(Roadrunner Records / Warner) Die großen KORN. Nun komme auch ich mal in den Genuss eine Scheibe der großen Heroen der 90er zu rezensieren. Mittlerweile sind wohl alle Fans von damals zumindest ihren Adidas-Trainingshosen entwachsen und man darf gespannt sein, was sich die Mannen um Jonathan Davis anno 2011 ausgedacht haben, sind KORN doch immer für eine Überraschung gut. In ständiger Entwicklung tingeln die Jungs immerhin schon gefühlte 100 Jahre und 10 Alben in der Musiklandschaft umher und haben sich dabei nicht selten neu erfunden. Das letzte Output „KornIII - Remember Who You Are“ hinterließ dabei eher gemischte Gefühle, wurde doch eine Art „back to the roots“ angekündet und letztendlich suchte man nach Qualität à la ‚A.D.I.D.A.S.’, ‚Falling Away From Me’ oder auch ‚Twist’ mehr oder weniger vergebens. Nun ca. 1 ½ Jahre später starten KORN erneut durch und das Ganze in völlig neuem Gewand. Als Liebhaber von Gitarrenmusik dürften einem dann auch Mitwirkende wie Excision, Datsik, Noisia, Kill The Noise oder 12th Planet eher unbekannt sein. Einzig der Name Skrillex mundet hier bekannt. Und da auch in einschlägigen Metal-Magazinen wenig oder keine Vorzeichen für ein neues KORN-Album zu erfahren waren, sollte jedem klar sein, das hier nichts Altbewertes geboten werden soll. Um nun den Metal- und Rockfan aufzuklären, die oben genannten Protagonisten sind führende Experten in Sachen Elektro und Dubstep und in Verbindung mit KORN kann da nur etwas völlig neuartiges (laut Labelinfo) bei herauskommen. Linkin Park haben jedenfalls bewiesen, wie es nicht funktioniert, zumindest nicht bei Fans der ersten Stunde. Gleich bei der ersten Nummer ‚Chaos Lives In Everything (Feat. Skrillex)’ ist höchste Konzentration gefordert, gilt es doch das neue Soundgewand richtig einschätzen zu können und obwohl es genauso losgeht wie beim Lesen der oberen Worte vermutet, kommt einem der Start des Albums nicht wirklich unvertraut vor. Jonathan Davis' Gesang bietet alle Nuancen der Vorgängeralben. Mal schimpfend, mal melancholisch oder auch wimmernd, alles doch sehr vertraut, aber eben nicht mit Gitarrenwand, sondern feinster Elektronik geführt. ‚Kill Mercy Within (Feat. Noisia)’ fängt gar mit einer getunten Gitarrenführung an und führt sich mit äußerst ausgeprägt, teils sehr aggressiven Sythies fort. Kaliber Nummer drei ‚My Wall (Feat. Excision)’ pumpt danach mal so richtig durch die Boxen. Tief getunt und dreckig im Klang mit teilweise sehr feinfühligen Vocals als krassen Gegensatz, bietet dieser Song ordentlich Druck und ist sogar dezent headbangtauglich. Orgelklänge bei ‘Narcissistic Cannibal (Feat. Skrillex and Kill The Noise)’ und wieder dürfen wir uns über den Ansatz eines gitarrenartigen Sounds freuen und sogar scratchähnliche Auswüchse lassen etwas New Metal-Flair aufkommen, dazu gesellt sich eine klasse Melodieführung im Gesang. Eine echte Mitsingnummer, aber leider viel zu kurz. ‚Illuminati (Feat. Excision and Downlink)’ bietet dann gewohnten, neu erfundenen Standard und fügt sich ins Gesamtkonstrukt ein. ‚Burn The Obedient (Feat. Noisia)’ drückt dann wieder ordentlich und sehr basslastig durch die Boxenwand, leicht elektrogetrimmte Vocals sorgen für unterschiedliche Klangbilder in Jonathans Stimme, die wieder phasenweise sehr melancholisch anmutet. Der grösste Hit der Scheibe ist laut Label die Single ‚Get Up! (Feat. Skrillex)’ eine sehr technolastige Nummer, die bereits über 150.000 mal verkauft wurde und tatsächlich bietet diese Nummer sogar eine richtige und wohl größte Portion Rock des ganzen Albums. Klasse Riffs, aggressiv und ein richtig guter Chorus, alles Zutaten für echtes Hitpotenzial. Wahrscheinlich werden nun echte Elektro- und Dubstepexperten beim Hören dieser Scheibe und Lesen der Review die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, aufgrund verschiedener Beschreibungen des Gehörten. Könnte allerdings auch an unserem Slogan bei Gestromt.de liegen: „Alles was rockt!“ Jedenfalls war diese Art von Sound auch für mich mehr oder weniger Neuland in redaktioneller Hinsicht zumindest, aber ich denke, in einem Punkt werden sich alle einig sein. Diese Scheibe ist um Längen besser, als die aktuelle von Linkin Park. Als Elektrofan würde ich wohl volles Haus geben. Als Rocker ist es ein und ein halber Blitz weniger. Album-VÖ: 02.12.2011