“]. Es verkaufte sich ein paar  100.000 Mal, was immer noch unglaublich ist, es ist der Wahnsinn, wenn man zwei- oder dreitausend Alben verkauft. Aber es gab nicht mehr viel, was wir damit anfangen konnten, also gingen wir gleich zurück ins Studio und schrieben „Paper Walls“. Und als das Album dann veröffentlicht wurde, hat die Plattenfirma um uns herum ziemlich zugemacht. Niemand, der mal mit der Band gearbeitet hatte, arbeitete dort noch. Es gab einen neuen Präsidenten, einen neuen A&R-Typen, neue Videoperson, neues Alles. Es funktionierte also einfach alles nicht. Als wir uns dann zu der Pause entschlossen, dachten wir „Okay, dieses Album funktioniert eindeutig nicht richtig, wegen Umständen, auf die wir überhaupt keinen Einfluss haben. Niemand unterstützt es, promotet es, oder tut irgendwas. Entweder wir gehen sofort zurück ins Studio, machen ein neues Album  - „Paper Walls“ ist erst 6 Monate draußen - oder wir distanzieren uns mal von all dem, bevor wir uns oder anderen an die Gurgel gehen.“ [verlegenes Lachen] Okay. Du bist ja der Songwriter, mich würde mal interessieren, ob es den perfekten Ort und die perfekte Zeit und Stimmung für das Schreiben gibt. Ich habe nicht wirklich ein festgelegtes Ritual oder so dafür. Ich ziehe es vor, nachts zu schreiben und es ist ganz nett, ein oder zwei Gläser Wein bei dir zu haben, wenn du schreibst, aber nichts Verrücktes. Ich muss mich nicht in Trance versetzen oder so (lacht). Und wenn du mal eine flüchtige Idee oder so hast,  schreibst du sie dir auf? Wenn  ich in den Schreib- und Aufnahmemodus komme, ja. Davor schreibe ich nicht viel. Ich mag den Druck ganz gerne, zu wissen, dass alles zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein muss, zu wissen dass gleich damit weitergearbeitet wird.  Also wird so ziemlich alles am selben Ort zur selben Zeit geschrieben, das macht es für mich zu einer besseren Aufnahme. Deshalb konzentriere ich mich zur Zeit eigentlich gar nicht aufs Schreiben, aber nächstes Jahr, oder wann immer wir entscheiden, von der Straße runter und rein ins Studio zu gehen, werde ich mich gleich wieder hineinstürzen und die ganze Zeit schreiben. Aha, also ich habe ja gelesen, dass du die Zeile „When You’re Through Thinking, Say Yes“ schon länger im Kopf hattest und wusstest, dass sie perfekt für einen Song wäre, sie aber nicht richtig einbauen konntest und sie deshalb als Albumtitel verwendet wurde. Deshalb hielt ich dich für einen „Sammler“, der sich gute Ideen aufhebt. Bei den Lyrics mache ich das tatsächlich häufig, also DAS schreibe ich schon im Vorfeld. Manchmal hole ich dann mein Notizbuch raus und schreibe eine Art Bewusstseinsstrom hinein, überhaupt nicht organisiert, oder miteinander verbunden, ich schreibe dann einfach so lange ich kann. Und dann lese ich das nach einem Monat oder so noch einmal und unterstreiche dann Zeilen, die ich mag, also von denen ich weiß, dass es eindeutig Dinge sind, über die ich schreiben möchte. Das mache ich seit Jahren so. Eure Songs scheinen sehr persönlich und ehrlich zu sein; ich weiß, dass auch einige autobiographische dabei sind, schreibst du manchmal auch nur mit einer Art „lyrischem Ich“ oder  sind die Songs ausschließlich von deinem eigenen Standpunkt aus über eigene Erlebnisse? Nein, ich schreibe schon ziemlich viel außerhalb meiner eigenen Person. Ich schreibe über einen Film oder ein Buch oder  die Beziehung von jemand anderem. Oft sind es die Songs der Band, die die Fans von Anfang an geliebt haben. Jene, die von Beziehungen handeln, ich meine die klassischen, besten Rocksongs der Welt sind über ein Mädchen geschrieben worden, das man nicht haben kann, eins, das einem das Herz gebrochen hat. Und das habe ich gerade in meinem Leben nicht und hatte es auch seit vielen Jahren nicht. Aber ich schreibe immer noch gerne darüber  - denn viele meiner Lieblingssongs aller Zeiten handeln davon - aber ich benutze dafür andere Menschen. Gibt es denn einen Song, den du gerne geschrieben hättest? Wir wissen ja jetzt, dass es ein Liebeslied wäre. So viele. (Überlegt angestrengt) Ja, ich wünschte wirklich, ich hätte ‚My Hero‘ geschrieben. Oder auch 'Basket Case'. Ich wünschte, ich hätte ‚Smells Like Teen Spirit‘ geschrieben (lacht). So viele. Okay, also eher die üblichen Verdächtigen. Naja, es ist eben so. Ich bin einfach ein Riesenfan von großem Poprock,  ich weiß nicht viele Underground-Independent Rockbands, deren Musik ich besonders verfolge. Versteh‘ mich nicht falsch, es gibt eine ganze Menge Bands, die ich liebe, die nicht Mainstream und supererfolgreich sind, aber ich bin mit Popmusik aufgewachsen, nicht mit Independent-Undergroundmusik. Ich bin ein großer Fan der Foo Fighters, von Nirvana und Green Day. Ich liebe diese Bands. Kannst du uns mehr dieser unbekannteren Band verraten? Ich frage immer gern nach neuen oder unbekannten Bands. Also sie sind nicht neu. Ich bin großer Fan einer Band namens Explosions In The Sky. Das ist wahrscheinlich gerade eine meiner Lieblingsbands. Aber auch Band Of Horses. Ich liebe Ryan Adams, nicht BRYAN Adams! (lacht). Also besser Ryan Adams And The Cardinals. Viel  merkwürdige Countrymusik wie Gillian Welch und Alison Krauss, ich suche immer nach solcher, nicht radiotauglicher Countrymusik, sondern so etwas  wie Willy Nelson, eben älterer Countrymusik. Ja, also ich mag einfach große, massive „Popsongs“, wie 'My Hero', die auf der ganzen Welt Riesenhits waren und Generationen von Menschen angesprochen haben. Was ist denn dein Lieblingssong von Yellowcard? Hmm, ich liebe 'Gifts And Curses', den haben wir vor fünf oder sechs Jahren für einen Filmsoundtrack geschrieben [Spiderman 2], ich habe den Song über Peter Parker und Mary Jane geschrieben. Das ist einer meiner Lieblingssongs. Gut, ich hab noch allgemeinere Fragen: Wolltest du schon immer in einer Band spielen oder Sänger werden? Nein. Ich wollte Schauspieler werden, ich ging aufs College, um Theater zu studieren. Ich weiß auch nicht, wie ich hierbei hängen geblieben bin. Ich wünschte, ich hätte schon immer Sänger sein wollen, denn wenn ich damals gewusst hätte, dass ich das heute machen würde, hätte ich mehr an meiner Stimme gearbeitet. Ich habe nicht wirklich gelernt, meine Stimme zu nutzen oder gut zu singen bis 2006/2007. Den ganzen „Höhepunkt“ der Band über hatte ich gar keine Ahnung, was ich tat. Mir heute Livevideos aus der Zeit anzuschauen, macht mich einfach total fertig (lacht). Ich war einfach nicht der beste Sänger. Ich glaube, ich habe das im Studio schon ganz ordentlich gemacht, aber live war ich einfach nicht da, wo ich hätte sein sollen. Aber jetzt fühle ich mich jeden Abend sehr sicher/zuversichtlich, wenn ich auf der Bühne bin. Deshalb wünsche ich mir, dass ich das als Kind schon gewusst hätte, denn dann hätte ich mich mehr darauf konzentriert, ein Sänger zu sein, aber ich wusste nicht, dass es das sein würde, was ich mal mache. Habt ihr noch fertige Songs, die ihr gerne als B-Sides veröffentlichen würdet, obwohl ihr ja nicht gerne „recycelt“? Wir haben noch einen Song, der aber nicht fertig ist. Eigentlich haben wir bisher nur die Drums aufgenommen, glaube ich, oder doch noch Gitarren und so, ich weiß es nicht genau. Das war eigentlich ein Song, an dem ich gearbeitet habe, als ich in dieses Nebenprojekt, neue Band oder was auch immer hatte, in der ich mit Sean, unserem neuen Bassisten, war. Es war einer unserer Songs, er heißt 'Empty Street'. Hoffentlich können wir den fertigstellen und veröffentlichen. Ich hab mir ein paar eurer Tourvideos angesehen und darunter war ein ganz verrückter Clip aus Brasilien. So etwas wird es hier nicht geben. Im Gegenteil, sagt man uns Deutschen, glaube  ich eher kontrolliertes Verhalten nach, was leicht mit gelangweilt sein verwechselt werden könnte. Wie sehr stellt ihr Unterschiede zwischen Fans aus verschiedenen Ländern fest? Ja, also Südamerika ist da sehr einzigartig und abgedreht. Japan ist auch ziemlich verrückt. Aber so etwas wie in dem Video, von dem du sprichst, ist auch nicht stellvertretend. Ich meine, wir, Sean und ich, mussten Longineu mit aller Kraft von den Fans wegziehen. Wir haben mit beiden Armen alles versucht und konnten ihn da nicht wegbekommen. Da waren zehn riesige Securitytypen, die die Leute vom Van fernhalten wollten. Das war wahnsinnig, fast beängstigend. Du kannst Sean O’Donnel hinter der Kamera schreien hören, dass sie einfach nur aufhören sollen, das war heftig und wir haben es nirgendwo anders auf der Welt so, wie in Südamerika erlebt. Das letzte und erste Mal, dass wir da waren war 2006 und wir waren da berühmter. „Lights and Sounds“ war tatsächlich in Südamerika besonders erfolgreich, im Vergleich zum Rest der Welt, und als wir da unten waren…mitten in jenem ganzen Tourkreislauf, die gleiche Geschichte wie jetzt. Wir brauchten Sicherheitspersonal, wo immer wir hin wollten. Wir kamen nicht in die Hallen oder nicht wieder zum Van. Das war verrückt. Aber ich will was zu den deutschen Fans sagen, die du eben so eingeschläfert dargestellt hast. Wir haben in den vergangenen Wochen diese Festivals gespielt und waren sehr überrascht. Die Shows waren der Wahnsinn! Jeder sagt über die deutschen Fans, sie wären so kritisch und würden die Show analysieren [schuldig] und bei diesen beiden Festivalauftritten waren sie total freaky und toll. Vielleicht stimmt es ja und man erkennt die gute Band daran, dass die Fans aufhören zu analysieren und einfach durchdrehen. Ja, das versuchen wir dann hinzukriegen. Analysiere nichts und habe viel Spaß bei der Show nachher!