(Edel / earMUSIC) ANGELS & AIRWAVES sind inzwischen längst dem Lückenfüller-Ruf entkommen. Das ist gut so, denn AvA sind eindeutig mehr und besser als nur ein Nebenprojekt Tom DeLonges. So haben sie trotz der Blink 182-Reunion 2009 zwei Alben kreiert und einen Arthouse-Film produziert. Diese Bestandteile werden jetzt in Zukunft als Multimedia-Gesamtkunstwerk gelten, hier soll sich aber nur auf die Musik konzentriert werden. Der erste Teil dieses Werks mit dem einfachen Titel „Love“ erschien passenderweise am Valentinstag 2010 als kostenloser Download und bildet den Soundtrack zum gleichnamigen Science-Fiction-Film. Die Funktion der Hintergrundmusik erklärt möglicherweise die Schwierigkeit der Scheibe: Man könnte das Album schon fast als zu sehr aus einem Guss beschreiben, so gleichmütig plätschert es zeitweise vor sich hin. Bei dem am 11.11.2011 erschienenen neuen Album „Love Part II“ (wer hätte diesen Titel erahnen können?), das den Kreis schließt, ist das ganz anders. Jeder Song kann für sich stehen, fügt sich aber wunderbar ins Gesamtbild ein. Obwohl die Songs im Film nicht auftauchen, beginnt der Opener ‚Saturday Love‘ wie ein richtig spaciger Score. Die atmosphärische, leicht großspurige und ausufernde (um das schreckliche Wort „episch“ zu vermeiden) Art Musik von AvA ist hier nicht ermüdend und eignet sich offensichtlich hervorragend für solche umfassenden Projekte. Bei „Love Part II“ handelt es sich trotz einer gemeinsamen Stimmung um eigenständige Songs, die insgesamt auch das einsame Weltall-Astronauten-Thema des Films weiterführen. Es gibt keine Instrumentals, sondern Lieder, die sich auch klasse als Single eignen. So wurden die beiden vielleicht eingängigsten Stücke ‚Anxiety‘ und ‚Surrender‘ auch bereits veröffentlicht. Der Sound der Band hat sich nicht besonders verändert, ist bestenfalls etwas gereift und gediegener. Tom DeLonge erstaunt weiterhin mit ernsthaften Texten, die bei Blink so lange vernachlässigt wurden und die anderen Musiker müssen niemandem mehr etwas beweisen. Trommler Atom Willard ist auf „Love Part II“ zum letzten Mal mit von der Partie und wurde inzwischen durch den ehemaligen Lost Prophets Drummer Ilan Rubin ersetzt. Es wird also spannend, ob sich das auf den zukünftigen Stil auswirkt. Bisher bleibt aber die Schwäche der Band, dass Songs sich irgendwie in sich selbst verfangen, auch auf diesem Album bestehen. Diese Nummer ist bekannt, aber irgendwann wird sie lahm. Es gibt Refrain und es gibt Endlosschleife. Manche Zeilen werden so lange mantrahaft wiederholt, bis sie ihre eigentliche Bedeutung hinter Generve verlieren. Das ist schade. Bestes Beispiel dafür ist vielleicht ‚One Last Thing‘, das mit witzigem Riff und Fast-Sprechgesang recht interessant anfängt. Beim darauffolgenden ‚Inertia‘ verhält es sich andersherum; es geht mit vielen völlig nichtssagenden sinnlosen Ahhahhs, und Ohhohhs los, bevor dann dezent gerockt werden darf, dazu gibt es vereinzelt eine Computerstimme, die am Ende noch richtig auf die Kitschdrüse drückt. Dabei braucht es doch gar nicht viel Gehabe; einer der schönsten Songs ‚Moon As My Witness‘ ist ganz simpel gestrickt, aber funktioniert wunderbar. Ebenso das starke ‚Behold A Pale Horse‘, das das Ende von „Love Part II“ einleitet. Nebenbei sieht man auch, dass die Band ein Händchen für tolle Songtitel hat. „Love Part II“ ist ein gutes Album, auch wenn ANGELS & AIRWAVES das Rad, oder sich selbst, mit ihrem Love-Zyklus nicht neu erfinden. Die Jungs haben Ideen und Visionen und trauen sich, diese ohne Rücksicht auf „Verluste“ zu veröffentlichen. Album-VÖ: 11.11.2011