(Victory Records) Mit „Some Kind Of Hate“ bringen AIDEN nach „Disguises“ bereits das zweite Album in diesem Jahr heraus. Jetzt fragt man sich: Muss das sein? Beide Alben beinhalten einen Coversong und sind auch sonst nicht gerade lang. Aber gehen wir mal ganz unvoreingenommen an die Sache heran. Man kann AIDEN mögen oder nicht. Ich muss zugeben, ich mag sie an den meisten Tagen nicht, aber höre dann ihre Musik doch zeitweise sehr gern. Ihre Musik liefert einem genau das, was man erwartet. Schnelle, einfache Riffs, knallende Drums, viele Mitgröhl oh-oh-s und nicht zu vergessen, die manchmal lächerlich aufgesetzt wirkende Düsterkeit. Andererseits ist festzustellen, dass ihre „We don’t give a damn“-Attitüde am Ende des Tages doch aufrichtig zu sein scheint. Die Jungs machen die Musik, die ihnen Spaß macht und ihren Fans gefällt, Weiterentwicklung oder Vielseitigkeit ist da offenbar nicht nötig (die hebt sich Sänger Wil Francis für sein Solo-Projekt William Control auf). Um mal ihren düsteren Metaphern gerecht zu werden: Kann man AIDEN daraus einen Strick drehen? „Some Kind Of Hate“ gesellt sich nach „Knives“ (2009) und „Disguises“ in die Reihe härterer, schneller und punkiger Musik a la Misfits. Ihre poppigeren Zeiten hat die Band wohl hinter sich. Dazu passen Titel wie ‚There Will Be Blood‘, ‚Broken Bones‘ oder ‚Irony In The Shadows‘. Wie erwartet bieten gerade diese Nummern wenige Überraschungen, erfüllen aber –besonders live- sicherlich ihren Zweck. Als besonders entpuppt sich für mich ‚London Dungeon‘, der zwar auch ziemlich eintönig ist, aber doch irgendwie hervorsticht, beispielsweise indem er ein Gitarrensolo verweigert . Vor vielen Songs gibt es vom Band eingespielte Zitate, zum Beispiel aus Trainspotting oder Gladiator, was immer eine gute Songeinleitung ist. Bei ‚Grotesque Vanity‘ schießen AIDEN den Vogel (in ihrem Fall wohl die Krähe) ab, indem sie einfach nur einen Frauenschrei als Einleitung nutzen, der dann während des gesamten Stücks immer wieder eingespielt wird, was einen sehr witzigen und starken Effekt hat. Das Lied ist leider ausgesprochen kurz, was bei AIDEN aber nicht punkig, sondern abgeschnitten und teilweise unfertig wirkt. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass die Scheibe im Verlauf „besser“ wird, die letzen 2/3 hinterlassen mehr Eindruck, als die ersten Songs. Der Abschluss ‚In The End‘ erinnert teilweise an eine etwas elektronische Version ihrer ersten Lieder . Dass die Band Fan von Joy Division ist, sieht man ihr ja an der Stirn (bzw. an Wils Hals) an, die Coverversion von ‚Transmission‘ hätten sich AIDEN aber verkneifen können. Es ist zwar legitim, ja sogar wünschenswert, wenn ein Cover im eigenen Stil performt wird, aber eine Band tut sich keinen Gefallen, wenn sie dem Song nicht gerecht wird, was leider hier vor allem stimmlich der Fall ist. Es ist allerdings kein Totalausfall, wie das Alkaline Trio-Cover (‚Radio’), das auf „Disguises“ vielleicht besser ungehört geblieben wäre. Im Großen und Ganzen kann man also sagen: Fans der ersten und letzten Stunde werden „Some Kind Of Hate“ wahrscheinlich mögen, wer aber AIDEN allgemein nicht schätzt, wird viel Anlass finden, sie weiterhin zu belächeln. Ihnen ist’s sowieso egal. Album-VÖ: 24.10.2011