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EMIL BULLS – Oceanic

Emil Bulls Oceanic

Drakkar (Sony Music)

Na endlich komme ich auch mal in den Genuss, ein paar alte Nu Metal-Heroen seiner Zeit unter die „Albumlupe“ zu nehmen. Haben wir doch alle damals gespannt auf die deutschen Antworten auf Amerikas Ausgesandte geschaut. Wo die Hamburger Jungs von 4Lyn (leider) immer etwas belächelt wurden, so haben die Münchener EMIL BULLS da schon mehr Respekt eingeheimst, haben die Mannen aus Bayerns Metropole doch stets versucht, etwas Eigenes aus dem Hype zu kreieren. Und Qualität mit dem dazugehörigen Potenzial sich weiter zu entwickeln, ist schließlich für ein Überleben verantwortlich und so kommen die BULLS mit dem neuen Output auf beachtliche sieben Langrillen und eine (überragende) Live-DVD.

Eine entscheidende Kurskorrektur wurde mit dem 2008 erschienenen „The Black Path“ eingeschlagen. Von dort an entschied man sich, den EMIL BULLS typischen Sound etwas härter auszulegen und Frontmann Christ von Freydorf wieder etwas energischer zur Sache gehen zu lassen. Klargesang, Shouts, Breakdowns, all diese Dinge bestimmen seitdem wieder das Gesamtbild und wurden durch das großartige „Phoenix“ konsequent weiter verfolgt. Nun galt es für EMIL BULLS eine große Hürde zu nehmen. Vielleicht sogar die größte ihrer 16 jährigen Bandhistorie. Mit Produzent Benny Richter (The Mercury Arc, Mark Terenzi) und Frontsau Christ paaren sich Erfahrung, Kreativität und das besondere Quäntchen, um sich dieser Aufgabe zu stellen.

Nach dem akustisch, bedrohlichen Intro ‘The Concubines Of Debauchery’ geht es mit ‘Epiphany’ richtig los. Zwar ist es kein Konzert-Opener in der Klasse eines ‘Here Comes The Fire’, aber ein großartiger zweiter Song eines Gigs und würdiger Nachfolger des genannten in jedem Fall, Elektrospielereien inklusive. Diese sind auch bei ‘Between The Devil And The Deep Blue Sea’ am Anfang zu vernehmen, bevor es mit pumpenden Riffs aggressiv fortschreitet, ohne allerdings diverse melodische Ruhephasen zu vernachlässigen. Das Ende der Straße ist erreicht, so zumindest zu vernehmen in ‘The Jaws Of Oblivion’, welcher in typischer EMIL BULLS-Struktur daher kommt und die anfänglichen Experimente erst einmal wieder zur Seite stellt. Ein bisschen ‘Newborn’-mässig zum Teil. ‘Not Tonight Josephine’ gibt wieder etwas mehr Gas und Josephine rockt somit ordentlich das Haus. ‘Battle Royal’ hingegen zieht Tempo und Aggressivität weiter an und mündet in einen klasse Chorus. Wäre ein richtig guter Live Song. Mit ‘I Bow To You’ haben wir dann die erste Ballade und verdiente Ruhepause. Christ variiert dabei seine Vocals von zart bis rockig und so treibt man gerne auf dem weiten Ozean dahin. Aber in den Weiten gibt es ja bekanntlich auch so seine Untiefen mit legendenmäßig gefährlichen Monstern und genau so eins taucht mit ‘We Dont’t Believe In Ifs’ vor uns auf und reisst uns die Eingeweide raus. Devinitiv einer der härtesten Songs der Bandgeschichte. Ganz „Oceanic“ bietet so viel Abwechslung, dass man bei nur einem Durchlauf regelrecht erschlagen wird, von so vielen Einflüssen. Mehrere Durchgänge lohnen daher und sind auch nötig, um alle Nuancen zu entdecken und zu begreifen. EMIL BULLS 2011 mit einem weiteren Meilenstein ihrer Historie.

Album-VÖ: 30.09.2011

6 von 6 Punkten
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