(Universal) Eine Rezi ist ja auch irgendwie immer ein Feedback und da ist die wichtigste Regel die “Sandwich-Taktik“. Diese besagt, man soll einen negativen Punkt immer zwischen zwei positiven Aspekten nennen. Ich glaub, so mach ich es. KRAFTKLUB ist wohl nicht nur eine neue Band, hier geht es um weit mehr. Aufmerksam wurde ich Ende 2010 auf diese Band, irgendwie durch einen Freund drüber gestolpert und die EP „Adonis Maximus“ bekommen. „Musst du dir unbedingt anhören!“, das waren seine Worte. „Ich muss gar nix!“, waren meine. Ich tat es trotzdem und es war nicht die schlechteste Entscheidung in meinem Leben. Was waren das für Songs und was soll das überhaupt für eine Musikrichtung sein? Selten habe ich mir mehr Schubladen gewünscht, als an diesem Tag. Ich wollte das alles einfach irgendwo einordnen können. 
Wahrscheinlich ging es nicht nur mir so, irgendwie wurde was Neues geschaffen Rock/Indie mit Sprechgesang...klingt im ersten Moment komisch, funktioniert aber bestens.
Und genau hier scheint das Phänomen KRAFTKLUB zu greifen, nicht nur eine neue Band zu sein, sondern ein Hype, ein Trend und weitergesponnen, sogar ein Lebensstil zu werden. Die Resonanz auf diese Band in den vergangen zwei Jahren ohne Veröffentlichung einer LP, scheint zumindest ein Indiz dafür zu sein. Unzählige Shows unter anderem im Vorprogramm von Casper, Beatsteaks und Fettes Brot, eine schnell vergriffene EP zeigen, dass da draußen eine Menge Leute auf diese Band, diese Stilmischung gewartet haben. So war es nur eine Frage der Zeit, dass die großen Plattenfirmen anklopften. Den Zuschlag erhielt letztendlich Universal. Es regnete Vorschusslorbeeren, den New Music Award der ARD, die Band erreichte beim Bundesvision Songcontest den fünften Platz und es wurde Zeit für das erste Album der fünfköpfigen Band aus Karl-Marx-Stadt, welches in diesen Tagen erschienen ist und bereits jetzt zur Platte des Monats von der Musikzeitschrift Visions gewählt wurde. “Mit K“ ist der schlichte Titel und mit Sicherheit schon jetzt ein Markenzeichen für ein neues Musikgenre, auch wenn die Jungs um die Geschwister Till und Felix Kummer sich selbst nicht allzu ernst nehmen. „Wir sind nicht kredibil“, ist die Grundaussage des ersten Songs 'Eure Mädchen'….ok, wir lassen die Muckerpolizei zu Hause, sehen das, was auf dieser Platte geschieht eher mit einem Augenzwinkern und genießen, was da passiert. Sicherheitshalber aber schon mal die Tanzschuhe an, Collegejacke rausgekramt und die Hosenträger angeschnallt.
Selten wurde das Thema ADHS tanzbarer aufgegriffen, als bei 'Ritalin/Medikinet'. KRAFTKLUB hat einfach ein Händchen für treibende Strophen und groovende Refrains, das lässt sich jetzt schon für jeden Song dieser Platte sagen.
Kurz durchatmen, es geht weiter mit ihrer ersten Single und dem Beitrag zum BuViSoCo, 'Ich will nicht nach Berlin'. Ein Song, der mir immer wieder ein Lächeln abverlangt, denn eins ist klar, KRAFTKLUB haben die Art und Weise, ihre Texte zu schreiben, perfektioniert. Eloquenz und Einfallsreichtum, gespickt mit einer ordentlichen Dosis Humor und Augenzwinkern ergibt in der Summe einen Platz in der ersten Liga deutschsprachiger Texte, die die Songs nicht so schnell langweilig werden lassen.
Wir sind bei Lied vier 'Liebe' angekommen. Moment, das kenn ich schon…achja…“Adonis Maximus“ …da war ja was. Einer von drei Songs, der es von der EP auf das Album geschafft hat, wenn auch in neu arrangierter Version, es passt so auch besser ins Gesamtbild der Platte.
 'Melancholie' plätschert dann eher vor sich hin, wahrscheinlich ist dies dem sehr starken Anfang geschuldet. Aber vielleicht der richtige Moment, um die eingangs erwähnte Sandwich-Taktik anzuwenden. Hört man jeden Song für sich, so sind das richtig starke Nummern, sitzt man aber zu Hause, im Auto oder auf dem Klo und hört das ganze Album, so kommt man unweigerlich zu dem Entschluss, dass der andauernd zelebrierte und nicht abwechselnde Hi-Hat-Beat in nahezu jedem Refrain doch etwas monoton bis nervig wird. Nun zum zweiten Kritikpunkt. Als ich das Booklet aufgeschlagen habe, wurde ich etwas enttäuscht. Wo zur Hölle ist der für mich tanzbarste Song der EP, 'Schlagerstars', geblieben? Es ist schade drum, dass dieses Lied den Albumbesitzern vorenthalten wird und es bleibt die Hoffnung, dass er vielleicht auf einer Single wieder auftaucht. Ok, ok, wir klappen das Sandwich wieder zu.
Der Chemnitzer KRAFTKLUB nimmt mit einem Hinweis auf ihre Heimat wieder Fahrt auf, 'Karl-Marx-Stadt' heißt dieses Stück und Freunde der Band Beck werden erkennen, dass im Refrain der Hit 'Loser' verarbeitet wurde.
 'Songs für Liam' ist die dritte und neuste Single und wir haben wieder das Niveau der ersten Songs erreicht.
Tempo raus, das erste Mal nach 21 Minuten. 'Kein Liebeslied' durchbricht als erstes die 4-Minuten Schallgrenze und KRAFTKLUB zeigt sich plötzlich von einer ganz anderen Seite, irgendwie balladesk, irgendwie anders, irgendwie schön! Nicht kitschig, nicht laut, aber stark…mit K! Nach 4:18min wird die Handbremse wieder gelöst, 'Lieblingsband (Oh Yeah)' nennt sich das und geht gewaltig nach vorn, mich erinnert es ein wenig an Beatsteaks.
Im schönen Synthie Gewand erzählen KRAFTKLUB, was für großes Arschloch doch 'Mein Leben' ist. Wieder eine kleine Überraschung, die das Album dann doch abwechslungsreich macht. 
Endspurt ist angesagt, mit 'Scheissindiedisko' und 'Zu Jung' reihen sich wiederum zwei Songs der EP auf dem Album ein. Hier wurde produktionstechnisch nochmal ordentlich nachpoliert, der Peter Fox-Sample flog raus, der Text teilweise nachgebessert. Welche Version von 'Scheissindiedisko' nun die bessere sei, ist eine Frage, die schon geraume Zeit kursiert. Ich finde beide Versionen haben etwas, der Song bleibt einfach gut. 'Zu Jung' war schon der heimliche Hit der EP, es ist eine Hommage an die jetzige Generation und subtil garniert mit einigen Hits der Elterngeneration.
Den Abschluss von „Mit K“ macht 'Wieder Winter'. Ich habe das Gefühl, es wird ernster, nachdenklicher, aber trotzdem nicht schlecht. Dennoch stehen die positiven Songs KRAFTKLUB einfach besser, zumindest ist das mein Gefühl. Also freue ich mich auf meine Repeat all Funktion am CD Player und starte wieder von vorne durch. Album-VÖ: 20.01.2012