(BMG RIGHTS/Rough Trade) Das neue Album von DEAF HAVANA bringt einige Veränderungen mit sich. Zum ersten Mal muss Gitarrist James Veck-Gilodi sämtliche Gesangsparts alleine übernehmen. Die Band hat also auf die charakteristischen, emotionalen Screams von Ex-Frontmann Ryan Mellor zu verzichten. Somit steht Veck-Gilodi nun auch im Zentrum der Aufmerksamkeit und sah sich im Vorfeld ebenfalls für das Schreiben der Texte allein verantwortlich. Keine Aufgabe, die einfach zu erfüllen war. Deshalb nahm sich die Band zu Recht besonders viel Zeit für das neue Werk mit dem bitterbösen Titel „Fools And Worthless Liars“. James nimmt Kritikern, die bemängeln könnten, dass das Songwriting etwas zu einfach sei, auch gleich den Wind aus den Segeln, indem er angibt, so etwas eben noch nie gemacht zu haben. Zwar habe er deshalb auf Schnörkel und stilvolle Metaphern etc. verzichten müssen, aber so sei eine ganz besondere Aufrichtigkeit dabei herausgekommen. Das Thema des Albums mit Songtiteln wie ‚Things Change, Friends Leave And Life Doesn’t Stop For Anybody‘ scheint meist das Erwachsenwerden zu sein. Das passt auch ganz gut zu einem zurückhaltenden Musiker, der nun plötzlich zum Frontmann bestimmt wurde. "Zurückhaltend" kann man durchaus unterschreiben, wenn man das Album hört. Der erste Song ‚The Past Six Years‘ lässt sich gut hören, geht dann in das starke Incubus-esque ‚Youth in Retrospect‘ über und mündet dann in etwas typischen „woo ooh ohhs“ in ‚I Will Try‘. Im weiteren Verlauf werden die Songs weniger differenziert und das ist eigentlich auch gut so, denn so bekommt man weniger das Gefühl, das Album sei aus verschiedenen Einflüssen zusammengestückelt worden. Spätere Songs wie ‚Leeches‘, oder ‚The World Or Nothing‘ klingen irgendwie runder und selbstständiger. Das ist also alles ganz nett. Ebenso wie „Fools And Worthless Liars“ insgesamt ganz nett ist.  Man bekommt nicht das Gefühl, dass der Banddynamik ihr alter Hauptsänger fehlt, aber irgendetwas vermisst man trotzdem. Vielleicht ist es gerade DAS gewisse Etwas. Es wirkt auf mich so, als hätte die Band nach der Veränderung ihren neuen, eigenen Sound noch nicht voll entwickelt. Das sind zwar Luxusmäkeleien, aber die meisten Songs auf diesem Album könnte man auch anderen Bands zuordnen und so hinterlassen DEAF HAVANA leider wenig bleibenden Eindruck. Album-VÖ: 27.01.2012