(Redfield Rec. / Alive) Ja, is' denn scho' wida Karneval? 11.11.2011 … Die Deppen und Jecken treten wieder auf die Straßen, Tanz- und all die anderen Bildflächen, wo sie keiner sehen will. Da sag ich doch mal "Scheiß drauf"! Und die Alternative? Was kann man seit dem besagten Schnapsdatum sonst noch so machen? Natürlich den neuen Longplayer von Hanno & Co. in seinen CD-Player, auf seinen Plattenteller oder in sein MP3-Gerät ein- oder auflegen, bzw. einlesen und dauerrotieren lassen. Diesmal nicht in Nachtschichten in einer Schule aufgenommen, sondern mit Gregor Hennig (bekannt als Produzent von u.a. Die Sterne, Robocop Kraus, Superpunk....). Überproduktion fehl am Platz. Analog und live war Trumpf. Fehler auch mal da lassen, wo sie sind. Also etwas weniger Bombast als noch beim Vorgänger "Jugend Violencia". Trotzdem gibt es hier und da immer wieder kleine Spielereien mit Klavier, Synthies oder Elektroschrott (wie sie selbst es nennen). Letztes Mal noch blutige Lederjacke auf dem Cover, dieses Mal ein beflügeltes Pferdchen. Heißt das nun auch weniger Punk und Rotzigkeit? Das kann man nach erstem Höreindruck verneinen. Es heißt einfach mal wieder, dass auch "Automat Superieur" ein stimmiges Rundum-Glücklich-Package geworden ist. Nun, wie das Infoblatt einem weismachen will, dass sich die SIXXXTEN-Jungs neu erfinden, will ich nicht ganz unterstreichen, aber wie eingangs beschrieben ist die Herangehensweise während Aufnahme und Produktion eine andere. Dennoch, wer das Debüt kennt, wird auch den Nachfolger sofort als SIXXXTEN erkennen. Sie haben sich definitiv ihre eigene „Marke“ geschaffen. Eigenständigkeit, Rock, Rotz, Ohrwurm-Melodien und eine verdammt, mit Understatement gepaarte, dicke Lippe. Die dürfen sie auch riskieren, denn sie haben DAS Material dazu, sind sympathisch und vor allem extrem authentisch. Und genau das sieht, spürt und hört man nicht nur, wenn man sie mal Live gesehen hat, sondern – und diese Tatsache ist nicht immer üblich – auch auf Silberling oder Vinyl. Rock ist hier das Ass im Ärmel, gepaart mit den stichhaltigen Beilagen rotzfreche Riffs, auch mal wieder angestoned, oder auch mal hardrockig, zauberhafte Melodien und Hooklines, Disco-Grooves hier und da für das Tanzbein, Lyrics mit ironisch-zynischen Geschichtchen zum Schmunzeln oder Mitgrölen und alles kurz, präzise auf den Punkt. Interessant und zeitlos, da man auch nach mehrmaligem Hören immer wieder kleine, aber feine Details entdeckt – und das nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch in den Texten. Ein bisschen Punk und Rock und Indie zum Springen, Kopfnicken, Tanzen oder einfach nur mal zum Zuhören. Deutschrock auf hohem Niveau. Natürlich kann man jetzt auch wieder versuchen, Vergleiche zu finden, doch es wird schwer – wie schon beim Vorgänger - sich da auf etwas festzulegen und "Automat Superieur" einzugenerisieren. Queens Of The Stone Age, Die Goldenen Zitronen (zu späterer Phase), Soulwax, De Staat blablabla. Um es schnell noch mal zusammenzufassen: SIXXXTEN sind das verdammte Gegenteil von Langeweile. Mittlerweile zwei Alben am Start, ohne auch nur einen Lückenfüller – Alles Mörder keine Füller! Knapp 40 Minuten, die es in sich haben und nach Bühne schreien. Einen Live-Termin sollte man sich nicht entgehen lassen und verdammt noch mal jedes noch so unwichtige Festival sollte sich SIXXXTEN ins Programm holen, anstatt jedes Jahr fast den selben Scheiß zu buchen. Anspieltipps: 'Wodka Hypnotika', 'Blut Rein / Blut Raus', 'Der 3. Raum', 'Grad Im Wald', 'Kalte Stadt' Album-VÖ: 11.11.2011