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STAIND – Staind

Staind - Staind - Artwork (Large)

(Roadrunner Records)

Euphorie, ein breites Grinsen, trotzdem Skepsis und Vorsicht. Schwer zu beschreiben, die ersten Gefühle und Reaktionen auf die ersten Gerüchte bezüglich der kommenden Scheibe von STAIND im World Wide Web. Kleine Infofetzen schnappte ich auf, das neue Album soll wieder härter ausfallen. Das gebannte Warten begann. ‚Eyes Wide Open’ war dann der erste Vorbote, den ich vernahm, ich glaube im Nachhinein, es war ein Video auf Youtube, bestehend nur aus dem Song und dem Albumcover auf der visuellen Seite. Aaron Lewis brüllte wieder über lange Strecken, Mike Mushok ließ die Klampfe dazu ordentlich braten. Die Skepsis war verflogen, das Grinsen wurde breiter, die Entenpelle großflächiger, das gebannte Warten bekam das nötige Quentchen Beruhigung verliehen, um anzunehmen: Die Jungs sind zurück und zwar in alter Stärke!

Einige Wochen später, zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen: Das Warten hat sich definitiv gelohnt. STAIND sind wieder da, aber nicht so, wie man es anhand der letzten Album-Entwicklung hätte annehmen sollen. Eine kleine Rückschau: „Dysfunction“, die erste „breit erhältliche“ Scheibe (das Debüt „Tormented“ zu bekommen, glich einem Sechser im Lotto) von Lewis und Co. erschien 1999 und schlug parallel mit dem New Metal-Boom ein. Wobei STAIND sich eher bei Gitarren-Bands wie Alice In Chains bedienten und ihren Sänger zwischen melodischem Sehnen und aggressivem Hass-Gebrüll pendeln ließen. Songs wie ‚Mudshovel’ waren Paradebeispiele für die Generation Hard Rock-Arschritt des 21. Jahrhunderts, ein gelungener Spagat zwischen Melancholie und Wut, den die Band so leider nie mehr hinbekam, denn mit dem Nachfolge-Album „Break The Cycle“ und Songs wie ‚It’s Been Awhile’ und ‚Outside’ kam die Akzeptanz auf breiter Ebene und der Einzug ins Mainstream-Radio und die Top10.

Mit dem darauf folgenden „14 Shades Of Grey“ verabschiedete man sich dann fast komplett vom Gebrüll, Mushok durfte zwar noch amtlich losrocken (‚Price To Play’), die Band schrieb noch herzzerreißende Stücke (‚So Far Away’), STAIND’s Metamorphose zur Schmuse-Band stand aber kurz bevor und ging auch mit dem Album „Chapter V“ weiter, obwohl man mit Songs wie ‚Paper Jesus’ noch etwas dagegenhielt. Mit „The Illusion Of Progress“ gab man schon im Album-Titel die Antwort auf die Entwicklungsfrage und war in der Belanglosigkeit angekommen. Nicht, dass STAIND jetzt ein schlechtes Album machen würden, dafür sind die einzelnen Faktoren zu begabt und zu gut, nein, das Werk war schlicht zu glattgebügelt und gleichförmig.

Mit dem gleichnamigen „Staind“-Werk rockt man die letzten drei Alben in die Vergessenheit und formt einen Hybriden aus dem „Dysfunction“ und „Break The Cycle“-Werk. Die gequälte Wut, die sich einen Weg durch Lewis Kehle bahnt, bekommt die nötige Rückendeckung von Mushoks fetter Klampfe. Es gibt harte Stücke a la ‚Suffocate’ (von der „Dysfunction“), auf der anderen Seite melancholische Tracks wie ‚Fade’ (von „Break The Cycle“). Ein gelungener Crossover, eine ideale Mischung auf Album-Länge. Das alles mit einem wuchtigen Rock-Sound Marke 2011 und zwar ohne Rücksicht auf Verluste und ohne auf Chart-Plazierungen zu schielen!

Songs wie ‚Not Again’ könnten durch Lewis lang anhaltende Schreie als Fön fungieren, die melancholischen Vocals auf der anderen Seite bringen die alte Jekyll & Hyde-Zerrissenheit in STAIND’s Musik, die uns 1999 so kickte, ideal in die heutige Zeit zurück. Im Hintergrund zeigt die Instrumentalfraktion, welche Tricks und Kniffe sie 16 Jahre nach Bandgründung auf der Pfanne hat. Man höre nur mal Stück wie ‚Bottom’, das sich mit einem geilen Stop and Go-Rhythmus vorwärts bewegt, in eine Eruption aus Geschrei mündet, um dann einem genialen, melodischen Refrain Platz zu machen. Das nachfolgende ‚Now’ gaukelt einem Fahrtwind vor. Man fühlt sich im Cabrio sitzend, die Wüstenstraße unter sich, Lewis sitzt als Geschichtenerzähler auf dem Beifahrersitz und macht mit seiner Weisheit versprühenden Stimme den Reisebegleiter. Wahnsinn!

STAIND waren zwar nie weg, deswegen kann man schlecht von einem Comeback sprechen, nennen wir die Entwicklung mal schlicht und ergreifend „die Metamorphose des Jahres“! Willkommen zurück in alter Form, ich hoffe, die neue Wut wird eine etwas längere Halbwertszeit haben.

Album-VÖ: 09.09.2011

5.5 von 6 Punkten
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2 Kommentare zu “STAIND – Staind”

  1. Sveeen sagt:

    Tolle Rezi! Werde mir das Album mal zu Gemüt führen. :)

  2. Zosse Zosse sagt:

    vielen dank für das lob, die scheibe ist aber auch echt hammer! alle anhänger aus den anfangstagen können taub kaufen! ;-)

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