Die fünf Schweden von THE SOUNDS gaben in Hannover das erste Deutschland-Konzert ihrer aktuellen Tour. Eine große Portion Electro, super rotziger Indierock, der kein Bein still halten ließ, die beste Frontfrau der Welt und eine verdammt lange Garderobenschlange an diesem arschkalten Januar-Abend. Statt einer dezenten Einlassmusik donnerten uns in der Warteschlange zur Garderobe schon harte Housebeats des DJs Kids At The Bar, der eine Miniversion von David Guetta hätte sein können, um die Ohren. Er wurde auf der Homepage der Faust schon als erste Vorband des Abends angekündigt. Aha. THE LIMOUSINE, Vorband Nummer zwei, taten es Mini Guetta gleich: volle Kanne elektronische Beats verziert mit 7 LED-Röhren im Hintergrund, die tolle Lichteffekte zauberten, später aber leider in sich zusammenstürzten und die Bühne in ein minimalistisches Schwarz tauchten. Blöd. Highlight war übrigens ihr Paul Simon-Cover von 'You Can Call Me Al', herrlich! Roadies, macht schneller, dachten wir, als THE LIMOUSINE von der Bühne gingen und Mini Guetta schon wieder an sein DJ-Pult huschte – wir wollen THE SOUNDS, jetzt, sofort! Als sogar das „Barbra Streisand“ – Thema durch die Halle tönte, wünschte man sich in diesem Moment nichts sehnlicher als den Sound einer Gitarre... Und was haben House- DJs eigentlich permanent an diesen dutzenden Reglern zu drehen?! Und wer wollte dieses „Hands Up In The Air“ – Gebrülle dieser DJs? Aber nun endlich: die Roadies kleben die Setlisten neben die Mikrofonständer. Dann Licht aus, Spot an – THE SOUNDS!!! Die beste Frontfrau der Welt, diese Behauptung stellen wir einfach mal in den Raum, hatte schon im Opener 'It’s So Easy' das Faust-Publikum in ihren Bann gezogen. Maja Ivarsson - Stars and Stripes–Shirt, schwarze Lederjacke mit Bandlogo drauf, die Haare offen und (Gott sei Dank!) mindestens 3 Kilo mehr auf den Rippen als noch im letzten Festivalsommer, in dem sie auf dem Open Flair oder dem Hurricane einen abgekämpften, erschöpften und müden Eindruck gemacht hatte. Wie gewohnt trippelte sie nun in Hotpants und verdammt hohen Stilettos an der Rampe umher und catchte einen Fan nach dem Anderen. Sie warf ihr imaginäres Lasso aus, zog das Hannoveraner Publikum in ihre verrückte Rock’n’Roll-Welt und hatte es (vor allem natürlich die Männer) damit komplett in ihrer Hand. Maja kickte, Maja ließ ihr Mikro wie eine Windmühle kreisen, Maja klatschte einen euphorischen Crowdsurfer ab, Maja bestieg einen bulligen Security-Typen, Maja trank Bier und qualmte eine Kippe, wann immer ihr danach war. Aber Maja konnte auch anders; 'Night After Night', eine furchtbar traurige und doch wunderschöne Ballade – ein einziger Scheinwerferspot auf die rauchende und sichtlich gerührte Sängerin, die sich nur für diesen einen Song ihr In-Ear-Monitoring herausfriemelte, um das herzerweichende Mitsingen des Publikums („Tomorroooow!“) im vollem Maße genießen zu können. Gänsehaut und Pipi in den Augen! Doch die wässerigen Augen wurden schnell wieder vom Schweiß abgelöst... denn der Klassiker 'Painted By Numbers' folgte prompt und ließ Maja und die Fans nun völlig ausrasten. Auch der Rest der Band rockte und rollte die insgesamt 90 Minuten. Die proppenvolle 60er Jahre-Halle tanzte, hüpfte, crowdsurfte, pogte und kreischte mit! Die Setlist war durch die Bank weg grandios – eine gute Dosis des neusten Albums „Something To Die For“ bis hin zu 'Living In America', das auch dem allerletzten Faust-Besucher ein wohliges Zucken im Bein bescherte. 'Tony The Beat' und 'Hope You’re Happy Now' krönten das Set der fünf Schweden und wer nicht spätestens jetzt ein Grinsen im Gesicht, wunde Füße oder Schweißflecken unterm Arm hatte, dem war auch nicht mehr zu helfen. Nach lauten und einfach nur tollen 1 1⁄2 Stunden, inklusive einer Zugabe, hatten THE SOUNDS es geschafft die Faust zu zerstören. Gerne hätte das Quintett auch noch eine Stunde länger spielen dürfen, oder zwei.... Alles in allem war das ein mehr als gelungener Deutschlandstart der fünf Schweden, der Lust auf mehr gemacht hat. Wer also die Chance haben sollte, THE SOUNDS live zu sehen, der möge das bitte umgehend tun! Und was noch gesagt werden muss: Maja ist ne geile Sau! P.S. The Devil’s Niece will unbedingt die berühmt-berüchtigte Hocke der Maja Ivarsson kopieren und in ihre nächste Luftgitarrenperformance einbauen und den Move „Swedish squat“ taufen!