WEDNESDAY 13, Berlin, Magnet, 21.11.2011

Wenn ich darüber nachdenke, wie unbekannt WEDNESDAY 13 in kommerzieller Hinsicht sind, freue ich mich jedes Mal, dass die kleine Band doch immer genug Menschen für eine Mini-Tour anziehen kann.  Das kann daran liegen, dass man keine übersteigerten Ambitionen bei der Clubgröße hat, oder daran, dass die Band einfach rockt und die Konzertgeher immer wiederkommen.

An diesem Montagabend hat sich schon vor Einlass eine kleine Schlange von Menschen vor dem „neuen“ Magnet eingefunden, um sich ihre Dosis Horror abzuholen. Da ein Konzert von WEDNESDAY 13 auch immer was für die Augen ist – die „schwarze Szene“ gehört schließlich zu den wenigen, die  Vielseitigkeit zulassen- vergeht die Wartezeit schnell. Kurz nach 20 Uhr geht es dann auch endlich hinein ins Warme. Die Aufteilung des Clubs ist der Witz schlechthin. Die kleine Bühne liegt in eine Ecke gequetscht, sodass sie unmittelbar davor wenig Platz bietet. Ein Großteil der Zuschauer wird in dem schlauchförmigen, niedrigen Raum weit abseits stehen.

Aber genug geärgert, 20:30 Uhr geht es mit der Supportband CIRCUS RHAPSODY aus Deutschland los. Die Jungs sehen mehr nach Skaterpunk aus, ihre Songs scheinen aber den Themen nach dem Horrorgenre anzugehören, womit sie bei WEDNESDAY 13 ja bestens aufgehoben sind.  Insgesamt kann man den Stil des übernächtigten Trios aber nicht wirklich beschreiben, da er von Song zu Song variiert. Die Stimmung steigt, irgendwann legt man auf Bühnenseite Socken und Schuhe ab, dafür kommt ein Akkordeon mit ins Spiel. CIRCUS RHAPSODY nehmen sich selbst überhaupt nicht ernst und ziehen einfach ihr Ding durch, das gefällt. Nach 30 Minuten ist der Spaß allerdings schon vorbei und es wird im Eilverfahren umgebaut. Hier und da wird noch ein Totenkopf hingelegt; im Vergleich zu früheren Touren halten sich die Requisiten aber in Grenzen.

Um halb zehn ist es dann endlich wieder soweit! Es erklingt ein Intro vom Band und die fünf Männer betreten die kniehohe Bühne. Wednesday 13 ist das unangefochtene Zentrum der Aufmerksamkeit aber auch Langzeitkumpel und derzeitiges Bandmitglied Roman Surman mit passender Dr Jekyll/Mr Hyde-Frisur weiß sich perfekt in Szene zu setzen. Das Konzert wird mit ‚Calling All Corpses‘, dem Titeltrack des aktuellen Albums eröffnet, der fließend in DEN Song ‚I Walked With A Zombie‘ übergeht. Hier kocht die Stimmung auf beiden Seiten schon über. Mr. 13 weiß auf der Bühne mit dem Rampenlicht umzugehen, das er abseits ganz gerne meidet. Er steht auf Boxen, klatscht Hände aus der Menge ab und schmeißt die endlich wieder langen Haare ordentlich hin und her. Musikalisch gibt es eine Reise durch sein großes Repertoire voller Film- und Musikreferenzen. Von ‚From Here To The Hearse‘ über ‚Happily Ever Cadaver‘ bis zum Fanliebling ‚Rambo‘. WEDNESDAY 13‘s Musik ist vielleicht nicht vielseitig (will sie auch nicht sein), aber immer für eine Party gut.

Nach der Halbzeit gibt es mit ‚I Want You Dead‘ einen der schnellsten Songs, bevor man bei ‚I Wanna Be Cremated‘ mit typischem Wortwitz den Ramones  Respekt zollt und dann mit ‚197666‘ (Wednesdays Geburtsjahr) das Set schließt. Aber weder Publikum noch Band möchten auf eine Zugabe verzichten und so wird bald das passende ‚Till Death Do Us Party‘ eingeleitet. Daraufhin gibt es das bitterböse ‚Bad Things‘, das wir doch aber alle bitte nicht persönlich nehmen sollen. Nach dem neuen ‘Something Wicked This Way Comes‘ und 75 Minuten Shock and Terror ist dann leider endgültig Schluss und die Herren ziehen sich in ihre Gräber … ähm Gemächer zurück.

WEDNESDAY 13 gehören wohl zu diesen Bands, die nie langweilig werden, obwohl sie sich abgesehen von neuen Besetzungen nicht wirklich weiterentwickeln. Ein winziger Makel ist, dass bei so vielen tollen Songs immer persönliche Favoriten auf der Strecke bleiben werden. Mit einer unglaublichen Liebe zum Detail ist jedes Konzert etwas Besonderes und für die Realitätsflucht geeignet.

5.5 von 6 Punkten
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