LA DISPUTE, FORMER THIEVES und CANNONEER, 17.1.2012, Magnet, Berlin

Mit LA DISPUTE live erfüllt sich für mich ein Herzenswunsch, nachdem ich ihre Musik im letzten Jahr kennen- und lieben gelernt habe. Nach zwei Supportbands geben sie sich an diesem Abend vor ausverkauftem Haus die Ehre!

CANNONEER, eine Melodic Hardcore Band aus Deutschland macht gleich nach acht Uhr den Anfang. Nach kurzem Hin und Her, was den technischen Feinschliff angeht, legen sie ein überzeugendes, etwa halbstündiges Set hin. Ihre Musik passt gut zu einem Konzert von LA DISPUTE und es freut mich, solche Bands in Deutschland zu haben. Die Jungs aus Fröndenberg sollte man mal im Auge behalten, von ihnen wird bestimmt einmal noch einiges zu hören sein.

FORMER THIEVES sagen, es sei ihre erste Tour in Deutschland. Komischerweise könnte ich schwören, die Jungs schon einmal live gesehen zu haben. Im besten Falle heißt das, ich irre mich, leider heißt es aber auch, dass FORMER THIEVES wie viele andere Supportbands klingen, die ich schon gesehen habe. Den Gesang bzw. die Screams finde ich etwas zu eintönig. Man kann gar nicht die Stimme dahinter erkennen, wodurch dieser Part irgendwie austauschbar wirkt. Die restliche Musik von FORMER THIEVES scheint schon vielversprechend differenziert, verschwimmt aber irgendwie ineinander, was allerdings auch am Sound im Magnet (bzw. meinem Standort) liegen könnte. Im Vergleich zu CANNONEER trifft die Band auch auf weniger Zuspruch vom Publikum, obwohl es inzwischen vor der Bühne eng wird.

Irgendwann ist es dann auch endlich so weit und das Quintett aus Michigan, auf das alle eigentlich warten, betritt die kleine Bühne und legt mit ‚A Departure‘, dem Opener vom aktuellen Album „Wildlife“ los! Das Konzert ist genau, wie ich es mir vorgestellt habe: Vor und auf der Bühne einfach komplett wild. Sänger Jordan Dreyer mag von Statur und Körpergröße nicht gerade groß wirken, aber was er an Herzblut, Stimme, Spielfreude und Aufrichtigkeit ausstrahlt, würde man auch nicht einmal hinter einem Riesen vermuten können. Seine Band steht ihm dabei in nichts nach, ist aber natürlich durch die Instrumente weniger beweglich, was Publikumskontakt angeht. Wenn man aber sieht, wie Bassist (und Merchdesigner!) Adam Vass schnell seine Brille ablegt bevor losgerockt wird, kann man sich vorstellen, dass auch jenseits des Gesangs alles gegeben wird. So ein Konzert lässt sich nur schwer ganz sachlich beschreiben, da es vor allem von Emotionen getragen wird, die wohl jeder anders empfindet. Man wünscht sich, den Abend gedanklich abzuspeichern und in fünfzig-sechzig Jahren noch abrufen zu können, wenn man von der guten alten Zeit sprechen wird.

LA DISPUTE spielen zwar mit knapp einer Stunde für meinen Geschmack nicht lange genug und verzichten leider auch auf einige Fanlieblinge (zum Beispiel ‚Andria‘), aber man kann schon sagen, dass die Band sich wahrlich verausgabt hat, als sie ihr Set mit ‚Said The King To The River‘ abschließt. Für das Publikum gilt dasselbe, wobei ich das Ausmaß an unqualifiziertem Crowdsurfing zum Schluss bloß noch affektiert und übertrieben bis gefährlich finde. Aber da ich weder ausgespickte Augen noch blutende Nasen sehe, die das uneingeschränkte Hochgefühl des Abends noch schmälern könnten, kann man doch von einem vollen, wenn auch zu kurzem Erfolg sprechen!

5.5 von 6 Punkten
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